Dreieckland StromReport Holz-Heizer (akt. 12.04.2005 )   

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Grösstes Holzheizkraftwerk der Schweiz bis 2008 in Basel geplant


Absatzchance für Nordwestschweizer Waldbesitzer / Jährlicher Bedarf von 65'000 Kubikmeter Festholz

Pratteln, 8.4.05 Waldbesitzer in Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn schreiten mit der baselstädtischen Energieversorgerin IWB zur energetisch-ökologischen Selbsthilfe: Neben der Fachhochschule Nordwestschweiz ist das geplane Holzheizkraftwerk in Basel das zweite aktuelle Projekt, das vereinte Kräfte am Juranordfuss nutzt.

Gemeinsam für die Umwelt und gegen die wirtschaftliche Dauermiesere, welche die Waldbesitzer existenziell bedroht: Über 120 Wald besitzende Bürgergemeinden und Private aus dem Aargau, beiden Basel und Solothurn planen mit den Industriellen Werken Basel (IWB) das grösste Holzheizkraftwerk der Schweiz. Die Verwertung von heute praktisch unverkäuflichen Holzqualitäten hilft auch klimaschädliches Kohlendioxid in der Grössenordnung von 23'000 Tonnen jährlich einzusparen, indem Heizöl und Erdgas betriebene Heizkessel ersetzt würden.

31 Millionen Franken Investition

Geschehen soll dies durch die Einrichtung eines dritten, rein der Energieerzeugung dienenden "Ofens" von 30 Megawatt Leistung am Standort der Kehrichtverbrennungsanlage Basel. Diese verfügt bereits über alle Merkmale, die für einen wirtschaftlich konkurrenzfähigen Fernheizkraftwerksbetrieb dieser Grössenordnung nötig sind: Gleisanschluss Fernwärme, Stromnetz, Stromturbine. Vorausgesetzt, das Vorhaben wird diesen Sommer von der obersten Bewilligungsinstanz der IWB, dem Grossen Rat, abgesegnet, ist eine Inbetriebnahme Anfang 2008 denkbar. Zustimmung erscheint so gut wie sicher. Die Investition beträgt rund 31 Millionen Franken. Erzeugt werden sollen Fernwärme und Strom, die dem Heizungsbedarf von 20'000 Haushaltungen entsprechen.

Dem IWB-Engagement bezüglich Holzheizkraftwerk ist ein jahrelanges, hartnäckiges Lobbyieren forstwirtschaftlicher Kreise vorausgegangen, gelenkt und koordiniert vorab vom Kantonsoberförster beider Basel, Ueli Meier. Dieser Tage starten Meier und seine Mitstreiter offiziell in die Endrunde, von der mutmasslich alles weitere abhängt: Die rund 120 bisher interessierten Waldbesitzer aus den vier Kantonen sind aufgerufen, bis spätestens Mitte August dieses Jahres ihren bisher nur unverbindlichen Interessensbekundungen auch Taten folgen zu lassen - und 6,2 Millionen Franken Aktienkapital zu zeichnen. Zur Zeichnung bereit stehen ab sofort 1'240 Namenaktien zu nominell 5'000 Franken der zu gründenden Raurica Waldholz AG in Liestal.

Waldbesitzer müssen umdenken

Die "Raurica" dient dem geeinten Auftritt der grossen und auch heterogenen Gruppe von Biomasse-Lieferanten nach aussen mit einer einzigen Stimme. Sie wird sich anschliessend mit 50,1 Prozent in die zu gründende Holzheizkraftwerk Basel AG einkaufen, welche die Betriebsführung des Werks besorgt. Aufgabe der IWB als Juniorpartnerin ist die Vertrauensbildung und Garantie einer Vergütung der Öko-Elektrizität nach dem neuen eidgenössischen Ökostrom-Einspeiseschema. Im Gespräch ist zudem eine Beteiligung der Elektra Baselland (EBL), der Oberbaselbieter Energieversorgerin, nach dem Muster der kürzlich gegründeten Geopower AG und Biopower AG. Nach Aussagen Beteiligter würden die IWB der EBL einen Teil ihres Aktienpakets abtreten.

