Dreieckland StromReport Elektra Birseck (EBM)(akt. 03.10.2005 ) Pressebüro © Marc Gusewski   Kontakt per: Email 


30.09.05 „Atel-Beteiligung erspart Strompreisrisiko“, Schaub weiter

22.11.04 47'500 EBM-Genossenschafter wählen 188 Delegierte bis 2008 weiter

19.11.04 EBM nimmt emissionsfreundliche Holzschnitzelanlage ans Netz weiter

02.09.04 20 Jahre Emissionsminderung durch Wärmeverbund weiter

16.08.04 Mieter sind kein Thema für Stromgenossen weiter

16.6.04 EBM Abschluss 2003: Rabatte weiter

30.1.04 Bei Entspannung gerät Erdgas unter Strom weiter

18.6.03 EBM zwischen Markt und Monopol / Delegiertenversammlung

18.6.03 EBM legt Beratungs-Turbo ein weiter

22.5.03 Biomasse-Heizung für Barockes-Kirchenjuwel mehr

14.5.03 Haustechnik-Gewerbe gekauft mehr

5.5.03 EBM geht nach Hollywood: Digital Fernsehen im Programm weiter

19.12.02 EBM, EBL und Onyx gründen Stromvermarktungsgesellschaft weiter

12.06.02 Delegiertenversammlung zur EMG-Abstimmung weiter

13.05.02 EBM feiert die WKK-Kilowattstunden weiter

21.5.02 Ergebnis 01: Elektrizitätsmarkt bewegt Elektra Birseck weiter

29.4.02 EBM Telecom macht Biel-Benkens TV-Netz Internettauglich

18.4.02 EBM mit Turbo ins Stromnetz weiter

7.1.02 EBM kauft Elektrikergeschäft Delfs und Stalder, Basel/Münchenstein; wird in Telematikbereich eingegliedert (nach Tele Weiser und Erich Nebel AG). Keine Angaben über Kaufpreis und Mitarbeiterzahl. Delfs und Stalder wird wie anhin fortgeführt.  

20.10. EBM sieht auf zehn Jahre Solarstrom-Aktivitäten zurück weiter 

Juni 2000: EBM startet in Brennstoffzellen-Technik weiter

 

 

Atel-Beteiligung erspart Strompreisrisiko“

Rainer Schaub, Verwaltungsratspräsident EBM

Münchenstein. 30.9. (Bild C: EBM) Mit dem Merger von Motor-Columbus, Atel und EOS steigen die Elektra-Genossenschaften EBM und EBL als alt Aktionäre der Atel in eine neue Liga auf. Die Oltner tragen mit ihrer Produktion zu drei Vierteln zur Stromversorgung des Kantons bei, die von EBL und EBM vorgenommen wird. EBM als grösste Minderheitsaktionärin führte seitens Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub die Allianz der Schweizer Beteiligten durch die Kooperationsverhandlungen und ist Sprecher der Schweizer Konsortialpartner. Er tritt nächstes Jahr altershalber sein Präsidialamt ab – so wird der Megawatt-Handel praktisch eine Art Krönung seines langjährigen Vorsitzes.

bz: Wie fühlt sich das an, nach so langen, komplizierten Verhandlungen ans Ziel gelangt zu sein?

Rainer Schaub: Vor allem ändert sich, dass ich jetzt öffentlich Auskunft geben kann. Es fühlt sich gut an, nach so geraumer Zeit ein vertretbares Resultat herausgehandelt zu haben. Die Baselbieter Beteiligten mit ihren neuen Partnern steigen direkt in die Eigentümerschaft einer führenden Stromunternehmung auf, was positiv zu bewerten ist. Als grösste Minderheitsaktionärin lag es sozusagen für uns auf der Hand, dass die EBM die Leadrolle in den Verhandlungen würde führen müssen. Schliesslich ist es gelungen genügend Partner beizubringen, die eine schweizerische Lösung ermöglichen halfen.

Die Elektras sind Genossenschaften, non-profit Firmen. Sie werden Geld in die Hand nehmen müssen. Was passiert nun?

EBL und EBM werden sich mit den übrigen Minoritätspartnern mit rund 343 Millionen am Kauf des UBS-Aktienpakets beteiligen, die EBM mit 67 und die EBL mit 30 Millionen. Ich darf für beide Partner sagen, dass wir in der glücklichen Lage sind, diese Beträge aus flüssigen Mitteln zu begleichen. Persönlich kann ich anfügen, dass diese Mittel erwirtschaftet wurden und nun sinnvoll investiert werden können. Unsere konservative Finanzpolitik hat sich so als richtig erwiesen. Wir können handeln, ohne einen Rappen bei Banken aufnehmen zu müssen.

Trägt die Beteiligung an der neuen Atel etwas zur faktischen Versorgungssicherheit bei, oder geht es hier um Finanzinvestments?

Die Beteiligung von EBL und EBM an der Atel war stets der Ersatz für einen eigenen Kraftwerkspark. Für uns ist die Partnerschaft mit der Atel und den damit verbundenen Forderungen nach Strombelieferung entscheidend. Wenn die Atel in ausländische Hände geraten wäre, hätten wir sicherlich weniger Einfluss. Darum war unsere Beteiligung bei den Kooperationsgesprächen mehr als nur eine reine Finanzübung, sondern schlicht eine wirtschaftlich dringliche Notwendigkeit. So erhalten wir unsere Versorgungssicherheit weiterhin unter direkter Kontrolle. In der neuen Atel können wir auf höchster Ebene mitreden im Gegensatz zu früher, wo wir als Minoritäten überstimmt werden konnten.

Im Strommarkt könnten sie sich frei eindecken ohne an eine Stromunternehmung gebunden zu sein – wieso ziehen sie einen anderen Weg vor?

Seit einiger Zeit sehen wir laufend steigende Strompreise, von denen wir abhängig würden. Wir als kleine Versorger müssten immer denjenigen Preis zahlen, den uns die grossen Produzenten diktieren. Die direkte Beteiligung an einer Stromproduzentin wie Atel erspart uns das Preisrisiko und liefert die Stabilität, die EBM und EBL den Stromkunden zu garantieren versprachen und zu garantieren verpflichtet fühlen.

(mgu)

 

Meilen-Sammler: EBM-CEO Hans Büttiker heizt Arlesheim ein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Holzschnitzelheizung für Gebiete mit verschärften Luftschadstoff-Vorschriften

19. November 04. Die Elektra Birseck (EBM) nahm in Arlesheim ihre dritte Holzenergieanlage (540 kW Wärmeleistung) für ein Quartierwärmenetz als Contractorin in Betrieb und Aufsicht (nach Biel-Benken und Möhlin). Beheizt werden Amts-, Schul- und Kirchengebäude am Domplatz. Der Wärmepreis wurde mit etwa CHF0.126 kWh beziffert. Als besonders gilt, dass die Anlage verschärften Luftreinhaltevorschriften von unter 30 Mikrogramm/Kubikmeter Stickstoffdioxid genügen muss, die für hiesige so genannte regionale Luftreinhalteplan-Massnahmengebiete gelten. Die Emissionsbegrenzung setzt zudem eine möglichst sortenreine Laubholzhackschnitzelversorgung voraus, welche der örtliche Forstbesitzer, die Bürgergemeinde, zusicherte. Den strengeren Luftreinhaltevorschriften wurde der Kessel des Vorarlberger Unternehmens Köb am ehesten gerecht, nach Betreiberangaben. Dieser Hersteller wurde das erste Mal in der Region gesichtet. Dem Vorhaben ging eine längere Planungsgeschichte voraus. Verglichen mit dem durch die Holzheizung überflüssig gewordenen Öl- und Gaskessel, werden 325 Jahrestonnen Kohlendioxid (CO2) aus fossilen Quellen eingespart. "Als weiteren Mosaikstein im Interesse einer sparsamen und rationellen Energienutzung" bezeichnete EBM-Direktor Hans Büttiker sein Engagement in Arlesheim.

 

47'500 Genossenschafter wählten 188 Delegierte

22.11.04 Ihre Amtsdauer wird mit 2005 – 2008 beziffert. Wahlkreise sind die 58 politischen Gemeinden des EBM-Netzgebietes. Davon 23 im Kanton Basel-Landschaft, 23 im Kanton Solothurn und 12 im Elsass.  Von den 188 gewählten Delegierten sind 140 Bisherige (74,5 %) und 48 Neue (25,5 %), nach Angaben des mit dem Prozedere beauftragten Wahlbüroleiters Bruno Gehrig (Oberwil). Die Wahlbeteiligung betrug 18,5 %.

Das Delegiertenamt ist vorab ehrenamtlich. Die mit der alljährlichen Delegiertenversammlung verursachten Spesen werden entschädigt. Zusätzlich gibt's  "Naturaldividenden", ein Znacht und eventuelle Einladungen an Delegiertentreffs. Formell haben die Delegierten nur mehr die Möglichkeit, den Geschäftsbericht der EBM Genossenschaft zu bewilligen. Zur EBM gehört die EBM Trirhena AG als Holding über die einzelnen EBM-Gesellschaften. Die Delegierten stimmen allerdings über den Genossenschaftsjahresbericht und nicht über denjenigen der EBM Trirhena AG ab.

Zu den Namen

 

 

20 Jahre Emissionsminderung durch Pionier-Wärmeverbund

2.9.04 Zur Deckung des Wärmebedarfs aller Kunden der Wärmeversorgung Binningen werden rund 16'560 MWh Energie eingesetzt. So werden  Umweltenergienutzung werden jährlich rund 221'500 Liter Heizöl weniger verbrannt und der CO2-Ausstoss um 587 Tonnen reduziert.

Insbesondere bei der Grundlastzentrale beschritt man Pionierwege: Die Heizzentrale besteht aus einer Kombination von Wärmepumpe mit Blockheizkraftwerk, sowie einer Wärmepumpe zur Nutzung von Kanalisationsabwärme des nahen Rümelinbach.

 

Mieter bleiben diskriminierte Strombezüger

Mieter bleiben bei den grossen Strom-Verteilgenossenschaften ohne Beteiligungsrechte. Bei der Elektra Birseck (EBM) sind Mieter selbst nach der Preisgabe des Genossenschaftsprinzips im Jahre 2001 diskriminiert. Die kleinsten Stromer im Kanton zählen Mieter hingegen schon lange zu ihren Mitentscheidungsträgern.

Liestal. Die Ungerechtigkeit gegenüber Mietern besteht Aktenkundig seit einem Vierteljahrhundert und Änderungen bleiben wohl in weiter Ferne.

Damals war das so wegen der geltenden Rechtssprechung, heute mangels Interesse der Entscheidungsträger.

Politik scheiterte am Recht: 1984 Jahren zwangen das Bundesgericht und das Verwaltungsgericht Basel-Landschaft die Einwohnerräte von Pratteln und Reinach ihre gefassten Beschlüsse „für Demokratie“ in den Stromverteilgenossenschaften zu widerrufen.

