Dreieckland StromReport StromMarkt (04.02.2005 ) Pressebüro © Marc Gusewski Formular

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Inhalt

02.02.05 Genossen mit Börsen-Milliarden weiter

12.12.03.: Strompreis bleibt heiss - trotz Monopol weiter

                Strompreis II: Billig-Mantra und Monopol weiter

20.8.02 Stromer nahmen den Strommarkt schon vorweg weiter

13.06.02 Strommarkt zwischen Schicksal und Service Public weiter

01.6.02 Stromversorger schwimmen im Geld weiter

25.5.05 Stadt wehrt Stromkabel nach St. Louis ab weiter

19.4.02 Das „Backbone Nordwestschweiz“ kommt weiter

10.1.02 Regio-Elektriker auch 2002 unter Strom weiter 

6.11.01 Strompreis-Senkung für Gemeinden und Kanton weiter

6.11.01 Strompreisgewinne für Erneuerbare Energien weiter

29.8.01 Strommarkt Schweiz - gfs Umfrage weiter 

30.7.01 Grünstrom-Verkauf zwischen Trend und Alltagstrott weiter

30.7. Strom-Blockade in Rheinfelden durch E.On und EnBW weiter

7.4.01 Energieszene: Mit Wärmeschläuchen werden die neuen Claims abgesteckt weiter

13.02.01 Strom am Oberbölchen - morgen wie? weiter

 

Die Preisfrage: Wie viel "service public" ist bei der E-versorgung und im (staatlich überwachten) Normpreis inbegriffen? Wo beginnt die Nachfrage, die ein Luxus ist? (Bild: Balair)

 

Elektra-Genossen mit Aktien-Milliarden

02.02.05 Der Börsenpoker um die Oltner Stromhändlerin Atel bläht die Aktienportefolios von Elektra Baselland und Elektra Birseck in Allzeithöhen von 1,4 Milliarden Franken – daneben wirken deren eigenen Millionen-Umsätze mickrig.

LIESTAL. Selbst dem ansonsten auskunftsfreudigen Geschäftsführer der Elektra Baselland (EBL), Urs Steiner hat es die Sprache verschlagen: „Dazu können wir keinen Kommentar abgeben.“ Inoffiziell dagegen ist es ein Top-Thema, dass die Chefs der Elektra Baselland, der Oberbaselbieter Stromversorgerin in Liestal, und der Elektra Birseck-Münchenstein (EBM), der Unterbaselbieter Stromversorgerin, mit höchstem Interesse verfolgen. Seit letztem Jahr stürmen die Aktien der Oltner Stromhändlerin Aare-Tessin AG für Elektrizität, sprich Atel, unaufhörlich neue Höhen an der Schweizer Börse. Zwar werden relativ wenige Aktien gehandelt, etwa im Vergleich zu den bekannten Aktien der Grossbanken oder der Basler Chemie. Mit anderen Worten: mit wenig ver- und gekauften Aktien wird der Preis rasch gebildet. Dennoch: am Mittwoch wechselte die Atel-Aktie erstmals für 2119 Franken die Hand, am Donnerstagvormittag notierte die Aktie wieder mit 1960 Franken. Vor zehn Jahren kostete sie 600 Franken!


Gegenwärtig halten die EBL und die EBM 22,8 Prozent am Aktienkapital der Atel. Die EBM hält ihrer Grösse entsprechend 14,9 Prozent, die EBL 7,9 Prozent, wie im Atel-Geschäftsbericht ausgewiesen. Demnach hatte EBM Finanzen-Chef Fridolin Spaars Aktienportefolio am Mittwoch den momentanen Wert von rund 904 Millionen Franken. Zum Vergleich: letztes Jahr waren es 543 Millionen, und kurz vorher hatte sich die EBM glücklich geschätzt weitere Aktien günstig erworben zu haben. Das gleiche Paket war 1995 271 Millionen wert, es hat also gut und gerne eine Wertverdreifachung stattgefunden.