Das Vorgehen bei der Realisierung des Grünstromwerks verlangt insbesondere den Waldbesitzern neue Denkweisen ab, registriert Oberförster Ruedi Meier: "Es muss unternehmerisch gedacht werden." In der Unerfahrenheit der Forstleute, die im Wald traditionell eigenbrötlerisch zu Werke gingen, lag die grösste Herausforderung. Für Projektkoordinator Stefan Vögtli heisst das: "Die Forstwirtschaft muss lernen, die eigene Tätigkeit neu wahrzunehmen, sich anzubieten statt abzuwarten."

Schwachholz als Ausweg aus der Krise

Im Überwinden alter Denkmuster liegen die grössten Herausforderungen: In nie gekanntem Umfang muss Tag für Tag und mindestens 25 Jahre lang garantiert sein, dass der Mega-Ofen jährlich 65'000 Kubikmeter Festholz zu schlucken erhält. Das sind 40 Eisenbahn-Containerwagen am Tag, oder ein Zug mit 13 Containeraufladewagen. Umgerechnet auf den Werktag bedeutet das die Verladung eines Containers voller Holzhackschnitzel alle 12 Minuten. Vögtli: "Beispiele zeigen, dass es geht. Wir müssen noch die richtige Variante für diese Region finden." Hier erhebt der Naturschutz vorsorglich seinen Mahnfinger: Weder grossflächige Schläge noch neue Strassen oder der Einsatz schwerer, Boden verdichtender Maschinen sollen den sensiblen und geplagten Waldgemeinschaften zusetzen.

Tatsächlich suchen die Waldbesitzer, in der Region sind es vornehmlich die Bürgergemeinden, Hände ringend nach Absatzkanälen. Schon "versteppen" die Wälder, werden dunkel und artenarm. Bürgergemeinden droht die Auflösung mangels Betriebskapitals. Von erstklassigen Qualitäten abgesehen, verlieren die Holzbesitzer laufend gegen Konkurrenz aus Skandinavien, Osteuropa und Asien Boden. Ausgerechnet Schwachholz könnte ein Ausweg aus der Krise bieten. Verwertbar sind die minderen Qualitäten, oft auch der "Abfall" ökologisch vorangetriebener Hecken- und Waldrandpflege.

Elf Franken pro Kubikmeter Schnitzel

Ein erster Schritt in dieser Richtung war die Einrichtung eines Heizwerks beim Liestaler Fernheizkraftwerk, dem sechs Mal kleinerem, bisher aber grössten regionalen Fernwärmeofen. Daneben bestehen, vorab im Oberbaselbiet, bereits eine Reihe Holzschnitzel-Nahwärmeverbünde. Ein Mega-Heizkraftwerk aber eröffnet den Beteiligten ein ständiges, wenn nicht gerade üppiges, so doch bezahltes Investment. Die Produzenten erhalten umgerechnet elf Franken pro Standard-Schnitzelkubikmeter ausbezahlt. Geld, das zudem sonst in Öl und Gas erzeugende Volkswirtschaften abfliesst, bleibt in den Ortskassen. Ferner erhalten die Beteiligten für ihre Aktienanlage eine Dividende, als ob sie in Bundesanleihen investierten.

Steigende Brennstoffpreise sowie die auf Anfang 2006 geplante CO2-Abgabe auf Brennstoffe verbessern die Bedingungen ein weiteres Mal. Dass selbst diese Dividenden verlockend erscheinen, zeigte die Aktienemissions-Auftaktversammlung der Raurica Waldholz AG in Pratteln vorgestern Mittwoch: Statt der erwarteten 160-180 Interessierten strömten rund 230 Gemeindevertreter herbei. Schon aber werden teils neue Töne angestimmt, die geeignet sind, den Promotoren Angstschweiss auf die Stirn zu treiben. Die hohen Brennstoffpreise verleiten Schnellrechner dazu, noch ungelegte Eier für eine Omelette zu halten. Dies brachte ein Vertreter aus dem Laufental so auf den Punkt: "Wenn ich mein Energieholz demnächst besser verkaufen kann als an das Heizkraftwerk - kann ich dann aus meinem Vertrag aussteigen?" Seufzte ein Vertreter aus Itingen: "Wenn das so los geht, können wir gleich wieder einpacken."