Politisch hatten die Gemeinden Pratteln und Reinach trotz Widerständen der Elektrizitätswerke ihren Mieterinnen und Mieter Zugang zu Mitgestaltungsrechten dieser Genossenschaften erzwingen wollen. Vorgespurt hatten den Weg fünf Jahre zuvor Bürgerinitiativen mit kommunalen Volksinitiativen. Geschichtlicher Hintergrund für die Volksbegehren war, dass sich viele Strombezüger von der Pro-Atomstrom-Haltung der Stromgenossenschaften abgestossen fühlten, ohne im Gegensatz zu den so genannten Genossenschaftern (Grossbezüger, Hausbesitzer, Gemeinde, Industrie, Gewerbe) Stellung zur energiewirtschaftlichen Ausrichtung ihres Stromlieferanten abgeben zu können.

 

Mieterfrage nicht mehr aktuell

 

„Die Mieterfrage war eigentlich kein Thema mehr“, sagt der Verwaltungsratspräsident der Elektra Birseck (EBM), Rainer Schaub.

Er beobachtet, „dass das Stromgeschäft nicht mehr so politisiert wie damals.“

Der Jurist Schaub bringt es auf den Nenner: „Die Stromversorgung ist heute ein Geschäft und wird nicht mehr als Politik wahrgenommen.“

Mit rund 45'000 Titular Genossenschaftern steht Schaub als Verwaltungspräsident der grössten solchen Körperschaft der Schweiz vor. Allerdings hatte der Titel vor vier Jahren  noch einen völlig anderen Klang.

Einer der bedeutendsten Genossenschaftskenner im deutschsprachigen Raum, der emeritierte Fribourger Professor Ernst Bernd Blümle urteilt: „Was wir hier sehen ist eine Katastrophe und die Aushöhlung des Prinzips Genossenschaft. Der Titel ist ein Feigenblatt.“

Nach Blümle ist die Diskriminierung der Mieterinnen und Mieter reine Willkür. Blümle: „Das Managemant sichert sich auf Kosten der Leistungsträger der Genossenschaft und deren Rechte eine unkontrollierte Macht.“ EBM-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub verteidigt den Kurs: „Die Genossenschafter können den Jahresberichten der Geschäftsleitung ihren Segen erteilen, aber auch ablehnen.“

 

Blick in die Stromgeschichte nötig

 

Was macht die EBM-Politik so kontrovers? Wieso waren Mieter der Klasse der Unberührbaren zugeteilt?

Nur ein Blick in die Historie erlaubt Aufklärung: Im Baselbiet wurde um die Jahrhundertwende die Stromverteilung für Aktiengesellschaften verboten, da „Strom zu kostbar ist für Gewinnmacherei.“ Die Industriellen, Gewerbler, Gemeinden und Hausbesitzer gründeten darum Selbsthilfeorganisationen, die Genossenschaft, welche die Stromverteilung übernahm. Nach dem Prinzip; einer für alle, alle für einen gaben die Beteiligten Geld und finanzierten das Stromfundament des Kantons, weil den Banken das Geschäft übrigens zu unsicher war. So sie überhaupt vorhanden waren; Mieter spielten wirtschaftlich und als Strombezüger dabei keine Rolle. Deshalb blieben Mieterinnen und Mieter als Genossenschafter ausgeschlossen. Heute dagegen beziehen die Haushalte teilweise über die Hälfte der Stromproduktion – als Mitgestalter bleiben sie trotzdem ausgeschlossen.

 

EBL und EBM mit geteilten Wegen

 

Bei der Elektra Baselland (EBL) in Liestal wird geltend gemacht, nur Verantwortungsträger können Genossenschafter sein. Hier entscheidet man tatsächlich traditionell über das Stromgeschäft, wie bei zahllosen kleineren, Dorfelektras, etwa in Sissach. Sissach kennt die Mieter-Beteiligung seit langem und fährt damit so gut wie ihre „grossen Schwestern.“ Dagegen hat sich die EBM im Rahmen der Marktöffnung vom strikten Genossenschaftsprinzip verabschiedet, wie Migros, Coop oder etwa Mobiliar-Versicherung. Bei der EBM geht dies soweit, dass selbst die operative Geschäftstätigkeit nur mehr im Jahresbericht einer übergeordneten Holding aufscheint. Diese Asymmetrie; einerseits Hausbesitzern, Industriellen, öffentlichen Körperschaften den Zugang zur Hauptversammlung der EBM zu erlauben, Mietern aber rein gar nicht, fällt heute auch Schaub auf. Er räumt ein: „Wir überlegen uns, wie wir weitere Kreise einbinden können.“ Vorerst aber geht’s weiter wie bis anhin: bei den EBM finden diesen Herbst Genossenschafts-Delegiertenwahlen statt, wie gehabt – der Rest bleibt draussen.

 

 

Gesunde Finanzen - Stromrabatte

16.6.04 Auf den kommenden Herbst gewährt die Unterbaselbieter Stromversorgerin Elektra Birseck Münchenstein ihren Kunden weitere Stromrabatte. Finanziell geht es dem Unternehmen so gut wie noch nie.

Münchenstein. Die EBM gewährt auf Herbst ihren Kunden im Unterbaselbiet und Schwarzbubenland einen weiteren Strompreisabschlag, der als Rabatt auf Zusehen hin gewährt werden soll. Dies teilte Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub am Donnerstag an der Delegiertenversammlung in Münchenstein mit. So gewährt die EBM nunmehr zwei Sonderrabatte sowie einen Sonderbonus. Letztlich wird der Rabatt auf die Stromrechnung von bisher 5 um zusätzliche 6,5 auf 11,5% so gut wie verdoppelt, der besagte «Energiebonus» beziffert sich auf unveränderte 0,6 Rappen für Private und 1 Rappen pro gewerblichen Kunden.

Von Marc Gusewski
Gegenüber den Delegierten in Münchenstein zeigte sich Verwaltungsratspräsident Schaub zuversichtlich über die Wettbewerbsfähigkeit des EBM-Stromangebots. Heute liegt die EBM im schweizerischen Strompreisvergleich knapp unter dem Landesdurchschnitt. Abgesehen vom Segment grösseres Gewerbe und kleinere Industrie, wo sie nach einer Übersicht des Preisüberwachers knapp bis deutlich darüber liegt. Auf Herbst kündigte eine Reihe Werke in der Schweiz Tarifreduktionen an, was den Vergleich zeitlich einschränkt.

Die von aussen betrachtet verwirrlich scheinende «Rabattitis» anstelle sauberer Preissenkungsrunden, begründet die Geschäftsführung mit Vorbehalten gegenüber dem bundesstaatlichen und kantonalen Preisüberwachungsprozedere. Diesem unterliegt das Strommonopol nach wie vor. Die EBM ist ist punkto Stromabsatz etwa so gross wie die Industriellen Werke Basel.

Abgesehen vom Bereich der Grossbetriebe herrscht noch immer Monopolbusiness. Dies schlägt sich auch in der Jahresrechnung der EBM nieder, die von der Delegiertenversammlung kommentarlos genehmigt wurde. Verglichen mit der Situation vor zehn oder mehr Jahren, verfügt die EBM ungeachtet ihrer Preisabschläge über so viel Flüssiges in ihrer Kasse wie noch nie. Die neuerliche Rabattrunde wird vom Unternehmen mit 11 Mio. Fr. beziffert, zusätzlich zu den bestehenden Abschlägen von 13,3 Mio. Allerdings wirtschaftete die EBM spätestens seit letztem Jahr praktisch schuldenfrei (eine letzte Anleihe von 30 Mio. wurde im letzten Sommer getilgt). Im Gruppenbericht wird das Eigenkapital mit 173 (Vorjahr 163) Mio. ausgewiesen. Der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme ist für die EBM mit 46% so hoch wie nie je zuvor. Dabei findet sich im Geschäftsbericht der EBM-Genossenschaft seit einer Reihe von Jahren das Ergebnis der Holdinggesellschaft EBM Trirhena AG, die wiederum mehrere als AG separat geführte Subunternehmen (Energie, Netz, Telecom, Technik etc.) kontrolliert, sowie einer Reihe kürzlich zugekaufter Firmen im Installationsgeschäft für Telekom und Leistungselektrik/Installationen. Insgesamt wird der Erlös dieser Gruppe auf 211 (Vorjahr 207) Mio. beziffert, die Gesamtleistung auf 234 Mio. Ergebnis vor Steuern: knapp 22,5 Mio.

Vor der 106. Delegiertenversammlung in Münchenstein präsentierte VR-Präsident Rainer Schaub den Anwesenden ein Unternehmen, das sich nach marktwirtschaftlichen Gepflogenheiten zu behaupten und mit tiefen Strompreisen zu brillieren sucht. Schaub betonte den Wert des «inneren» Wachstums und der Effizienz der EBM, um kostengünstiger zu wirtschaften - «ohne Entlassungen», wie Schaub unterstrich. Ferner kündigte er weitere Firmenerwerbungen im Gebäudemanagement an und betonte damit die Diversifizierungsstrategie der EBM.


Bei Entspannung gerät Erdgas unter Strom


30.1.04 Erstmals wird in Arlesheim die Abwärme einer so genannten Erdgas-Druckreduzierstation als Elektrizität "recycliert" für 4500 Haushalte statt als Abfall die Natur zu belasten. 100 solcher Entspannungskraftwerke könnten Schweiz-weit ans Netz.

Arlesheim. msg. In Arlesheim wurde gestern offiziell das erste Erdgas-Entspannungskraftwerk der Schweiz an das regionale Strom- und Erdgasnetz genommen, unter Beifall einer Hundertschaft eingeladener Spitzenvertreter der Kantone, der regionalen Elektrizitäts- und Erdgas-Wirtschaft. Für fünf Millionen Franken errichtete der Gasverbund Mittelland AG (GVM), die nationale Dachorganisation der regionalen und städtischen Gaswerke, diese Kraftwerksanlage mit einer drei Megawatt-Energiekapazität für ca. 4500 Haushalte. Ersetzt wird eine vorbestehende Druckreduzierstation konventioneller Machart, wie sie zu hunderten im Einsatz sind. In Arlesheim wird ab heute zu nahezu konkurrenzfähigen Gestehungspreisen im Strommarkt die thermische Umweltbelastung derartiger Anlagen erheblich verringert, wirtschaftlich wären 100 solcher Anlagen in der Schweiz möglich.

Elektra Birseck verwertet Entspannungs-Strom

Als entscheidend für die Verwirklichung der Pionierkraftwerksanlage bewertete gestern GVM-Verwaltungsratspräsident, alt Regierungsrat Christoph Stutz (Basel), dass die regionale Stromnetzbetreiberin Elektra Birseck (EBM) in Münchenstein zur Zusammenarbeit gewonnen werde konnte. Stutz dankte dem Werk, welches „die Rolle des Strompartners übernommen hat und uns einen wirklich fairen Strompreis anbot.“

Die Stromer wollen vom Stromstart der Arlesheimer "Erdgaser" auch für sich profitieren: Seinerseits nutzte EBM-Chef Hans Büttiker die Gelegenheit, um sein speziell hierfür geschaffenes Stromangebot das erste Mal vorzustellen. Er bietet Interessierten für fünf Rappen Aufschlag zum gewöhnlichen Strompreis eine zusätzliche, oder Vollversorgung mit Elektrizität aus regionalen Energieanlagen an. Dieser „Ratiostrom“, das Wort ist dem Wortstamm „rationeller oder rationaler“ Energieverwendung entlehnt, finanziert gemäss dem vorgestellten Modell hälftig den Stromverkauf aus Arlesheim sowie zur anderen Hälfte den bestehenden dezentralen Kraftwerkspark der EBM, soweit er so genannte Blockheizkraftwerke oder Wärmekraftkopplungsanlagen betrifft (die Elektrizität aus der Wärmegewinnung aus Erdgas erzeugen).