EBL-Finanzenchef Peter Schafroth verbuchte am Mittwoch gemäss den bekannten Zahlen das Atel-Aktienpaket zu rund 479 Millionen (Vorjahr: 287 Mio., 1995: 143 Mio.). Die EBL mit ihrem Jahresumsatz von 90 Millionen (EBM: 211 Mio.) müsste also fünf Jahre lang arbeiten, um auf den gleichen Betrag zu kommen, den die Börse mit dem Atel-Aktienanteil derzeit zu generieren bereit ist. Noch anders, rein zur Spekulation: Würde die EBL ihr Atel-Aktienpaket umgehend abstossen und jedem der 12'000 Genossenschafter (Grossbezüger, Hausbesitzer) anteilsmässig auszahlen, würde das nette Sümmchen von 40'000 Franken pro Genosse herausspringen. Kommentar: Kapitalismus kann sich lohnen, Genossen! Bei der grösseren EBM wären es etwa noch 20'000 Franken. Die andere Frage ist natürlich, ob ein Käufer für das Atel-Aktienpaket der beiden Elektra-Unternehmen vorhanden wäre.

Möglicherweise könnten die Elektras sogar mit Abnehmern für ihre Aktien rechnen: um die Atel wird seit einem Jahr ein in Finanz- und Stromkreisen hinreichend interessierender Schacher betrieben. An der Atel, deren grossen Nord-Süd-Stromkapazitäten international von Interesse sind, zeigen ausländische wie inländische Unternehmen Übernahmeinteresse. Allerdings wird die Atel-Aktienmehrheit, die Elektras sind Minderheitsaktionäre, von der Grossbank UBS kontrolliert via Motor-Columbus-Holding in Baden (deren Werte auch Allzeithöchste verzeichnen). Diese Übernahmegerüchte heizen naturgemäss den Handel an. Die Baselbieter sind an der Atel aus historischen Gründen beteiligt. EBM-Chef Hans Büttiker und EBL-Chef Steiner sind im Atel-Verwaltungsrat. Die Elektras, statt eigene Kraftwerke zu bauen, beteiligten sich in den Jahrzehnten am Aufbau der Oltner Unternehmung, die mit Kraftwerken an der Aare gross wurde, und erhielten im Gegenzug Aktien.

 


Strompreis bleibt heiss - trotz Monopol

12.12.03 In der Nordwestschweiz zahlen einige Konsumentinnen und Konsumenten für eine Kilowattstunde teilweise doppelt soviel wie der günstigste regionale Anbieter, darunter Basel, verrechnet. Der Preisüberwacher erlaubt neu eine Tarifübersicht und kündigt Widerstand gegen zu hohe Tarife an.

Liestal/Basel. Jingle Bells – süsser die Kassen nie klingeln. Gerade zur dunklen Weihnachtszeit, wenn der Kilowattstundenzähler so zackig schnell wie nie den Verbrauch aufschreibt… Der Preisüberwacher bringt’s erstmals ans Licht mit seiner Strompreis-Homepage, mit der die unzähligen Verbrauchertarife direkt miteinander vergleichbar wurden. Obwohl die für die Preisbildung wichtigen Siedlungsstrukturen hier einigermassen vergleichbar sind, müsste man meinen, schwanken die Tarife erheblich.

Süss klingeln die Kassen bei Einpersonen-Haushaltskunden

Die Stromkosten für einen Einpersonen-Haushalt schwanken um 100 Prozent. Hier der Vergleich: Knippst Grosi Müller im Stedtli Laufen ihre Weihnachtslichterkette vergleichbar einer 60 Watt Glühbirne an, und lässt sie diese 16 Stunden brennen, zahlt sie Grössenordnung 30 Rappen für diesen Strom. Soviel wie Grospappi Rüeb in Leibstadt, der doch mit dem Atomkraftwerk sozusagen an der Quelle sitzen würde...

Nur genau die Hälfte bezahlt Grosi Bebbi in Basel-Stadt für die Weihnachtsilluminierung (15 Rappen), obwohl ihr Strom von weit her aus dem Berner Oberland kommt. Gleich günstig leuchtet Onkel Schwob im aargauischen Laufenburg, unweit vom teuren Leibstadt übrigens. Die Rheinfelder werden dagegen mit 25 Rappen für ihre Lichterkette abkassiert, mehr als bei den Baslern, aber so viel wie im Durchschnitt alle Baselbieter dieser Kategorie löhnen müssen (22-23 Rappen). Ausnahmen beleuchten die Regel: Wenn die Watt am Weihnachtsbaum in Itingen strahlen, kosten sie nur 17 Rappen und in Augst einen Batzen. Zum Trost: im Badischen, in Freiburg, kostet der Lichterspass mit 40 Rappen noch mehr als in der teuersten Nordwestschweiz – obwohl dort offiziell Stromwettbewerb herrscht, und hierzulande Monopol.