 

Wieso das Waldsterben länger dauert

14.3.04 / Vor 20 Jahren bestellte das Baselbiet eine erste Diagnose zum Waldsterben. Heute wird zwar von einem Fieber des Waldes gesprochen. Wieso Fritz Graf und andere damalige „Alarmisten“ ihre Reaktionen als richtig verteidigen.

 

LIESTAL. „Wir haben sicher überreagiert, das ist einem ganzen Haufen Leuten so gegangen,“ erinnert sich Landwirt und Waldbesitzer, und damalige SVP-Landrat Fritz Graf aus Sissach an die erste Waldsterbensdebatte, die das Kantonsparlament erstmals vor zwanzig Jahren geführt hatte. Andererseits, gibt Graf zu bedenken: „Niemand wusste, mit was wir es zu tun hatten. Die Leute waren gezwungen ernsthaft über den Wald nachzudenken.“

In der Landratsdebatte vom 22. Februar 1984 hatte Fritz Graf gewarnt: „Die Waldbesitzer gehen einer Katastrophe entgegen.“ Grafs Parteikollege von der SVP/EVP-Fraktion, und Vizepräsident der landrätlichen Umwelt- und Energiekommission Ernst Häner unterstrich die Forderung: „Es ist höchste Zeit zum handeln. Die Förster wussten schon lange, dass etwas nicht in Ordnung ist.“ Von der CVP-Fraktion, und als Präsident der Umweltschutz-Kommission bestellt, sagte der Oberwiler Thomas Gasser: „Der Kampf wird lange dauern. Wir wissen noch nichts Gegenmittel.“ Werner Kunz von der SP warnte und forderte: „Waldbegehungen“. FDP-Rat Jörg Affentranger aus Muttenz forderte weitergehende Erforschung. Das konnte dem damaligen SVP-Regierungsrat und Wald-Verantwortlichem, Werner Spitteler nur recht sein. Schon zuvor hatte das Baselbiet mit einer Standesinitiative eidgenössisch Druck aufgesetzt. Nun verlangte er rund anderthalb Millionen Franken für eine Waldschadenerhebung und photografische Aufnahmen. Zu einer giftigen Auseinandersetzung kam es nur, als Spitteler eine Nachfrage von POBL-Mitglied Adrian Müller aus Pratteln über Kahlschläge in den falschen Hals bekam. Müller warnte vor einem Weiterfahren der Forstwirtschaft im alten Stil, angesichts der zu erwartenden zehntausenden Tonnen Holz aus Notfällungen. Als vehementer Gegner trat ausser dem Titterter SVP-Politiker Christian Miesch, damals noch FDP, kaum jemand gegen die Massnahmen in Erscheinung.

Was war geschehen? Das Wörtchen Waldsterben war um die Jahreswende in Deutschland aufgetaucht und rasch populär geworden. Auch im Baselbiet fand es rasch seinen Niederschlag. Frühe Annahmen rechneten einfach das neu beobachtete Waldsterbens-Phänomen auf die Jahre hoch. Sie gelangten so zum Schluss, dass es nur noch wenige Zeit dauern würde bis Wüste herrschte. Das erwies sich als Fehlprognose. Dennoch: In der Folge der Debatte wurden West-Europa-weit Massnahmen zur Luftreinhaltung getroffen. Schon früher, allerdings erfolglos hatten die skandinavischen Länder, ohne Gehör zu erhalten, sich über ihre sterbenden Wälder und toten Seen beklagt. Ausgelöst wurde dies durch die sauren Niederschläge der Industrienationen, sowie aus dem Ostblock. Die Luft ist seit den 80er Jahren deutlich sauberer geworden – aber erlaubt dieser Zustand etwa, wie beim jüngsten Umweltbericht beider Basel, das Thema fast gänzlich unter den Tisch kippen zu lassen?