Regierungsrätin Schneider preist Entspannung

Als „energetischen Meilenstein“ pries die anwesende Regierungsrätin Elsbeth Schneider das ans Netz genommene Kraftpaket. Sie nannte das Vorhaben „höchst erfreulich.“ Es diene dem Klimaschutz, der Energieeffizienz, der regionalen Wertschöpfung sowie der Lufthygiene. Für sie repräsentierte dieser Energieakt einen beispielhaften Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Kantons. Dabei unterstrich sie die nachhaltige Entwicklung des Baselbiets. Schneider liess ein paar Mal durchblicken, dass das kantonale Amt für Umwelt und Energie (AUE) wiederholt zugunsten des Projektes bei den beteiligten Entscheidungsträgern von Strom und Ergas intervenierte. Zudem kritisierte sie, ohne die EBM beim Namen zu nennen, dass ein Direktaufkauf des Entspannungsstromes durch den Kanton selbst scheiterte "am verweigerten Stromdurchleitungsrecht". Schneider wortwörtlich: „Das bedauern wir.“

Tatsächlich hat und hatte es erhebliche Spannungen zwischen den Projektbeteiligungen im Projektverlauf gegeben, die mehrfach fast zum Abbruch der Übung geführt hatten, wie die BaZ bereits berichtete (zuletzt 14.5.2002). Auch am Festakt gestern wurden die Meinungsverschiedenheiten der Parteien nur mühsam überdeckt. Insbesondere hatte sich der Stadtbasler Energieverteiler IWB um eine Direktverwertung des Gas-Stromes im eigenen Stadtrayon bemüht, verzichtete dann aber darauf, nachdem die EBM dafür die Rechnung für den Stromtransport aufgemacht hatte. Die IWB ihrerseits ist der grösste Aktionär der GVM AG, hat nun aber keinen direkten Zugang nach Arlesheim. Die Netzbetreiberin EBM bekundet öffentlich zunehmenden Unwillen über die gesetzlichen Stromübernahme-Verpflichtungen, die sich aus dem Betrieb von solchen Anlagen wie der eben ans Netz genommenen in Arlesheim für sie ergeben.
 

 

EBM zwischen Markt und Monopol

18.6.03 Im Versorgungsgebiet der EBM (Elektra Birseck) ist der Strom aktuell so günstig wie nie. Im Vergleich zum Normaltarif werden rund 17 Millionen Franken aus der prall gefüllten Unternehmenskasse an die Verbraucher zurückverteilt.

Münchenstein. EBM-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub begründete am Mittwoch in Münchenstein die neuerliche, bis auf weiteres geltende Stromtarifsenkung in Form eines „Tarifrabatts“ mit der Untertreibung des Jahres: Die Preisabschläge seien durch die „geschickte Stromhandelsstrategie“ der Energieverteilerin erzielt worden, sagte er an der Jahresdelegiertenversammlung. Obwohl der Stromverkauf um knapp einen Dreiviertelprozent sank (-0,7 Prozent Stromverkauf auf neu 1435,2 Gigawattstunden = Millionen Kilowattstunden kWh üblicher Verrechnungseinheiten), erwirtschafteten die "Elektriker" ein Finanzergebnis von 24 bzw. sechs Millionen mehr als im vorvergangenen Jahr. Dies trotz als verschärft empfundenem Preisdrucks, der aus der politischen Elektrizitätsmarkt-Debatte herrührt. Dennoch gibt die Jahresrechnung Rekordzahlen wider: so im ausgewiesenen Gruppengewinn mit 18,2 Mio., also 2,2 Mio. mehr als in der Vorjahresperiode.

Die EBM-Spitze, zeigt der darüber hinaus gehende Blick in die Rechnung, betrieb mehr als nur die Rückvergütung ausgewiesener Überschüsse: Die sogenannten Umlauf- (neu 173,2 statt 148,3 Mio.) und Anlagevermögen (neu 209,3 statt 182,4 Mio.) legten eindeutig zu. Aufgestockt hat Finanzen-Chef Fridolin Spaar das Eigenkapital auf 163,2 von 140,9 Mio und dabei zusätzlich Schulden getilgt. Derzeit wird zusätzlich eine 30 Millionen Anleihe abgelöst, wodurch die Eigenkapitalquote nochmals steigt. Kurz und gut: Die EBM produziert ihre Versorgungsleistung so günstig wie nie und erzielt dabei Überschüsse. Die werden zum Teil an die Kunden, zum Teil in die Reservebildung und vorzeitige Abschreibung investiert. Dabei hat die EBM stets den politisch diskutierten „Markt“, an dessen Werden man weiterhin glaubt, im Blick. Die EBM ist das einzige Unternehmen in der Schweiz das einem Marktgeschehen ausgesetzt ist. Jedenfalls einem elektroenergetischen Markt, der dieses Wort verdient und nicht nur der Tatsachenvernebelung interessierter Kreise. Dabei geht es um das historisch erworbene Versorgungsgebiet der EBM im Oberelsass. Hier geniesst die neue EU-Richtlinie Rechtskraft; sie verordnet ab 2004 Grossverteiler-Versorgungsfreiheit, und ab 2007 generelle Stromgewerbe - und -bezugsfreiheit, sowie einen Zwang zur Herkunftsdeklaration des verkauften Strommixes.

Jedenfalls räumte Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub bereits indirekte Zielkonflikte ein. Sie rühren einerseits aus dem elsässischen Versorgungsgebiet. Die Stromer stehen aber auch unter dem Eindruck der sich lautstark artikulierenden einheimischen Wirtschaft, die Tarife anzupassen. Damit könnte, so Schaub, irgendwann das Gleichbehandlungsgebot der Genossenschaft gestört werden. Noch gilt: jeder zahlt den Preis für die verursachten Kosten. Die Preisgerechtigkeit könnte durch einseitige Massnahmen ad absurdum geführt, und damit die Genossenschaft zur Potemkischen Fassade werden. Erstmals präsentierte EBM-Direktor Hans Büttiker, der neu als CEO (Chief Executiv Officer) firmiert, den Konzernbericht der EBM als denjenigen der EBM Trirhena AG. Sie ist eine Holding-Struktur, die wiederum die althergebrachten Tätigkeiten kontrolliert; Stromproduktion und –handel, Weiterverteilung, Telekommunikations- sowie, grob gesagt, in Anlehnung an den aktuellen Werbeslogan, „Haus-Heizung-Klima-Technik-Unterhalt“-Dienste.

 

EBM-Turbo für „Effizienzmaschine

18.6.03 Mit rund 3000 Konsultationen ist die EBM-Energieberatung eine förmliche „Effizienzmaschine“ für Umweltschutz. Neu wird ihr Profil im Tempo "Turbo" geschärft.

Münchenstein. „Wir wollen als innovativer Dienstleister wahrgenommen werden.“ Mit diesen Worten präsentierten Rudolf Bolzli und Daniel Laager am Mittwoch in Münchenstein erstmals ihr neues Beratungskonzept. Die EBM als Energiedienstleistungs-Unternehmen, so Bolzli, gewinne an Profil durch als glaubwürdige empfundene, „fachlich neutrale“ Energieberatung. Sie sehen ihre Tätigkeit als „Energie- und Umwelt-Advokaten des Kunden“ gegenüber Architekten, Bauunternehmen und anderen.

Im vergangenen Jahr, noch nach altem Beratungskonzept, fanden rund 3000 Konsultationen statt, also etwa zehn pro Werktag durchschnittlich. Dabei förderten Bolzli und Laager erstaunliche Tatsachen zu Tage: „Der Bauherr ist in Realität die Bauherrin. Sie interessiert sich sehr intensiv dafür, wie sie zur Schonung der Umwelt beitragen und ihr Heim energetisch verbessern kann“, sagte Bolzli. Dies führt öfter zur als kurios empfundenen Situation, dass Bauherrinnen sich für innovative Energie- und Baukonzepte entschieden, von denen die angefragten Architekten weder wussten, geschweige denn etwas zu sagen hatten. Während also Bauherrschaften, sei es die engagierte Laien-Fachfrauen oder Grossunternehmen wie z.B. umweltbewusste Rückversicherer Wert auf ökologischen und Klima schonenden Hausbau legen, so die Beobachtung, hinkt die Baubranche selbst dem technischen Stand hinterher. Dabei erwarten alle Beteiligten hier besondere Herausforderungen, da es in Zukunft weniger um Neuerrichtung als immer mehr um fachlich weitaus anspruchsvollere Renovationen gehen wird. Den verstärkten Beratungsbedarf machen sich Bolzli und Laager als Energie- und Umwelt-Advokaten verstärkt zu nutze. Mit ihrem knappen Budget von etwa einer Million, und wenigen zehntausend Franken, die die Gemeinden zusteuern, wollen sie die Beratungsintensität erhöhen, praktisch den Turbo einlegen. Neu wurden die verfügbaren Prospekte und Fachinformationen überarbeitet sowie dem Stand der Dinge angepasst. Bolzli: „Wir sind die fachkundigen Berater – entscheiden müssen die Bauherrschaften aber immer noch selbst.“

 

Barocker Domplatz: Holzschnitzel-Wärme

22. 5.03 Der Domplatz in Arlesheim erhält einen Nahwärmeverbund, der aus einem 790-KW Holzschnitzelkessel geheizt wird. Prognostizierter Wärmeverbrauch ca. 1,6 Mio kWh. Für 1,3 Mio. Franken wird die Anlage gebaut, die ihren Heizstoff Holzschnitzel aus dem nahegelegenen Wald beziehen (1600 Kubikmeter/Jahr) wird. Die Anlage ist eine der wenigen Biomasse-Anlagen, die im vorstädtisch geprägten Unterbaselbiet eingerichtet werden soll. Zusammengeführt werden ausserdem vorbestehende Klein-Heizungsnetze kantonaler Instanzen, der Gemeinde sowie der Römisch Katholischen Kirche. Die Ensemble rund um den Dom sind geschützt und der Dom selbst gilt als eines der herausragendsten sakralen Werke des Barocks.

 

EBM kauft Haustechnik-Gewerbe

14.5. Die EBM kauft für einen nicht genannten Betrieb den alteingesessenen Arlesheimer Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsinstallationsbetrieb Herrli AG. Absicht der EBM ist, ihr Standbein Haustechnik zu verstärken.

 

Die Elektra Birseck goes to Hollywood

5.5.03 Kino-Highlights nach Wunsch und Bezahlfernsehen für Wunschkanäle durch digitales TV – die Münchensteiner Kabelnetzfirma EBM Telecom arbeitet daran. Dagegen offeriert die Oberbaselbieter EBL Com demnächst Telefonanschlüsse.