Jingle Bells II: Gewerbe blecht wie Einpersonenhaushalt

Verblüffend: Der kleinst-, klein- und mittlere Betrieb, ein schweizerisches Strompreis-Phänomen, zahlt für seinen Stromverbrauch durchschnittlich so viel wie der Singlehaushalt. In Laufen 25 Rappen, wiederum pro üblicher Verrechnungseinheit Kilowattstunde (kWh) gezählt, fast den höchsten Tarif. Der Baselbieter Durchschnitt wird mit 20-22 Rappen beziffert. Billiger sind Basel und einige Gemeinde-Elektras mit 15 Rappen. Billiger gibt es das nur in den Wasserkraft-Kantonen Wallis und Graubünden für fünf Rappen.

Watt Neues am Weihnachtsbaum

Den billigsten Strom beziehen die industriellen Grossverbraucher und, weiteres Paradox, die voll durch-elektrifzierten Privathaushalte, die energiefressende Tumbler und hoffnunglos ineffiziente Stromheizungen alten Speicher-Stils ihr Eigen nennen: Sie bezahlen im Aargau elf, im Baselbiet zwölf Rappen, was der Landesdurchschnitt ist. Auch hier ist Basel mit 7-8 Rappen einsamer Günstiganbieter. Gemeint ist dabei ein Jahres-Haushaltsverbrauch von 25'000 kWh, das ist übrigens etwa fünf bis sieben Mal soviel wie ein Energie-effizient geführter Haushalt benötigt. In den Genuss dieser vergleichbar annehmlichen Tarife kann alleine die Grossindustrie zählen, obwohl diese ein zig-Tausendfaches an Leistung und Energie bezieht als der verschwenderischte Haushalt. So gesehen müssten Grossverbraucher deutlich günstiger fahren, was aber nicht der Fall ist.

Preisüberwacher kündigt Massnahmen an

Wie ein Sägezahnblatt sieht die Verteilung der Spitzenstrompreise aus, würde man eine Grafik erstellen: der eine Zacken ist der Minihaushalt, die Kerbe der Stromfresser-Haushalt. Der nächste Zacken stellt den Kleingewerbe-Verbraucher dar, die nächste Kerbe sind einige Hundert Grösstverbrauchertarife. Man verweist auf dicklaibige Studien über Faktoren zur Strompreisbildung, wird nach den Gründen für diese Verteilung geforscht. Auf Anfang Jahr jedenfalls können die teuersten 200 Stromanbieter (von etwa 900) mit Post vom Preisüberwacher rechnen, kündigt Strompreisexperte Rafael Corazza vom Preisüberwacher-Amt in Bern gegenüber der BaZ an. Der Hintersinn dieser Aktion wird sein, die Stromverteiler auf ihre Preispläne aufmerksam zu machen und einen „Anstoss zu geben.“ Corazza gibt sich zuversichtlich. Der Preisüberwacher wird von den Stromern heute deutlich ernster genommen als auch schon. Diese Woche hat die grösste Strom-Holding, die Axpo, wozu das Aargauische Elektrizitätswerk im Fricktal zählt, eine Strompreissenkung um 130 Millionen Franken per Oktober 2004 angekündigt. Unter Insidern ist man sich jedoch einig, dass dieser Preisrunde weitere folgen müssen. Andererseits muss klar sein, zeigen die Stromverbrauchsvergleiche; wer bei seinen Stromgeräten, auch den heimlichen wie dem „Stand-by-Betrieb“, kühl kalkuliert und energieeffiziente Geräte nutzt – profitiert trotz ungerechtem Preisgefüge am meisten – dann kann man an Weihnachten auch mal für ein paar Franken Weihnachtsglanz aus der Steckdose leihen, wenn’s das Herz wünscht.