Anders als die Beendigung der öffentlichen Debatte über das Waldsterben vermuten lässt, nehmen die Krankheitssymptome des Waldes als solchem tendenziell zu. Ein Schlaglicht darauf warfen etwa die verheerenden Folgen des Lothar-Sturms 1999, darauf macht Walter Flückiger aufmerksam, Waldschadensforscher der ersten Stunde aus Schönenbuch. Der Waldboden versauert in nachweisbarem Ausmass. Dadurch setzt der Boden indirekt Giftstoffe frei. Baumwurzeln sterben deshalb in tieferen Schichten ab, der Baum verliert den Halt und weist Wachstumshemmungen auf. Ganze Wälder verlieren so ihre Schutzfunktionen und werden zum Risiko. Das Wald- als Bodensterben? Damit eröffnet sich ein anderes, als das erwartete, Bedrohungsszenario. Flückiger: „Heute wo man über Waldschutzpolitik reden müsste, ist das Interesse erkennbar gering.“

Vom Wald- zum Bodensterben

In diesem Jahr wird zum dritten Mal das eidgenössische Landesforstinventar (LFI) durchgeführt. Zum vierten Mal nach 1984, als der erste Kredit bewilligt wurde, wird voraussichtlich der regionale Waldschadensbericht vorgestellt werden. Angefertigt wird dieser vom Institut für angewandte Pflanzenbiologie in Schönenbuch, das von Walter und Heidi Flückiger ins Leben gerufen worden war. Durch den Nordwestschweizer Waldschadensbericht, ein interkantonales Karten- und Diagnoseinstrument, besteht in der Region eine einmalige Datenbasis über den Zustand des Waldes, und besonders auch, des Waldbodens. Die Schönenbucher Daten zeigen insgesamt einen Rückgang der so genannten Kronenverlichtungen. Das ist einer der Indikatoren für das so genannte Waldsterben gewesen. Zuletzt wurde eher vom Fieber geredet. Zurückzuführen lässt sich dies auf bedeutende Massnahmen zur Senkung der Schadstoffemissionen in die Atmosphäre. Politisch gesehen, wird der Wald immer unwichtiger: Forstämter werden aufgelöst, die Forschung verringert, ganze Budgetposten gestrichen. Beim dritten LFI verzichtet der Bund etwa auf die Probennahmen der Waldböden – nach Erkenntnis der Fachleute heute ein drohendes, gravierendes Versäumnis.

 

Für heisse Öfen auf Achse: Kym Holzenergie

Mit einer ausgeklügelten Lieferlogistik und Spezial-Forstmaschinen sorgt Kurt Kym (Bennwil/Hölstein) dafür, dass in den Holzenergie-Anlagen der Region Nordwestschweiz die Feuerkraft erhalten bleibt. Eine Erfolgsstory aus der forstlichen Wirtschaftsnische (vom 18.12.00).

Hölstein. Kurt Kyms Forstunternehmung in Hölstein sorgt mit Holz-Hackschnitzeln für rund neunzig Wärmeanlagen von sechzig Kunden (1979 waren es vier) vorwiegend im Baselbiet. Sein Lieferspektrum reicht von Mehrfamilienhaus-Heizungen bis zu Gross-Nahwärmeverbunden wie in Pratteln. Über 60'000 Kubikmeter Holzhackschnitzel aus dem Wald, Sägewerken setzt Kym um - sie entsprechen 50-55 Millionen thermischen Kilowattstunden (einem Heizbedürfnis von 4'000 Durchschnitts-Haushalten). Derzeit kostet ein Schüttkubikmeter Forsthackschnitzel 36 bis 40 Franken, naturbelassenes Abfallholz ist gratis.