Liestal/Münchenstein. Die EBM (Elektra Birseck) verstärkt das Engagement ihrer TV- und Daten-Kabelnetztochter EBM Telecom AG um neue, digitale Fernsehangebote. Entsprechende Verhandlungen mit Programmanbietern stünden kurz vor ihrem Abschluss, bestätigt EBM-Direktor Hans Büttiker.

Die erfolgreiche Einführung grossflächig digital vermittelter Fernsehprogramme in europäischen Ländern scheiterte bisher an ihren Kosten. Der technische Fortschritt sowie die Verflechtung mit Internettechnologie macht neu erschwingliche „Grasswurzel"-Revolutionen möglich. Die Gelegenheit, in der die Telecom-Tochter der Stromverteilerin EBM ihre Chancen erblickt: So sind neu Vorzugsprogramme wie Spielfilmkanäle, Wirtschaftssender und Kanäle für die ausländischen Gemeinden verbreitbar. Denkbar sind „Pay-per-View-„ (Bezahlfernsehen pro Sendung) und „video-per-demand" (Film nach Wunsch)– der Abschied vom alten „Dampfröhren-Fernsehen" steht vor der Tür.

Theoretisch sind im Vollausbau 300 digital vermittelte „Fernsehkanäle" bzw. Sender denkbar im Gegensatz zu den heute etwa 55 TV- und 47-Radiokanälen. Auch gegenüber privatem Satellitenempfang bietet digitales Fernsehen grosse Möglichkeiten. Zunächst werden die ersten Digitalprogramme nur dem Publikum der durch die EBM Telecom AG bedienten Gemeinden zur Auswahl stehen. Darüber hinaus wird erstmals die überragende Stellung der Balcab (eine Cablecom-Tochter) in Basel als „full-service" Anbieterin konkurrenziert.

Das Eindringen der Stromverteiler in die kabelgebundene Kommunikationstechnik lässt sich vor dem Hintergrund aufbrechender nationaler Telekomm-Märkte sowie, zweitens dem Internet-Boom erklären, der just vor zehn Jahren am 30. April 1993 begann. Erst die dadurch freigewordenen Kräfte halfen eine Fernmeldetechnik zu entwickeln, die vergleichbar erschwinglich ist und Möglichkeiten offeriert, die vor zehn Jahren wenigen vorbehalten waren. So kannte die Elektrizitätsbranche schon vor der Telefon-Deregulierung ein eigenes Telefonnetz, das aber nur für technische Zwecke und in Krisenlagen benutzt werden durfte. Nach der Deregulierung zählte die EBM zu den Mitgründerinnen der Diax (Telefon), die naheliegenderweise ins Leben gerufen wurde. Das wirtschaftliche Scheitern der Diax zeigte, dass mit harten Bandagen gekämpft. Hans Büttiker zog daraus den Schluss, bei künftigen Engagements der Solidität vor optimistischen Prognosen den Vorzug zu geben.

Folglich schien die EBM in den letzten Jahren eher defensiv zu handeln, zusätzlich entnervt durch eine bis heute schwer nachvollziehbare Kooperationsabsage der im Unterbaselbiet dominierenden GGA Reinach und Umgebung. Dagegen hatte die EBL (Elektra Baselland) bwz. die EBLCom die Anmutung einer flotten Anbieterin im alten Kantonsteil gewonnen. Deren Signale werden von acht Gemeinden mit über 11'000 Kunden genutzt (die EBM hat vergleichbar viele). Im Gegensatz zur EBM strebt die EBL nicht die wirtschaftliche Übernahme von Kabelnetzen an, die häufig im Besitz der Gemeinden sind, sondern finanzielle Beteiligungen. Der letzte Knaller dieser Erfolgsserie war, dass EBL-Chef Urs Steiner und EBLCom-Mitarbeiter Thomas Weber für Herbst die Telefonie versprachen.

Indem die EBM ins digitale Fernsehzeitalter schreitet, Telefonie steht nicht im Vordergrund, wird ein Unterschied zwischen den Anbietern deutlich: die EBM akzentuiert Inhalte. Die EBL wuchert mit Anschlussstärke und der Anzahl Steckdosen, da die Programm-Oberherrschaft beim Eigentümer liegt. Wer aufmerksam die EBM beobachtet, registriert ferner deren Bemühungen, den Quartier-Sender „Nordwest 5" am Leben zu erhalten. In ähnliche Richtung zielen erste Schritte beim Internet-Programmangebot und Hosting. Annäherung hin zu einem „vertikal" integrierten „Network" à la americaine, auf Baselbieter Verhältnisse zugeschnitten? Es darf spekuliert werden. Büttiker lacht: „Um in den Handel mit Filmrechten in Hollywood einzusteigen, sind wir zu klein. Aber als Kunde für deren Programmanbieter sind wir doch interessant."

Baselbiet hat eigenes Glasfaser-Kabelnetz

Liestal. Mit dem Anschluss des Kantonspolizei-Postens in Laufen in den vergangenen Tagen wurde das neue, 4,6 Millionen Franken teure Computernetz des Kantons vollendet, teilen EBLCom und EBM Telecom mit. Über 100 Kilometer Glasfaser verbinden alle wichtigen Kantonsbehörden und deren Aussenstellen und Polizeiposten, wie gesagt. Damit können Datenmengen im Gigabit-Bereich mühelos dezentral bearbeitet und bewegt werden. Der Landrat hatte das Vorhaben im September 2001 bewilligt. Die Ausführung gewannen die Baselbieter Kabelnetz-Ableger der regionalen Stromverteilerinnen EBL und EBM. Angespornt vom kantonalen Initialprogramm, haben diese Netzwerkgesellschaften in zwei Jahren ein kantonsweites Netz auf die Beine gestellt, das über das kantonale Netzwerk hinaus höchsten Ansprüchen von KMU und Privaten zu verhältnismässig bescheidenen Preisen genügt und dem Kanton eines der modernsten regionalen, feinverästelteten Datentransport-Plattformen zur Verfügung stellt. Kombiniert mit den lokalen Fernsehkabelnetzen ist das Baselbiet mit dem weltweiten „Datenhighway" so eng verflochten wie kaum eine zweite Region. Der wirtschaftliche Nutzen ist derzeit noch kaum abschätzbar und erst marginal genutzt – möglich wird u.a. digitales Breitenfernsehen.


Efforte AG gegründet

19.12.02 Die EBM Energie AG, Münchenstein (EBM), die Elektra Baselland, Liestal (EBL), sowie die onyx Energie Mittelland AG, Langenthal (onyx) haben beschlossen, eine gemeinsame Energiehandelsfirma, die Efforte AG, zu gründen. Zur Zeit laufen noch Verhandlungen mit weiteren Elektrizitätswerken, die sich für die Partnerschaft interessieren. Spätestens bis Mitte 2003 soll die Efforte AG am Markt operativ tätig werden. Das Aktienkapital wird von den Partnern zu gleichen Anteilen gehalten. 


Das neue Unterwerk ist am 30.8. eingeweiht worden in Anwesenheit von Regierungsrat Adrian Ballmer, alt EBM Vizedirektor. Das Werk war zur Verstärkung des Netzes nötig geworden. Es ist eines von neun vergleichbaren Stationen im Netz der EBM, woran 200'000 Einwohner angeschlossen sind.

15 Millionen investierte die Elektra für das neue Unterwerk, mit dem das Gebiet Allschwil und Elsass neu versorgt werden. 

EBM-Genossen suchen Anschluss an Strommarkt

 

Die EBM verzichtet im Abstimmungskampf für das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) auf politische Zurückhaltung. Die Delegierten bewilligten dikussionslos den letzten Geschäftsbericht der neu zur Holding umgebauten Stromverteilerin.

 

Münchenstein. 12.06.02. EBM-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub warb vor den 230 Delegierten dafür, dem Elektrizitätsmarktgesetzes (EMG) zuzustimmen, über das am 22. September abgestimmt wird. „Kein Paradies der Preise“, aber die freie Lieferantenwahl, gesicherten „Service public“ und ökologischer Bestandsschutz werde geboten durch die Gesetzesvorlage und deren Ausführungsverordnung. Sie empfahl Rainer Schaub als „mehrheitsfähigen Kompromiss“ wahr- und anzunehmen. Er plädierte dafür, „politische Vernunf“ walten zu lassen.

 

Niemand kann gegen den Strommarkt schwimmen

Schaub versprach, die sonst übliche Zurückhaltung der EBM in Politikfragen abzulegen und aktiv ins Abstimmungsgeschehen einzugreifen. Er bekräfigte seine schon früher geäusserte Ansicht: „Wir entscheiden im Kern darüber, welche Liberalisierung des Strommarktes wir wollen“ – die pro-Weichen seien bereits gestellt. Eine Fortsetzung des status-quo sei undenkbar, dies vor dem Hintergrund des seit 1999 geöffneten europäischen Strommarktes und den in der Schweiz gegenüber Grosskunden vorauseilend gewährten Rabatten.

Im künftigen Inlandsmarkt sieht sich die EBM als „professionelle Elektrizitätsverteilerin.“ Mit dem Motto „Strom ist hell, praktisch, Fortschritt“ vermittelt sie sich derzeit wie noch nie in in ihrer 100-jährigen Geschichte der Öffentlichkeit. Dahinter verbirgt sich statt der Genossenschaft alten Zuschnitts eine komplett umgebaute Stromverteilerin. So kontrolliert Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub seit Januar im wesentlichen der EBM Trirhena AG als Holding-Konstruktion über Unternehmenseinheiten für Energie, Netz, Telematik, Technik.

 

Neues Ringen um Gigawattstunden-Marktanteile

Rainer Schaub zeigte sich insgesamt zufrieden und beeindruckt über die „gelungene Neustrukturierung“ der EBM, dies in seiner, die Delegiertenversammlung einleitenden Präsidialadresse. Das letzte Geschäftsjahr der alten EBM schloss dabei mit einem Umsatz von 243,8 (Vorjahr: 223,9) Millionen Franken, aus einem - im wesentlichen - Elektrizitätsverkauf von 1,445 Gigawattstunden (=Milliarden Kilowattstunden, GWh) sowie aus Wärme- und übrigen Dienstleistungsgeschäften. Vergleicht man die Leistungen der drei wesentlichen Elektrizitätsverteilerinnen in der Nordwestschweiz, ergibt sich folgendes Stromabsatz/verkauf Verhältnisbild, EBM: 1388 GWh zu 191,5 Mio. Franken, Industrielle Werke Basel (IWB): 1490 GWh zu 177 Mio. Franken und die Oberbaselbieter Elektra Baselland (EBL) 590 GWh zu 82,4 Mio. Franken. Der nächst grössere badische Stromverteiler (Energiedienst, Rheinfelden) setzte übrigens ein Drittel mehr Strom als alle drei zusammen ab und die benachbarte Energie Baden-Württemberg (EnBW) soviel wie die ganze Schweiz.