 

 

Strompreis: Billig-Mantra und Monopol

12.12.03 Liestal/Basel. Rechtlich herrscht ein Monopol, von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern vor einem Jahr bestätigt, faktisch aber herrscht ein Schwebezustand zwischen Billigpreis-Mantra und Monopol-Versorgungsideen. Ein Mantra, gemäss Lexikon eine bei der Meditation ständig wiederholte magisch-religiöse Formel, identifiziert Elektra Birseck-Chef Hans Büttiker bei Gewerbe und Industrie: „Hier zählt unbesehen der tiefste Preis.“ Der EBM-CEO berichtet nüchtern von zähen Verhandlungen: „Da wird um 100-tel Rappen gefeilscht.“ Die EBM versucht ihr Angebot zwischen genossenschaftlicher Tarifsolidarität und Kostenwahrheit auszubalancieren. Etwas anders formuliert es der Oberbaselbieter Elektra Baselland-Chef Urs Steiner: „Einerseits wollen wir eine ökologische Energiewende finanzieren und die Versorgungssicherheit garantieren, andererseits Billigst-Anbieter zu sein, das geht nicht ganz so einfach.“ So sind EBL, EBM und die Stadtbasler IWB dazu übergegangen, Strom zu „umwickeln“ mit zusätzlichen Dienstleistungen: etwa Infrastruktur-Service. Nach dem Motto: mehr fürs gleiche Geld. IWB und AEW Energie AG gründeten dafür sogar eine Firma, die BEC in Rheinfelden.

Grundsätzlich erscheint das Preisniveau der Export orientierten Grossindustrie zu hoch, während es für Haushalte eher keine Rolle zu spielen scheint. Der Präsident der Interessengemeinschaft Energieverbrauchende Betriebe (IGEB), der Chemie-, Papier-, Zement- und Glas-hersteller angehören, Claude R. Cornaz sagt: „Für den Konkurrenzkampf müssen wir auf internationale Grundpreise bauen können, wenn wir hier existieren wollen.“

Cornaz sieht bei den sich fürs Monopol einsetzenden Gewerkschaften und Sozialdemokraten einen seltsamen Widerspruch, da sie für den einheimische Industrieprodukte wie bei Zyliss in Lyss demonstrieren: „Einerseits sollen wir hier arbeiten, andererseits verwehrt man uns Lieferantenwettbewerb.“ Cornaz, CEO der Glas-Produzentin Vetropack-Holding, spricht aus Erfahrung. Er ist an den Vorverhandlungen zur neuen eidgenössischen Elektrizitätswirtschaftsordnung (ELWO) beteiligt. Auch Richard Gamma von der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie (Zürich) betont: „Wir warten zunächst die ELWO-Verhandlungen ab“ Vertreter von Novartis und Syngenta verweisen beim Thema Strom gegenüber der BaZ auf IGEB und Chemie-Gesellschaft. Ein Pharmavertreter räumt gegenüber der BaZ ein: „Das Thema gehört derzeit nicht zu den heissesten.“

Der Strompreis ist heiss – gilt interessanterweise für die Strombranche selbst am meisten. Rafael Corazza vom Preisüberwacher registriert: „Die Branche hat auf unseren Strompreisvergleich am lebhaftesten reagiert.“ Das beobachtet auch der unabhängige Stromexperte Werner Geiger (Ebikon): „Die Stromverteiler wollen von ihren Vorlieferanten endlich günstigere Preise.“ Andererseits weiss Geiger; „Bei vielen günstigen Stromverträgen versuchen die Werke heute, das Rad rückwärts zu drehen.“ Hier richtet er sich auf Gerichtsfälle ein.

Heinrich Schwendener, Verkaufschef der Industriellen Werke Basel (IWB) sieht bei mittelgrossen Kunden Handlungsbedarf: „Im grossen ganzen registrieren wir eine gewisse Kundenzufriedenheit.“ Schwendener und dem IWB-Geschäftsleitungsvorsitzendem Eduard Schumacher sind aber die Hände gebunden, weil sie als Kantonsabteilung politisch der Regierung unterstehen. Sie hats nicht eilig mit dem politisch brisanten Thema. Im vergleichsweise teuren Laufental arbeitet die Elektrizität: die Gemeinden sind mit ihrer Lieferantin, der BKW Energie AG in Bern am Aushandeln neuer Konzessionsverträge. Hier gilt es den Konflikt zwischen Konzessionsentschädigungen an die finanziell klammen Gemeinde einerseits, Preis für diese „Leitungsverlegungslizenz“, und einem günstigem Strompreis für alle zu beseitigen. Darauf macht Hans Herter als Verhandlungsbeauftragter der Gemeinde Laufen aufmerksam. Herter, selbst alter Elektriker, sagt: „Eins geht nur.“

Stromer nehmen den Strommarkt vorweg

(Text mit internen und externen Links)

Quasi-Marktverhältnisse bei der Stromversorgung sind seit drei bis vier Jahren Praxis. Grosskunden und Private profitieren schon von Millionen schweren Rabatten. Die regionale Elektrizitätswirtschaft hat die neuen Marktverhältnisse wie keine zweite in der Schweiz frühzeitig vorweggenommen.