Kym ist im Vergleich mit den Solar-Pionieren, oder "Ecopreneuren" wie sie Professor Stefan Schaltegger  nennt, ein wenig anders. Schon auf den ersten Eindruck hin nimmt man dem baumgrossen Mann die Forstfachkraft ab. "Das Denken in ökologischen oder ‚grünen' Zusammenhängen kam später als meine Tätigkeit im Wald alt ist", sagt er. Anfangs der 70er wurde er auf einer gewöhnlichen Fachrundreise auf die schwedischen Verwertungsmethoden für Energieholz-Qualitäten aufmerksam: statt klafterweise zu spalten und stapeln (in den nordischen Forsten eine echt einsame Sache), füttern diese Baumaschinengrosse Hackmaschine mit Stämmen und Astwerk. Die daumengross geshredderte Biomasse wird somit zum leicht disponiblem Schüttgut (anders als die sperrigen Spälten). In Gross-Feuerungsanlagen von Kommunen, oder von Energiedienstleistern betrieben, wurde schliesslich fernwärmegeleitet Komfortenergie daraus.

"Erst die Ölpreiskrisen von '73 und '79 bestärkten mich, über den forstlichen Aspekt hinaus die ökonomischen Vorteile der Holzenergie zu sehen und auch Holz zu hacken. Es ersetzt schlicht Heizöl", sagt Kym. Damals existierten gerade zwei mehr oder weniger passable Feuerungen im Baselbiet (Fraumatt-Schulhaus/Liestal, Sissach/Bützenen). Den Nachschub besorgten die Gemeinden gleich selbst.

Bis 1979 sammelte Kym für seine Ideen die nötigen Finanzen, bis er den ersten "Forwarder" erwerben konnte. Es ist ein eine viertelmillionen Franken teures Volvo-Schwerlastfahrzeug, ausgerüstet mit Kran und Hackwerk. Geübte Piloten verhacken damit Bäume in Sekunden.

Zunächst hagelte es Absagen, eine grössere Holzschnitzel-Heizanlage nach nordischem Vorbild zu installieren. Dann wandte Kurt Kym seine Energie auf ein eigenes Projekt an und installierte mit einem Partner 1984 in Itingen die erste "Private Partnership"-Anlage. Erst mit Werner Spitteler, dem landwirtschaftlich-orientierten Regierungsrat, wurde das Klima waldfreundlich. Gemeinden und Bürgergemeinden (als Waldbesitzer), die zunehmend auf ihrer im Weltmarkt teuren Ware hockenblieben, warfen ein Augenmerk auf die Forstenergie. Spitteler sorgte mit Wirtschaftsförderungsgeldern für zusätzliche Anreize.

Mitte der 80er erfuhr die Holzschnitzelheizung grösste Nachfrage; die Gesamtleistung wurde von einigen hundert Kilowatt auf heute rund vierzig Megawatt gesteigert. Einerseits, da das teure Heizöl Alternativen konkurrenzfähig werden liess (mit Ausnahme der Ölpreisbaisse ab den 95ern). Zum weiteren weil Holzverbrennung "Treibhaus-Effekt"-neutral ist - Kohlendioxid wird im Wachstum eingeatmet und beim Verrotten oder Verbrennen der Biomasse wieder veratmet.

Basel-Landschaft entwickelte sich zum Holzenergie-Kanton Nr. 1. Kym trug mit ausgeklügelter Förderlogistik dazu bei. Zum einen, um die Wege abzukürzen (Umweltschutz), zum anderen des wilden Preisdrucks auf Energierohstoffe wegen. Statt den teuren Forwarder hin- und her zu verschieben, wickelt dieser eine festgelegte Holzernte-Route ab. Per LKW-Container werden die abonnierten Verheizer "just-in-time" versorgt. Deshalb benötigen Bio-Kilowattstunden zwei Drittel weniger "graue Energie" (also die zur Bereitstellung nötige Energie) als Heizöl. Zudem wird nach netto erzeugten Kilowattstunden abgerechnet. Das wäre so, als ob der Heizölhändler für die vom Brenner erzeugte Wärme bezahlt würde und nicht für die Warenlieferung.