 

Verwaltungsrat als Unternehmensführungsparlament

Dennoch, trotz der enormen Grössenunterschiede der Akteure auf dem neuen Strommarkt, zeigte sich Rainer Schaub gewiss, als EBM im entmonopolisierten Elektroenergiegeschäft Bestand zu haben. Mit dieser Versicherung des Verwaltungsratspräsidenten bewilligte die Delegiertenversammlung den Jahresbericht praktisch diskussionslos und nahm die Geschäftsanalysen und politische Wertungen ohne weiteren Wortabtausch zur Kenntnis.

Erwartungsmäss zustimmend verhielt sich die Delegiertenversammlung bei der Wahl zwei neuer Verwaltungsratsmitglieder, dem Wirtschaftskammer Baselland-Funktionär Thomas de Courten (Rünenberg) und dem Unternehmensführer Urs Grütter (Arlesheim), der den ausscheidenden Max Grieder (Therwil) ersetzt. Somit steigt die Zahl der EBM-Verwaltungsräte auf neu 24 Personen und wirkt eher wie ein Parlament denn als strategisches Führungsorgan. Die EBL im Vergleich zur EBM halbierte ihren Verwaltungsrat von 18 auf 9 Mitglieder. Unbeeindruckt von der Grösse seines Verwaltungsrates zeigte sich Rainer Schaub: „Seine breit gefächerte Zusammensetzung ist Garant für eine umfassende und vertiefte Diskussion und sorgfältige Entscheidfindung.“

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EBM feiert die WKK-Kilowattstunden

 

Wie funktioniert Wärmekraftkopplung?

 

23.05.02 Oberwil. Nach zwanzig Jahren Wärmegeschäft dies: Die EBM, eigentlich ein klassisches Elektrizitätswerk, wird in Kürze die Schallgrenze von 100'000'000 Kilowattstunden jährlichen Wärmebedarfs ihrer Kunden durchbrechen. An einer Feststunde in Oberwil erinnerte EBM Energie AG-Geschäftsführer Thomas Wälchli an die Ursprünge: „Wir sind heute ein wettbewerbsfähiger all-round Energieversorger.“ 

Von wenigen 700 Kilowatt der ersten Wärmekraftkopplungsanlage (WKK), mit denen die EBM an den Start ging (hier mehr) entwickelte sich die Anlagengrösse des gesamten Energiezentralen-Bestandes auf nunmehr 57'000 Kilowatt (=57 Megawatt), die für den erforderlichen Energiekonsum bereitstehen. 4730 Wohneinheiten, 69 Gewerbegebäude, 46 Schulhäuser und 9 Alters- und Pflegeheime sind es insgesamt. Jährlich werden so etwa 7000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid verhindert – abgesehen vom Minder-Brennstoffverbrauch, der teilweise bis um den Faktor 4 reduziert wurde.

„Ohne die energie- und umweltpolitischen Diskussionen der Baselbieter wären wir nicht da, wo wir heute stehen“, räumt Thomas Wälchli gegenüber der BaZ ein. Tatsächlich profilierte sich die EBM früh mit neuer Energietechnik. Sie galt in den 80er Jahren deshalb bei den Kollegen gar als abweichlerisches Konglomerat, das sich quasi vom gemeinsam eingeschlagenen "Atompfad" verabschiedet hatte.

Andererseits, sagt Wälchli, steht heute eine weitere Bewährungsprobe bevor: das Baselbiet ist gebaut. Eine Verbesserung in der Energieffizienz und beim Umweltschutz ist nur zu erreichen, wenn Sanierungs-Bauherrinnen und –herren auch Gebrauch vom Effizienz-Angebot machen. Aber gerade auf diesem Gebiet sind enorme Gewohnheitsbarrieren zu durchbrechen, klagt Wälchli, wenn eine Verbesserung des Energiestandards herbeigeführt werden soll.

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Elektrizitätsmarkt bewegt Elektra Birseck

 

Die Elektra Birseck (EBM) kämpft für das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG), das im Herbst Abstimmungssache ist. So oder so: das EMG bewegt die EBM wie nie: Nach 100-jährigem Bestehen formierte sie sich neu zur Strom-„Holding“ unter, wie gewohnt, non-profit „Genossenschaftsdach“.

 

Münchenstein. Die Elektra Birseck (EBM) sieht den Abstimmungskampf für das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) als eröffnet, wurde gestern am Hauptsitz mitgeteilt, Abstimmungstermin ist der 22. September. Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub stellte für den Urnengang bereits eine „angemessene Beteiligung“ in „Wort und Schrift“ in Aussicht. Er warnte, im Falle einer Ablehnung drohe ein haltloser Zustand. Unter dem Druck der Marktmacht einiger Gross-Konkurrenten würden gerade mittlere und kleine Elektrizitätswerke stark benachteiligt. „Wir empfehlen im eigenen Interesse der Kundinnen und Kunden, dem Gesetz zuzustimmen“, plädierte der langjährige Verwaltungsratspräsident.

 

Das gab es noch nie in der 104-jährigen Geschichte der genossenschaftlich organisierte Stromverteilerin: Sie wurde im letzten Jahr völlig umgekrempelt zur „Holding“. Wie Hans Büttiker, der neu als Chief Executiv Officer (CEO) der Gruppe firmiert, mitteilte, sei die Umstellung vom traditionellen Elektrizitätswerk zur Produkt-bezogenen Unternehmensgruppe per Anfang Jahr erfolgreich vollzogen worden. Für Erfolgsberichte sei es zu früh, aber die neue Organisation sei leistungsbereit.

 

Neu ist, dass die Genossenschaft mit ihren ca. 45'000 Mitgliedern noch über den Geschäftsbericht der EBM Trirhena AG befindet, die die eigentlichen Geschäfte führt. Diese Holding wiederum führt die Einzelbetriebe EBM Energie AG, EBM Netz AG, EBM Technik AG sowie EBM Telematik AG. Dennoch betonte Hans Büttiker: „Wir sehen uns dem genossenschaftlichem Gedankengut verpflichtet.“ Hintergrund für die Neuorganisation des Unternehmens sind nicht nur Wettbewerbsstrategien, sondern auch die Vorschrift des neuen Elektrizitätsmarktgesetzes, Strom und dessen Verteilung zu entflechten. Erst so kann „diskriminierungsfreier“ Stromtransport sichergestellt werden, es ist das sogenannte „unbundling“ (ungebündelt im Sinne von: kein Monopol von Erzeugung und Verteilung).

 

Im vergangenen Jahr wurden 1,2 Prozent mehr Elektrizität vom Netz gezogen als im Vergleich zum Vorjahr, berichtete EBM Energie-Geschäftsführer Thomas Wälchli, der den Geschäftsvericht gestern vorstellte. Das Unterbaselbiet und die Stadt Basel, ihre Bewohner und Industrie, konsumieren heute annähernd gleich viel: EBM 1'445 Millionen Kilowattstunden, die Stadt: 1'592 (+3,3 Prozent Zunahme) Millionen. Aber bei der EBM wurde deutlich weniger verbraucht als die landesweite Verbrauchszunahme von 2,6 Prozent anzeigt. Es war für die EBM sogar weniger als der durchschnittliche Mehrverbrauch der letzten zehn Jahre. Insbesondere bei den Industrie- und Gewerbekunden registrierte Wälchli eine Abnahme um 0,7 Prozent. In den elf elsässischen Gemeinden der EBM boomte es allerdings: 3,6 Prozent Mehrverbrauch.

 

Der Strompreis im Unterbaselbiet bleibt vorläufig wie er ist. Insbesondere der 5-prozentige Stromrabatt der letzten Jahre bleibt unangetastet, so dass die EBM weiterhin zu den günstigsten Schweizer Verteilwerken zu zählen ist. Dies stellte Finanzen-Chef Fridolin Spaar in Aussicht. Denn es gelang der EBM, ihren Erlös aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 2,9 Prozent zu steigern. Insgesamt bringt das Unternehmen heute einen Umsatz von 243,8 Millionen Franken auf die Waage – womit sie zu den grössten Unternehmen im Kanton gehört. Die Spar- und Effizienzmassnahmen der letzten Jahre erlaubten weitere Rückstellungen vorzunehmen. Die finanzielle Verfassung der EBM präsentiert sich derzeit so, dass sie als annähernd schuldenfreies Unternehmen in den „offenen Markt“ einsteigen kann.

 

Dennoch ist nichts zu spüren von einer Investitionszurückhaltung in Netze und Netzanlagen, einer vielgehörten Befürchtung von Elektrizitätsmarktgegnerinnen und –gegner. Im Gegenteil, wie Netze-Chef Markus Gamma ausführte, wird die EBM bis Ende Jahr rund 15 Millionen Franken in ein neues Unterwerk in Allschwil investiert haben, um den ungedrosselten Elektroenergie-Hunger in den nächsten 40 Jahren befriedigen zu können. Unterwerke transformieren den Strom aus dem Regionalverteilnetz in das „handliche“ Format für den Konsum. Die EBM-Spitze zeigte sich zuversichtlich, auch im freien Markt im Unterbaselbiet die Nummer 1 als Stromanbieterin zu bleiben.

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1.10.01 EBM privatisiert Stromgeschäft

Münchenstein. Ab nächstem Jahr wird die Elektra Birseck (EBM) als grösste Schweizer Elektrizitätsversorgungs-Genossenschaft ihre Geschäfte neu als aktienrechtliche Holding "EBM Trirhena AG" mit Tochterunternehmen für Energie, Netz und Technik führen. Direktor bleibt Hans Büttiker. Für die Haushaltskunden bleibt mehr oder weniger alles beim alten, abgesehen von der "Optik".

Diese Änderung bricht mit der Genossenschaftstradition, die ihren Mitgliedern Mitsprache bis zum Endpreis garantierte. Vorbehalten bleibt der Genossenschafts-Delegiertenversammlung lediglich die Kontrolle über den Holding-Geschäftsbericht.

Wie bisher können Liegenschaftsbesitzer und Grosskunden im Unterbaselbiet Genossenschafter werden. Zusätzlich dürfen auch Neukunden eine Teilnahme beantragen. Im Juni hatte die Delegiertenversammlung dem Holding-Firmenkleid zugestimmt. Die EBM-Direktion begründete ihr Vorgehen mit Anpassungen an das erwartete Elektrizitätsmarktgesetz. Wie bisher genossenschaftlich organisiert, ist die Oberbaselbieter Elektra Baselland (EBL), die eine Fusion mit der EBM letztes Jahr abgelehnt hatte. Unberührt sind davon auch die Elektragenossenschaften in Sissach, Reigoldswil, Itingen, Augst, Maisprach.

 

Elektra Birseck - heute und morgen

Tatsache im Juni:

Historische EBM-Umwandlung

Die Elektra Birseck (EBM) als grösste Schweizer Stromgenossenschaft firmiert neu als Holding-Gesellschaft, entschied die Delegiertenversammlung am Mittwoch. Damit geht die Tradition der direktgenossenschaftlich gesteuerten Unternehmung nach 103 Jahren zu Ende. Kritiker blieben chancenlos.