 

Basel/Liestal. Fehl geht, wer mit der Annahme des Elektrizitätsmarktgesetzes am 22. September, eine Art Elektroenergiepreis-Urknall erwartet. Die Werke handelten, in dem sie die kommenden EMG-Bestimmungen vorwegnahmen. Das heisst aber auch, dass durch diese Antizipation die Situation in den nächsten drei Jahren voraussichtlich unverändert bleibt (mit Annahme EMG) – ohne EMG brechen Chaostage für die Stromer an.

 

Die Stadtbasler Industriellen Werke (IWB) zählen zu den Mitgründern der zweijährigen Stadtwerkekooperation „Swisspower.“ Sie betreut nachfragestarke Bündelkunden in allen 20 Swisspower-Städten. Für regionale Grosskunden wurde die „Facility Management“-Firma BEC gegründet (mit der Roche und der AEW Energie AG, Aarau).

 

Basel im Strom der Wasserkraft

 

Die IWB beziehen ihren Strom aus alpinen Wasserkraftwerken, an denen sie sogenannt „Partnerwerks“-Partner ist. Über Verbundleitungen wird der Stromkreis ans Rheinknie geschlossen. Weil das EMG die Offenlegung der Transportkostenrechnungen der Stromfernstrassen-Betreiber verlangt, könnte die IWB zusätzlich profitieren. Geschäftsleitungsvorsitzender Eduard Schumacher rechnet, mindestens für den Zeitraum der nächsten Generation, mit einem gut funktionierenden, bezahlten Hydro-Stromerzeugungspark – also sehr preiswerter Energie. Mit der Ausnahme „Grand Dixence“, die indes auf Bundesunterstützung zählen kann.

 

Schumacher macht sich das Erdgasnetz, eine IWB-Sparte, zunutze für eine Expansion ins Baselbiet – mit dezentralen Erzeugungstechniken. Wie weit die buchstäbliche Kundentreue der Basler für ihr Werk auch für die Grosskunden gelten kann, gilt als offen. Als Alternative bietet sich die Baselbieter Elektra Birseck (EBM) an, die mit der Aare-Tessin AG, Olten (eine der grössten Stromproduzentinnen) zusammenarbeitet. Ein Wettbewerber aus dem Ausland erscheint eher unwahrscheinlich, da neue Leitungen gebaut werden müssten. Eher ist da wieder Eigenstromerzeugung interessant, in der Regie Dritter, der „Energie-Contractoren“, durchgeführt.

 

Die EBM sind die zweite Kraft

 

Als echter Insider gilt Hans Büttiker, Chef der Unterbaselbieter EBM. Er ist seit 1994, als die erste Arbeitsgruppe des Bundes zum Strommarkt tagte, mit dem Thema befasst. Eine Rechtsformänderung zur Marktanpassung hat die EBM bereits hinter sich, etwas was die IWB, die grösste Konkurrinten, noch vor sich hat (wenn der Grosse Rat mitspielt wie von Regierungsrätin Barbara Schneider als Verantwortlicher gehofft). Die Genossenschaft gründete die Holding „EBM Trirhena AG“.

Hans Büttiker sieht in den selbständigen Holding-Gesellschaften den Vorteil, Verflechtungen mit weiteren Konzernen einzugehen. Eine Entwicklung, die in Deutschland stark zunahm. Während die Stromkunden, abgesehen von den Vielverbrauchern, kaum wechseln, wechseln die Unternehmen selbst die Hände. So bilden sich Firmenketten, die von Grossunternehmen beeinflusst werden – diese wiederum stehen in Konkurrenz zueinander und „entflechten“ sich fortlaufend. Dies wird für die Schweiz auch für wahrscheinlich gehalten, mit helvetischem Tempo – also über die nächsten sechs bis zehn Jahre (was das EMG implizit anstrebt).