Noch sieht sich Kym am Anfang - trotz bald dreissigjähriger Forstarbeit. Aber heute glauben auch andere an einen Neuanfang. Zwanzig weitere Unternehmer zählt die Schweiz in dieser Wirtschaftsnische. Pro zusätzlicher 10'000 Kubikmeter Schnitzelernte wird ein neuer Arbeitsplatz gerechnet. In der Schweiz beschäftigt die Forstbranche rund 100'000 Arbeitskräfte. Das Marktforschungsunternehmen "Frost & Sullivan" schätzt den Euro-Markt 2005 für Biomasse-Feuerungsanlagen bereits auf eine Milliarde Dollar (von 668 Millionen 1995). "Fat Cats" wie "Shell" explorieren in Österreich Holzenergie interessehalber. "Chevron" (San Francisco) prüft analoge Energie-Services und "British Petroleum" (BP) nennt sich ohnehin neu "beyond petroleum" (bp) - "jenseits von Petroleum".

Fakten: Kurt Kym Forstunternehmung Hölstein/Bennwil; Gegründet: 1972; Mitarbeiter: 17; Umsatz: nicht publik; Energieumsatz: 60'000  Schnitzelkubikmeter; LKW: fünf; Kunden: 90 Holzwärmeanlagen; Hacker bzw. Forwarder: 3 

18.12.2000 Spatenstich für Holzenergiezentrum

In Diegten entsteht das erste Holzenergiezentrum. Bauherren sind Kurt Kym und Sämi Jenni, der sich auf Stückholz spezialisierte. Beide Unternehmen vereinigen damit ihre Logistikbasis und machen damit Synergien frei. Der neue Bau soll im wesentlichen mehrere Hallen und Büroräume umfassen. Hier soll alles zum Energierohstoff Holz erhältlich sein, ab ca. 2002 (also zum 30-jährigen Firmenjubiläum Kyms). Zudem zwingt die LSVA den Holzenergiespediteur zu einer Optimierung seiner Fahrten - von Diegten sind die Oberbaselbieter Wälder zentral erreichbar. Gemeindepräsidentin Myrta Stohler zeigte sich über die Ansiedlung des Unternehmens erfreut.

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"Bäumig": so heizt das Oberbaselbiet

Zehn Top-Holz-Heiz-Gemeinden

16.3.01: Am Samstag, 17. März ist die neue Wärmeverbunds-Heizzentrale in Sissach zu besichtigen (10-14 h, Alters- und Pflegeheim Mülimatt), eine weitere der über 70 seit 1988 neu geschaffenen Anlagen. Damit toppt das Oberbaselbiet einmal mehr seine eh schon top-Holzenergie-Verfassung.

Im Oberbaselbiet wird immer mehr Energieholz nachgefragt; bisher praktisch ganz ohne "Lothar"-Forstnothilfe-Millionen, den bereits nach zwei Monaten "ausverkauften" 45 Millionen Franken von Bern. Ein weiteres Zeichen für wachsendes Holzenergie-Interesse.

Vor den Augen des interessierten Publikums schlug speziell das Oberbaselbiet eine besondere Energie-Story auf. Es ist die Story, wie ein Uralt-Brennstoff zu neuem Sinn und Zweck kam. Von "Ammel" bis zur Hülftenschanz heizt man pro Kopf mit rund 700 Kilowattstunden geschnitzelte Forstbiomasse - mehr als dreimal soviel wie im Landesdurchschnitt. Den Kantons-Durchschittskennwert drückt allerdings der Holzheizungs-arme Bezirk Arlesheim auf ca. 300.