Münchenstein. Das neue Holding-Konstrukt führt ab September die Geschäfte als Aktiengesellschaft. Als Holding-Eigentümerin verbleibt die Genossenschaft, die genossenschaftliche Idee und Tradition pflegt. Diese Art "Holding-Eigentümerin in Genossenschaftsform" (wie z. B. Migros oder Coop) entscheidet weiterhin über einen Teil der zur Wahl berechtigten Delegierten und befindet über den Konzernbericht der Holding-Direktion bzw. des Verwaltungsrates. Insgesamt verzichteten die Delegierten der aktuell rund 45 000 wahlberechtigten Genossenschaftler auf die letzten ihnen verbliebenen Geschäftsgestaltungs-Kompetenzen zugunsten von Verwaltungsrat und Direktion, teilweise unter dem Druck der neuen Strommarkt-Ordnung. Die EBM war die grösste direktgenossenschaftlich gesteuerte Stromunternehmung der Schweiz, nun fand die als nötig empfundene Angleichung an den "Markt" statt.

Dem "historischen Entscheid", so der Verwaltungsrat, gingen einige lebhafte Wortwechsel voraus. Während Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub die Umwandlung der EBM als überlebensnotwendige Restrukturierung verteidigte, stellten die wenigen ablehnenden Delegierten Sinn, Zweck und Wesen der genossenschaftlichen Direktbeteiligung in den Vordergrund.

Auch bezüglich der Zukunft des Verteilnetzes in der Hand einer Aktiengesellschaft wurde gewarnt, da die EBM-Holding neu darüber frei entscheiden kann, wenn auch unter neuer gesetzlicher Kontrolle. Auch um die Möglichkeit des Genossenschaftsreferendums als "Notbremse" brachte sich die Delegiertenversammlung.

Als einzigen Anstoss aus der Delegiertenversammlung akzeptierte Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub, die Rechte der Delegierten zu prüfen durch eine Veto-Option. Dieses Veto käme zum Zuge, wenn die Aktienmehrheit einer Holding-Unternehmung (z. B. Netze AG, Energie AG, Technik AG etc.) zum Verkauf stünde.

Abgesehen von den institutionellen Argumenten, beschwor Schaub den Genossenschaftsgeist, der künftig nur mehr mittelbar im Strommarkt wirken könne statt wie bisher direkt. Direktor Hans Büttiker verteidigte die Statutenrevision, indem er dies als einzige Möglichkeit darstellte, die Idee der Stromgenossenschaft generell überlebensfähig zu halten. Heftig reagierte Büttiker darauf, die EBM als Stromkooperative unmittelbar zur Aktiengesellschaft umzuwandeln. Damit würde das Unternehmen zum Spielball von Aktionärsgruppen. Mit der "Genossenschafts-Holding-Konstruktion", strich Büttiker hervor, seien bösartige Übernahmeversuche verunmöglicht.

Wenig Verständnis brachten Schaub und Büttiker für den Antrag auf, den Verwaltungsrat zu verkleinern (heute 23 amtierende). Eine Forderung lautete, man möge neu "Kompetenzen" statt "Repräsentanten" wählen. Dagegen wurde eingewandt, dies Gremium repräsentiere die diversen Anspruchsgruppen und sei wichtig als "Gesprächspartner" der Direktion.

Insgesamt herrschte in der Delegiertenversammlung ein grosses Vertrauen in die Geschäftsleitung vor. Dazu hatte Rainer Schaub in seiner Eintretensrede aufgerufen. Er forderte, "Mut zu zeigen" und den vorgeschlagenen Schritt in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu tun. Damit gewann er letztlich auch gegen den letzten, entscheidenden, mit Herzblut vorgetragenen Beitrag eines jahrzehntelang amtierenden Delegierten. Dieser wollte ein Jahr abwarten, um das vorgeschlagene Firmenrechtskleid praktisch auf Authentizität zu überprüfen und nicht den Trend zur "Thatcherisierung" mitzumachen. Vor der Schlussabstimmung unterlag der Antrag grossmehrheitlich.

Praktisch ist nun das Referendum (zum letzten Mal) gegen die historische Umwandlung der EBM zur Holding-Genossenschafts-Konstruktion möglich. Dazu müssten minimal 4500 Genossenschaftlerunterschriften gesammelt werden. Doch ein Referendum zeichnet sich nicht ab, erfuhr "Strom-Report".

© Gusewski vom 15.6.2001

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Erste Gerüchte machten die Runde im März:

Neue "Birseck Strom AG" als Genossenschaft?

Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) diskutiert tief greifende Restrukturierungen hin zu einer "Birseck Strom AG" bei gleichzeitiger Tabuisierung der Genossenschaftsidee. Als Beispiele werden Migros und Mobiliar genannt. Die Delegierten der 45 000 Genossenschafter entscheiden eventuell schon im Juni, wie auf den Markt reagiert wird. Konflikte um Tradition und Transformation sind programmiert.

Münchenstein. "Nicht den Letzten, den Zweiten beissen die Hunde", sagt Elektra-Birseck-Direktor Hans Büttiker im Gespräch mit der Basler Zeitung. Als gegenwärtig achtgrösste Schweizer Stromverteilerin sieht sich die EBM unter Anpassungsstress. Bereits erzeugte die Marktidee Strom-Mammute wie Swiss Citypower (Stadtwerke) und Axpo (NOK), die den Mittelgrossen die Kunden abwerben. Eine neue Studie der UBS Warburg erhärtet den Trend.

Die EBM kontert offensichtlich mit aussergewöhnlichen Restrukturierungsplänen. Gemäss unseren Informationen könnte bereits die Delegiertenversammlung am 13. Juni über einen Firmenumbau entscheiden. Damit würde, aus der Sicht der Geschäftsleitung, das "Anschlussspiel" an die Nationalliga A vorbereitet, heisst es. Die Kernidee sei diese: die Genossenschaft als Holding-Mutter fortzuführen. Die konkrete Tätigkeit solle Tochterunternehmen als Aktiengesellschaften überlassen bleiben. Der Genossenschaft bliebe es weiterhin vorbehalten, die allgemeine Geschäftspolitik festzulegen. Die E-Markttöchter würden aber in diesem Rahmen ad hoc handlungsfähig. Hans Büttiker bestätigt dies: "Die Idee der Genossenschaft bleibt sakrosankt. Wir bleiben non-profit-orientiert." Vergleichbar wären solche EBM-Strukturen mit Migros, Coop, der Rentenanstalt oder der Mobiliar.

Seit der gescheiterten Quasi-Fusion der EBM mit der Oberbaselbieter Elektra Baselland Liestal (EBL) liegen Umbaupläne vor. Man hätte sich, so die Idee damals, unter Holding-"Dächern" zusammengefunden. Aber die EBL wollte dann doch nicht. Nun führt die EBM diesen Prozess für sich alleine durch. Verselbstständigt werden möglicherweise: Verteilung (Klein- und Grosskunden), Contracting und Service (Totalenergie-Dienstleistung), Telekommunikation, Netz- und Installationsbetrieb. Der springende Punkt ist, dass jede dieser Geschäftseinheiten nach Bedarf "horizontal" oder "vertikal" fusionieren oder kooperieren könnte.

Hans Büttiker räumt ein: "Wir haben die Wahl zwischen falsch verstandener Folklore und einer funktionstüchtigen Unternehmensgruppe." Damit spielt er auf die Form der EBM als offener Genossenschaft (mit 222 Mio. Umsatz) an, deren 45 000 Teilnehmer durch 300 gewählte Delegierte vertreten werden. Diese bewilligen einmal jährlich die Geschäftspolitik. Büttiker: "Sollen wir so tun, als wären wir eine 'Cheesi'?"

Somit sehen sich einige, im Herbst neu gewählte Elektra-Delegierte mit Fragen von grosser Tragweite konfrontiert: Wie erhält sich die Unterbaselbieter Stromverteilerin ihre Gestaltungsfreiheit im Markt? Ist man Blitz oder Blitzableiter? Überlässt man den Freiraum Entscheidern in Zürich, Essen, Paris oder Houston, aber wie erhält man den Ansprechpartner in Münchenstein? Was tun wir für den Kanton - und umgekehrt; was sichert uns die Kundengunst?

An anderer Stelle sagte EBM-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub, dieser Wirtschaftszweig werde demnächst nicht wiederzuerkennen sein. Gegenüber den 400 Mitarbeitenden der EBM, die einem der grösseren BL-Unternehmen angehören, probiert die Geschäftsleitung eine Art "sichere Unsicherheit" mitzuteilen, um die Unternehmensstärke zu erhalten. Schon jetzt entscheidet nämlich das Image über die Beurteilung der Firma mit, bei Kunden wie Fachkräften. So sehen sich Hans Büttiker und sein Team in einer doppelten Klemme der inneren und äusseren Glaubwürdigkeit, wobei mit dieser Restrukturierung die EBM zusätzlich neu zu definieren wäre.

© Gusewski vom 28.3.2001

 

Die Phase von der Elektra zur Elektr@        Vor 100 Jahren unterband der Kanton Basel-Landschaft rein privatwirtschaftliche Elektrizitätsverwertung, da zu "wichtig für Gewinn-Interessen". Als Folge entstanden die Genossenschaften Birseck und Baselland (neben solchen in Gemeinden) als gemischte Unternehmensform. In der Schweiz gibt es einige weitere, aber kleinere. Teilnehmer können Grundeigentümer, Industrie, Gewerbe, Gemeinden sein. Ähnlich ist übrigens ein Grossteil der ländlichen US-Versorgung aufgebaut, dort heissen sie "co ops" (von Kooperationen).  Nach Aufbauphase und "Atompolitik-Schock" äusserte sich die EBM 1979 als Erste zu "rationeller und sparsamer" Energieverwertung. Sie förderte Ultraeffizienz-Massnahmen (Wärmekraftkopplung) in den achtziger Jahren. In den 90ern definierte sie sich als "Energiedienstleisterin". Sie schuf imageträchtig und erstmals "Solarstrom-Clearing". Seit den 90ern ist die Marktteilnahme beherrschende Frage. Neu wird zusätzlich in die Telekommunikation investiert (GGA-Netz Münchenstein).  Mit 1200 Gigawattstunden an Endkunden repräsentiert die EBM die achtgrösste Verteilerin (die theoretisch Grössten, die Swiss Citypower-Stadtwerke, verteilen 8500 Gigawattstunden/Jahr). Die Energie Baden-Württemberg im Badischen (als viertgrösste deutsche) hat etwa den Stromumsatz der ganzen Schweiz. Der französische Nachbar, Electricité de France (EdF), ist wiederum achtmal grösser als EnBW AG. Nach Börsenkapitalisierung ist die staatliche EdF vierter Euro-Multi; erster ist die gemischtwirtschaftliche Veba-Viag (Ziel: kartellrechtliche Reduktion auf 50 Milliarden Euro) mit "Eon", an (und mit) der sich sich die Nordostschweizerischen Kantonswerke (NOK) orientieren. Offen ist, ob die EBM als zweitgrösste Aktionärin der Aare-Tessin AG (Schweizer Nummer eins und indirekt in der Sphäre der EdF und EnBW), mittelfristig in eine sich abzeichnende "West"-Euro-Allianz geht oder ob sie die Frage der puren "schweizerischen Lösung" höher bewertet.

