Dreieckland StromReport Energetix (akt. 20.01.2004 ) Pressebüro © Marc Gusewski  Email 

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Folgen die Geld-Ströme dem Öko-Strom?

26.6.01 Mit dem liberalisierten Strommarkt wurde "Rebellenstrom" zur gewöhnlichen Strommarke - reicht dies im Wettbewerb? Grundsätzliches über Öko-Voraussetzungen wurde am Schönauer Stromseminar verhandelt

Schönau. "Geld oder Leben!" Unter diesem Aspekt verhandelte das 8. Schönauer Strom-Seminar am vergangenen Wochenende Aspekte von Wirtschaft, Energie und Umwelt. Die Schwarzwälder "Stromrebellen" positionieren dabei ihre elektrizitätswirtschaftliche Tätigkeit neu unter dem Motto des "atomfreien Geldkreislaufs." Während sie bisher eher das Element der "Stromrebellen gegen das Stromkartell" auf der wirtschafts- und energiepolitischen Agenda herausstrichen.

Die Tagung zeigte, dass die ehemaligen Stromrebellen unter dem Druck des Elektrizitätsmarktes für sich eine dauerhaft kommunizierbare Legitimationsbasis suchen. Neu ist, entgegen der Phase nach Tschernobyl, dass in der Liberalisierung letztlich jeder irgendwo "Stromrebell" ist. Die Liberalisierung wurde als "Revolution" gesehen, die die "Stromfürsten", hinwegfegte, so Mit-Organisatorin Ursula Sladek. Was heisst dies aber für Öko-Strom? So waren sich die Teilnehmer einig, dass ökologische Finanzkreisläufe die Grundlage für eine andere Art des Wirtschaftens bilden müssten. Da man in Schönau unter sich blieb, blieben indes Fragen ausgeblendet, wie etwa unter diesen Voraussetzungen ein etwas anderer Massenmarkt geschaffen werden soll? Oder, dass beim gewaltigen Kapitalbedarf des Strombusiness letztlich keine Bank vom (Atom-Kohle)Strom-Mix unberührt bleiben kann, selbst wenn die Öko-Institute in diesem Sektor inaktiv sind?

Als "Starreferenten" hatten die Schönauer das Ehepaar Rosario und Alfred Ritter ("Ritter-Sport") zu Wort gebeten: "Haben oder Sein - Geld oder Leben. Das Wichtigste ist, dass wir gut leben wollen", sagte Alfred Ritter. Er nannte das Bedürfnis tätig zu sein, als das Herausragendste. Aber: Taten schüfen Nebenwirkungen. Diese seien zu minimieren. Von Symptombehandlungen sei abzusehen. Natur ohne Mensch sei unvorstellbar. Darum müsse der Mensch mit der Natur gut umgehen. "Ein Naturpark, nur um Stechmücken zu züchten, ist eine schreckliche Vorstellung", überspitzte er. Daher rief Alfred Ritter dazu auf, mit ökologischem Verhaltensstil voranzugehen.

Andererseits zeigte gerade Ritter freimütig auf, dass er beispielsweise durch die Handelsbedingungen nicht in der Lage sei, ab sofort nur Öko-okay Schokolade anzubieten ohne Marktanteilsverluste zu riskieren. Gerechtere Löhne für Kakao-Bauern hiesse höhere Preise, welche die meisten Schokolade-Konsumenten kaum zu bezahlen bereit wären, diagnostizierte er. Trotz gesellschaftlichen Öko-Dilemmas, plädierte Ritter für kleine, erste Schritte. Rosario Ritter zeigte sich überzeugt, dass umweltfreundlich-soziales Wirtschaften für Unternehmen unumgehbar werde - z.B. nehme der Anteil "nachhaltiger" Geldgeschäfte im Finanzwesen stetig zu.

"Geldströme umlenken - Richtung bestimmen", gaben sich die Teilnehmer der Strom-Seminars überzeugt. Eine Wirtschaftsrichtung, die auch das "atomfreie" Elektrizitätswerk Schönau intensiver als bisher verfolgen möchte mit Solarzellen-Kraftwerken, die als erster Schritt in das "Solarzeitalter" zu bewerten seien, sowie mit Effizientechniken, wie etwa Wärmekraftkopplung. Die Emissionen zu senken durch verbesserte Technik, sei unumgänglich. Auch, um die "Zivilisationskrankheit Klimaveränderung" zu bekämpfen. Dazu hatte der wissenschaftliche Direktor des Hamburger Max Plancks-Instituts und führende "Treibhaus-Forscher", Hartmut Grassl, gesprochen. Von Seiten der Banken steuerte Thomas Jorberg (GLS-Gemeinschaftsbank Bochum) Überlegungen bei und der Freiburger Journalist Bernward Janzing beschrieb die Rolle der Medien im energiepolitischen Diskurs. Ursula Sladek rief wiederholt dazu auf, und brachte damit die Schwierigkeiten grünen Wirtschaftens doppeldeutig auf den Punkt; Ökologie nicht nur im Munde zu führen, sondern ein paar D-Mark für Solar- und Effizienz-Elektrizität auszugeben. Seitenanfang

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