Alles in allem gerechnet werden zwei Drittel aus dem Energierohstoff "Waldholz" weiterhin in Einzelheizungen genutzt. Diese grosse Zahl resultiert aus der Masse der vor allem der holz-orientierten landwirtschaftlichen Haushalte. Wachsenden Anteil am Holzenergieverbrauch gehen auf das Konto von Schnitzelfeuerungen - grossen Anlagen, die praktische ganze Dörfer ans Netz nehmen können (Quelle: Kant. Energiestatistik) und wo die vielen Holzschnitzel "verbraten" werden.

Neben den Gemeinden sticht immer mehr die Elektra Baselland (EBL) als Innovatorin hervor. Als Partnerin der Gemeinden bietet sie grüne Fernheizung und Warmwasser im Vergleich zu rein kommunalen Netzen günstig an. Rund ein Viertel der jährlich ca. 60000 Kubikmeter Forsthackschnitzel dürften mittlerweile auf das Konto der EBL-fernversorgten Wärmebzüger gehen.

Trotz interessierter Grundstimmung kämpft die Fernheizung weiterhin mit Vorurteilen, was ihre Marktanteilszuwächse um so erstaunlicher macht. So zeigt die Erfahrung von bald zwanzig Fernheiznetzen von Wintersingen bis Pratteln, dass jeder Kunde einzeln und in mehreren Gesprächen über die Funktionsweise von Bio-Energie betriebenen Dorfnetzen ins Bild zu setzen ist (ohne Erfolgsgarantie).

M.a.W.: „Stell dir vor, sie mussten alle Thermostate auf siebzehn Grad herunterschrauben, um Energie zu sparen – wenn das nicht der grösste Witz aller Zeiten ist“, fuhr Gloria fort. „Wir werden nämlich mit  Fernwärme aus dem Medical College von Virginia versorgt, und deswegen spart das Runterdrehen der Thermostate kein einziges Watt Elektrizität.“ Patricia Cornwell: "Das geheime ABC der Toten"

Denn Fernwärme-Anschlüsse mit Holz setzen Verständnis und Annahmen bei den Kunden in die komplexen Verhältnisse von Ökologie und Volkswirtschaft voraus, die nicht jeder teilen mag. Zum einen nutzt die Holzenergiewirtschaft dem Wald (da hier die Mittel für Waldpflege erwirtschaftet werden), zum anderen bleibt der Region ein grösserer Anteil Wertschöpfung erhalten als wenn Geld für Mineralölankäufe abfliesst zu den Exporteuren über vielfach multinational organisierte Ölhandelsunternehmen. Die Erfahrung zeigt, jedenfalls den grünen Kilowattstunden-Verkäufern, wer sich letztlich anschliesst, geniesst den Komfort der Fernversorgung und bewertet insgesamt den Lebensstil ökologisch-regional wirtschaftlicher Art höher als konventionelle Energieverhaltens-Muster. Wer mitmacht, macht bei einer cause célèbre mit.

Von den Neuen Erneuerbaren Energien ist im Baselbiet Holzenergie "top". Windenergie, weltweit Nr. zwei, kommt naturräumlich weniger in Frage. Die Sonnenenergie als Nummer eins dient immer mehr Haushalten zur Unterstützung von Heizwärme oder sogar zur Warmwasseraufbereitung im Sommer, hier wartet das Oberbaselbiet auf vergleichbar breitet Aktionen für Solarkollektoren wie zum Beispiel der Unterbaselbieter Elektra Birseck.

Aber Heizen und Warmwasser machen (neben dem Auto, das noch etwas mehr Energie benötigt) den umweltbeeinflussenden Löwenanteil privater Ökobilanz aus: Im Durchschnitt verbraucht ein 100-Quadratmeter Privathaus um 10'000 Kilowattstunden Heizenergie - der Betrag kann bei moderner Isolierung halbiert, oder bei Energie-bewusster Bauweise problemlos auf zehnmal weniger minimiert werden. So gesehen schlummern in den Jurahängen gewaltige Energiereserven - garantiert "Treibhaus-Effekt" neutral (da Bestandteil der natürlichen biogeochemischen Kreisläufe), Holzheizer sind praktizierende Klimaschützer.