© Gusewski vom 28.3.2001

     

Der Vorschlag:

Elektra Birseck: Holding statt Genossenschaft?

Die Genossenschaft Elektra Birseck Münchenstein (EBM) soll in eine Holding umgewandelt werden. Damit könnten flexibel und ohne grosse Prozeduren Partnerschaften eingegangen werden - eine Erfordernis des liberalisierten Strommarktes, findet die EBM-Verwaltung. 

Münchenstein. Als Genossenschaft steht die Elektra Birseck vor ihrer bedeutendsten Organisationsreform seit der Gründung 1897. So präsentierte Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub gestern die neueste Statutenreform. Diese wird der kommenden Delegiertenversammlung vorgelegt.

Kernpunkt: im Organisationskleid und mit der Leitidee der Genossenschaftlichkeit im antizipierten Strommarkt mithalten, aber als Holding-Struktur - mit der Holding-Genossenschaft zuoberst und selbstständigen Tochterunternehmen an der Basis. Diese werden zunächst am EMG orientiert (Trennung Netz von Vertrieb) und später am Marktgeschehen. Unter dem Strich werden neue Stellen geschaffen. "Situativ handeln können" war das Schlagwort. "Bereit sein, wenn wir am Markt von einem Tag auf den anderen gefordert sind", umschrieb Rainer Schaub die Organisations-Restrukturierung. Direktor Hans Büttiker unterstrich: "Wir sehen uns als eigenständige Kraft." Er wolle als mittelgrosser Stromverteiler die Unabhängigkeit bewahren. Aber dazu sei eben die "spontane Allianzfähigkeit" nötig. "Spontan" heisst, Prozedere abkürzen, die sonst verfahrenstechnisch bis zu einem Jahr dauern! Die Restrukturierung ist eine Kommunikations-"Challenge": Da ist die Idee der Genossenschaft und ihre Tragfähigkeit in Zukunft, das ist die eine Seite der Diskussion. Der andere Aspekt ist das konkrete Stromgeschäft, wie es unter Marktverhältnissen geprägt wird. Der Spagat liegt nun darin, den Interessen gerecht zu werden von Public, Service und, neu, der an die Anschlüsse drängenden Shareholder-orientierten Unternehmen. Jedenfalls stimmt die EBM dem Elektrizitätsmarktgesetz zu (am 2. Dezember wird darüber abgestimmt), da es die nötigen Spielregeln enthalte.

Als die eine grosse Stromkraft der Region liegt die EBM in diesem Jahr gleichauf beim Stromabsatz wie die IWB. Trotz Kundenzunahme blieb der Verbrauchszuwachs mit 0,4% geringfügig. Für das Dutzend Grosskunden, die mehr als eine Gigawattstunde (GWh) verbrauchen, gibt es neu "EBM 110"-Angebote und für mehrere Dutzend 0,1-1 GWh-Kunden "EBM Fonds". Vorab für Privatkunden gibt es ein reiches Ökostrom-Segment. Neu bekannte sich Hans Büttiker auch zu "horizontalen" Interessen; also weg vom alten Elektro-Cheftechniker-Denken, der alles in einer Hand hält.

Während das Stromgeschäft seit Jahren an Marge lässt, erzielte Kassenwart Fridolin Spaar eine Gesamtleistung von 224 Mio. Fr. Das Eigenkapital wurde gesteigert und der Bilanzwert überstieg erstmals die 300-Mio.-Grenze. Da ist insbesondere die Kapitalverflechtung mit der Aare-Tessin AG (Atel) und ihre erwartete Kapitalerhöhung um maximal 10%. Während von aussen die Zuneigung der Atel zu ihren Nordwestschweizer Grossabnehmern wie hingenommen wirkt, betont die EBM das "jahrzehntelang gewachsene Verhältnis" und verweist auf nützliche Synergie-Effekte mit der Schweizer Nummer eins.

© Marc Gusewski vom 30.5.2001

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Teuren Strom für ländliche Regionen vermeiden - guter Rat ist teuer für  was-weiss-ich-?-Politik

Im Elektrizitätsmarkt werden ländliche Regionen eher zur Kasse kommen als Agglomerationen, da Stromnetze mit weniger Abnehmern viel teurer sind als umgekehrt. Nach Bundesidee sollen die Kantone hier ausgleichend wirken. Die SP- und die FDP-Landratsfraktionen lancieren strompolitische Vorstösse und der Regierungsrat signalisiert erstmals Analysebedarf. 

Liestal. Wer bezahlt in Zukunft wie viel für den Anschluss seiner Steckdose an das Stromnetz? Zahlt, wer auf dem Land wohnt mehr, wer in der Stadt wohnt, weniger? Mit dem Elektrizitätsmarkt ist diese Frage offen. Nach Bundesidee sind die Kantone in der Pflicht, sozial-regionalen Ausgleich zwischen teuren und weniger teuren Netzgebieten zu schaffen. Der Bund behält sich sogar vor, in dieser durchaus brisanten Frage untätige Verwaltungen zu bevormunden. Im Jahre sieben nach Beginn der eidgenössischen Elektrizitätsmarkt-Diskussion signalisiert der Baselbieter Regierungsrat erstmals Analysebedarf.

Morgen Donnerstag will er zwei landrätliche Vorstösse entgegennehmen: die FDP-Motion zur "Anpassung der kantonalen Gesetzgebung" sowie das SP-Postulat "Leistungsauftrag für Netzbetreiber". Die FDP-Motion von Fraktionspräsident Paul Schär und Anton Fritschi zielt auf das Herz bisheriger Strompolitik: die (Strom)Tarifgenehmigungs-Hoheit, die Konzessionspflichtigkeit für Leitungen sowie der Vergütungsausgleich für nicht Monopolnetz betreibende Eigenproduzenten (Kleinwasserkraft, Solarstrom, Blockheizkraftwerke etc.). Nach Schär und Fritschi sollen Alternativen vorgelegt werden, die für weitere Überlegungen dienen sollen.

Ausserdem, so Fritschi und Schär, soll die Kantonsverwaltung ihre Bezugsverträge auf "Rabatte" hin überprüfen, wie für Grosskunden üblich. In dieser Frage verhandeln Elektra Baselland Liestal (EBL) und die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) bereits mit den Gemeinden. Dabei kann es um mehr als nur um Preise gehen, nämlich auch um Ökoqualitäten: Lausen etwa bekundete bereits öffentlich, Ökostrom zu beziehen und bezog damit auch strompolitisch Stellung.

Seitens des Kantons lehnte Elsbeth Schneider als zuständige Regierungsrätin letztes Jahr ein entsprechendes Ökostrom-Postulat von Eric Nussbaumer (der nun den Leistungsauftrag fordert) ab. Auch im Verwaltungsrat des teilweise kantonseigenen Rheinkraftwerks Birsfelden sprach sich Elsbeth Schneider gegen eine Ökostromzertifizierung aus. Die ARA Rhein, vom Kanton mitbetrieben, profitiert andererseits bereits von Mengenrabatten.

Die Baselbieter SP-Landratsfraktion fordert ausdrücklich, den künftigen Netzbetreibern "gemeinwirtschaftliche und energiepolitische Ziele" aufzuerlegen. Diesen sei, so Eric Nussbaumer, ein Leistungsauftrag - analog etwa zu Konzessionsnehmern im öffentlichen Verkehr - abzuverlangen. Erfüllt werden sollen Bestimmungen, wie sie auch in der FDP-Motion angetönt sind. Es geht vor allem um die kantonalen Verfassungsziele (für Umweltschutz, gegen Atomstrom) sowie um die Leitideen der Bundesverfassung.

Nicht spruchreif sei ein Vorstoss, heisst es gegenüber "Strom-Report", dass der Kanton kurzerhand die Elektra-Netze aufkaufen soll. So wären sie in Zukunft unter öffentlicher Kontrolle (wie beim Wasser). Spruchreif ist dieses Politikum hingegen beim Kantonalzürcher Abstimmungsgang vom 10. Juni über die Ausgliederung der EKZ - ähnlich wie in der Vorberatung einer Ausgliederung der Industriellen Werke Basel.

© Gusewski vom 30.5.2001  Zum Seitenanfang   Special-Anfang

 

Die Blitzgefahr wird unterschätzt

17.9.01Der Herbst gilt (normalerweise) als Blitz-Saison. Blitze sind die grösste, alltägliche Naturgefahr unserer Breitengrade - dabei wird der Schutz vernachlässigt. Seitdem sich Schäden häufen, bietet die Elektra Birseck (EBM) als erstes Elektrizitätswerk einen "Blitz"-Mehrkomponenten-Blitzschutz an.

Münchenstein. Blitze sind die offenbarste alltägliche Naturgewalt. Sie wird unterschätzt, wie Beispiele zeigen. Vor zwei Jahren brannte in Hochwald ein relativ neues Privathaus ab, verursacht durch Blitzschlag. Ein Blitzschutz fehlte. Er ist gesetzlich überraschenderweise nur teilweise vorgeschrieben. Blitzschutz ist deshalb vorab Privatsache. Einige Brände wären eigentlich vermeidbar gewesen, als Anreiz bietet die Gebäudversicherung sei zwei Jahren Blitzschutz-Subventionen an.

Gefährdet ist aber auch die "e"-Welt. In einem Binninger Hochhaus wurden zahlreiche, elektronische Geräte (PC, Video, etc.) irreparabel gestört, nachdem der Blitz das Gebäude getroffen und glücklicherweise abgeleitet werden konnte. Dennoch resultierte ein grosser Schaden, denn ein Teil des Elektrogerätes war unbrauchbar geworden.

Eine weitere Gefahr sind unsachgemässe Blitzschutzableiter. In einem Unterbaselbieter Landhaus schlug der Blitz beim Kamin ein, trotz Ableiter. Er suchte sich seinen Weg zur Erdung und übersprang auf halbem Weg den Hauptleiter indem die Heizungsrohre ansteuerte. Dabei geriet der Blitz zur Entladung mitten im Mauerwerk. Es war für die Betroffenen, als werde das Haus aus seinem Fundament gehoben.

Gefährlich sind auch Blitzschutzanlagen, die nicht revidiert werden. Als der Blitz im Unterbaselbiet in ein Kirchgemeindehaus einschlug, leitete er sich die ersten Meter völli korrekt fort. Aber leider war die "Erdung", also, wo die Strahlenergie aufs Erdreich abgeleitet wird, nicht den neuen Verhältnissen angepasst. Sobald sich, in diesem Fall, dem Blitz ein geeigneterer Weg anbot, nutzte er dies: Er übersprang im zweiten Untergeschoss (!) die Gebäude und zerstörte durch den Entladungseffekt beim Nachbarn den Elektro-Sicherungskasten samt zugehörigen Leitungsanschlüssen, durch die er sich ausbreitete.

Dies sind nur ein paar Müsterchen aus der Welt des Blitzschutzexperten. Seit ein paar Jahren lässt sich der Elektrofachmann Bruno Wyss in vom Thema faszinieren. Vor Jahren war er alarmiert: "Waren wir als Elektrizitätsversorger unzuverlässig geworden?" Denn er erhielt vermehrt Reklamationen auf den Tisch. Beschwerden trudelten ein, durch Überspannungen des Netzes sei elektronisches Gerät zerstört worden. Die nähere Überprüfung ergab indes nichts aussergewöhnliches im Elektrizitätsnetz.

Wyss liess es nicht bei diesem Befund bleiben. Er recherchierte weiter und stellte fest, dass seine Fälle nur mit Blitzeinschlag zu tun haben konnten. "Ich bildete mich weiter und überlegte, wie wir den Blitzschutz verbessern können, um den Leuten zu helfen". Denn bisher waren sich die "Elektriker" für Blitzschutz zu fein. Das ist seit alters eine Angelegenheit der Spengler, wenn sie das Dach dicht machen. Aber können sich "Elektriker" davon fern halten, wenn so viele Geräte auf dem Spiel stehen? Im Jahre 249 nach Benjamin Franklins bahnbrechenden Blitzbeobachtungen - und damit Erfindung des Blitzableiters - zeichnet sich ein Berufsbildwechsel ab.

Wyss befand: die EBM müsse etwas unternehmen. Seine Recherchen zeigten, dass viele Interessenten auch durch den zu erwartenden Aufwand abgeschreckt wurden. Andererseits hörte er Klagen von unruhigen Bekannten, die einen Blitzschlag fürchteten. Tatsächlich ist ein nachträglich angebrachter Blitzschutz leicht zwischen ein paar Tausend bis zehntausend Franken teuer, selbst mit Subventionen kein Pappenstiel. Ausserdem zeigte sich, dass die Bauarbeiten dafür sich hinziehen können. Auch dafür fand Wyss ein Rezept. "Wir planen das frühzeitig. Wir kommen am Morgen und am Abend ist das Werk verrichtet, dafür arbeitet ein Team konzentriert".

Wyss erklärt, dass sich sein Blitzschutzkonzept durch drei Komponenten auszeichnet: die Blitzableitung, den Potentialausgleich sowie der Überspannungsschutz. Die Blitzableitung ist auch für Laien klar: der Blitz wird aussen am Haus abgeleitet, wenn er einschlägt. Sein Einschlagort ist, anders als der Volksmund sagt (nicht unbedingt die aufragende Höhe), sondern zufällig, darum ist es wichtig dass vorab äussere Leiter (Metalle) am Blitzableitersystem angehängt sind (Dachgauben, Regenrinnen). Das hilft alles nur, wenn der Blitzableiter tief genug - und ins weiterleitende - Erdreich reicht.

Der Potentialausgleich ist eigentlich fast so wichtig wie der Blitzschutz. Wenn der Blitzstrahl, drei bis fünf Zentimeter dick, als Kern des Blitzes gesehen wird, entwickelt sich von ihm aus ein Elektromagnetfeld in Trichterform. Nach aussen wird das Feld schwächer. Nun leitet nicht alles gleich schnell. Wo die Potentialentfaltung des Blitzes gestört wird, entstehen sozusagen Kurzschlüsse. Ein Potentialausgleich sorgt also im Haus dafür, dass sich das elektromagnetische Feld auf alle Leiter (vorab Heizung und Wasser) gleichmässig verteilt und kein allzu krasses Potential-Ungleichgewicht entsteht, das zu Kurzschlüssen führt.

Potential-Ungleichgewicht ist übrigens meist die Ursache für Todesfälle durch Blitzschlag. Deshalb soll man bei Blitzgewitter möglichst beide Füsse dicht aneinander gepresst, hocken. Hintergedanke: das Potential muss möglichst gleichmässig über einen weg. Andersherum: je breitbeiniger einen das Blitzfeld erwischt, desto grösser die Potentialungleichheit. Statistisch gesehen ist für die Schweiz jährlich ein Blitzschlagtoter zu erwarten. Allerdings zählt die Nordwestschweiz zur Region mit den zweitmeisten Blitzereignissen. Es sind rund 5'300 Blitze pro Jahr (hochgerechnet).

Schliesslich der Überspannungsschutz: Blitzableiter und Potentialausgleich sorgen also dafür, dass der Blitz störungsfrei und gleichmässig abgeleitet wird. Das befreit nicht von seiner elektromagnetischen Wirkung, gegen die es nicht ohne weiteres realistische Hilfsmittel gibt. Daher empfiehlt sich, vor heiklen Geräten einen Überspannungsschutz einzuschalten. Dieser ist eine Art Sicherung und trennt bei Überspannung das Gerät vom Netz.

Ortstermin in Münchenstein, Wyss besucht eine zufriedene Kundin. Sie erinnert sich: "Bei Gewitter habe ich mich ins Auto gesetzt, jetzt bleibe ich ruhig". Und Wyss sagt: "Wir haben blitzschnell dazugelernt". top

 

Juni 1991: Prognos empfiehlt: Doppelt teure Strompreise

 

Aktionsfelder für die Zukunft skizzierte das Basler Beratungsunternehmen "Prognos" der Elektra Birseck-Münchenstein (EBM). Fazit: mit erheblichem Sparen könnte der  Stromverbrauchszuwachs auf 0,5 Prozent pro Jahr begrenzt werden. Empfohlen wird, die Strompreise zu verdoppeln.  

Münchenstein. Übermorgen eine doppelt so teure Stromrechnung? Das Basler Berater-Unternehmen "prognos" empfiehlt der Elektra Birseck (EBM), die Kilowattstunde bis Jahr 2005 "real" preislich zu verdoppeln. Dabei soll der Strompreis laufend angehoben werden, bis er das angepeilte Ziel erreicht haben wird. Dies ist nur eine Massnahme, die das "Europäische Zentrum für Angewandte Wirtschaftsforschung", der Baselbieter Stromversorgerin nahelegt. Hauptsächlich sollte die Prognos für ihren Auftraggeber prüfen, "künftige Aktionsfelder zur Förderung der rationellen Energienutzung und -erzeugung" anzusiedeln.

 

"Den Strompreis zu verdoppeln ist die einzige Massnahme, die vorgeschlagen wurde, die der Verwaltungsrat abgelehnt hat bei der Beratung dieses Berichts", sagt Elektra-Direktor Hans Büttiker. Er legt mit dem angesprochenen Papier erstmals eine Studie vor, die ihm als Wirtschaftsstrategie erhebliche Stromeinsparungen nahelegt. Ein wiederholt vorgetragenes Anliegen von Elektrizitäts-Kritikern. Heute gilt es sowohl den Münchensteinern als ihren Beratern als Traumziel, den Mehrverbrauch der Elektrizität auf jährlich 0,5 Prozent zu begrenzen im belieferten Versorgungsgebiet. Diese Wachstums-Rate indessen beträgt seit 1984-1989 rund 2,7 Prozent durchschnittlich jährlich.  Sparen und Strom­verkaufen: Das EVU - Elektrizitätsversorgungsunternehmen - wird EDU: Energiedienstleistungsunternehmen.

 

Als "überraschend" wertet Büttiker den Umstand, dass der Stromverbrauch trotz erheblich ausgebauten Sparmassnahmen zunehmen wird. Hierbei erwartet Prognos selbst bei intensiven Anstrengungen für sparsame, rationelle Stromverwendung ("Sparszenario") eine jährliche Zunahme von fünf Prozent pro Jahr. Damit hatte Büttiker nicht in diesem Umfang gerechnet. Aber: fährt die EBM fort wie anhin, gibts einen jährlich erheblich steigenden Stromverbrauch von 1,5 Prozent ("Status-quo-Szenario"). Höher wäre diese Rate noch, wenn die EBM ihre bisherige Tätigkeit bei rationeller Energienutzung (Nahwärmeversorgung zum Beispiel) aufgeben würde ("Rückzugs-Szenario"). "Das kommt nicht in Frage", räumt Büttiker freimütig ein: "wir geben diesen Stimmen keine Chance."

 

"Handlungsbedarf" für ihre 100 000 Kunden registriert die Prognos auf jeden Fall für die Elektra Birseck-Münchenstein (EBM). Deshalb soll sie sich rege an Energie-Quellen beteiligen wie Wärme-Kraft-Kopplung, Wärmepumpen und Solar-Minikraftwerken, die ohne EBM "in einem grossen Teil der Region Basel ungenutzt bleiben würden". Prognos empfiehlt hierzu, dass Strom-Kunden gründlicher als bisher zu  beraten. Gemeinsam mit regionalen Stromverteilern sei die Strom/Wärme-Eigenproduktion durch Wärme-Kraft-Kopplung auszubauen. Erfahrungsaustausch zwischen Industrie und Stromverkäufer müsse alltäglich werden. Zudem, schreibt die Prognos, soll die Elektra ein rechtliche selbständiges Tochterunternehmen als Berater für "Energiefragen in Industrie und Gewerbe" gründen. Zusätzlich rechnen sich die Stromversorger Chancen aus, wieder attraktiver für Personal zu werden. Personalmangel bei Starkstrom-Elektrikern verzögert manche Vorhaben.

 

"Wir begreifen das Gutachten der Pro­gnos als Empfehlungen für unsere Geschäfts-Strategie, einiges wurde im 'EBM-Aktionsprogramm-Energie 2000' eingebaut", erläutert Hans Büttiker, der dieses als eines der ersten EW-Chefs vorstellte. Indessen berührten die Wirtschaftsforscher auch Empfindliches. Jenes, dass die EBM eine Genossenschaft (mit 350 Mitarbeitern, 186 Millionen Franken Umsatz) ist, deren Genossenschafter (Hausbesitzer, Industrie, Gewerbe, öffentliche Hand) sowohl Strombezüger als auch Strom-Chefs sind. Werden sie sich höhere Tarife einräumen, die sie selber zu berappen haben? "Bis jetzt handelten alle Genossenschafter im Unternehmensgeist", lobt Büttiker, er kennt diese Widersprüche. Eine saubere Kostenrechnung diente den Genossenschaftern bis anhin, sich über die Befindlichkeit des Unternehmens an sich im Klaren zu sein. Höhere Strompreise, die die effektiven Stromgestehungskosten wirklichkeitsnäher widergeben würden, stossen woanders unerwartet auf Widerstand; beim Preisüberwacher in Bern. Zu hoffen bleibt für die EBM, dass sie ihre nächste Preisrunde wie gewünscht einleiten kann. Ohne höhere Tarife wird (zu) wenig Interesse an sparsamer, rationeller Energieerzeugung bekundet.

 

Regionale Strom-Koordination gefordert

 

Münchenstein. Der Basler Wirtschaftsberater Prognos AG empfiehlt der EBM verstärkt mit den Industriellen Werken Basel (IWB) und der Elektra Baselland (EBL) zusammenzuarbeiten. So soll die Strom-Eigenerzeugung koordiniert und Tariferhöhungen untereinander abgestimmt werden. Vorgeschlagen werden massive Preisrunden, diese lehnt indessen die EBM ab. Zusätzlich soll mit den Nordwestschweizer Stromverteilern ein Modellprogramm "Photovoltaik" eingerichtet werden.

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