 

Firmenbeteiligungen wechseln eher als Kunden

 

So ist Hans Büttiker heute für die neue Ent- und Verlechtungsphase gerüstet und ist, wie an anderer Stelle gesagt, „offen für Gespräche.“ Möglich erscheint ein Zusammengehen mit der Atel, an der die EBM finanziell beteiligt ist und wo bereits Zusammenarbeiten stattfinden, z.B. bei der Verbundnetzpflege.

Die Oberbaselbieter Elektra Baselland Liestal (EBL), pocht auf Selbständigkeit – und ihre Genossenschaftsform. Sie ist die kleinste im regionalen Grosstrio. Sie ist auch mit der Atel liiert. Ihr langjähriger Chef Klaus-Peter Schäffer arbeitet derzeit den designierten Nachfolger Urs Steiner ein. Bei der EBL bestimmt die Delegiertenversammlung (Hausbesitzer, Grosskunden, öffentliche Hand) das Tagesgeschäft weiterhin. Diversifiziert wurde in den Wärmebereich. Es wird in der Schweiz kein zweites Elektrizitätswerk geben, dass so wie sie das Komfortwärmegeschäft vorantreibt – mit erneuerbaren Energien (Holz, Biomasse). Derzeit ficht die EBL einen einsamen Stellvertreterkampf der Stromwirtschaft mit der Wettbewerbskommission „Weko“ aus: die will Stromdurchleitung eines Grosskunden durchsetzen, während die Liestaler zunächst die Zuständigkeit der „Weko“ gerichtlich prüfen lässt.

 

Nuklear, Wasser oder Egalstrom – das ist die Frage

 

Als Verteiler ohne eigene Kraftwerke sind EBL und EBM in der komfortablen Situation, demnächst ihren Strom einkaufen zu können, wo sie wollen, ein Wettbewerbsvorteil, mal abgesehen von der ATEL-Liason. Wogegen der Basler Kraftwerkspark stabil kalkulierbar ist, aber eben, Eigentum verpflichtet, d.h. hier Abnahmepflicht.

Völlig abhängig von der EBL sind die Dorfgenossenschaften in Sissach, Itingen, Maisprach, Augst und Reigoldswil als Weiter-Weiterverteilerinnen. Bereits bezahlt die EBL den Itingern den Grosskundenrabatt, der der nachfragestarken IKEA am Ort gewährt werden muss. Ohne diesen Umstand wären die Minielektra in wirtschaftlichen Nöten.

Durch den Erwerb des Kraftwerks Laufenburg (KWL) durch die EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) sind übrigens die ersten Schweizer Gemeindenetze, ein Handvoll rund um Laufenburg, erstmals indirekt fest durch einen ausländischen Elektriker versorgt – es ist eine Premiere.

 

Spielfeld Ökostrom – Arena für Wettbewerbsübungen

 

Vom Fricktal her hat die staatliche AEW Energie AG Zugriff auf die engere Nordwestschweiz – hier tobt gerade ein Kampf mit der EBM um die Stromversorgung der Rheinsaline Schweizerhalle als Grossverbraucherin. Vom Laufental-Stromnetz, trotz Kantonswechsel in Berner Händen, könnte die BKW Energie AG ihre Fühler ausstrecken. Weggezogen, nach Dietikon, ist die einst ruhmreiche Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) - neu ist die Etrans als Schweizer Verbundnetzkoordinatorin am selben Ort.

Arena und Testlabor werden ganz allgemein die Ökostrom-Angebote sein, die übrigens vom ersten EMG-Tag an frei handelbar sind, bei – im Vergleich mit der übrigen Bilanz – vernachlässigbaren Geschäftskosten. Ein ideales Spielfeld, auf dass sich die Werke seit fast zehn Jahren vorbereiten mit grünstrom Angeboten. Pionieren ist darin die Liestaler ADEV Energiegenossenschaft, sie forderte schon 1994 die Freischaltung der Stromnetze des Kartells. „Independent Power Producer“ wie sie werden eine echte Neuerscheinung sein, abgesehen von Strombörsen-Handelsunternehmen, aber hier ist die weitere Zukunft noch offen.

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Strommarkt zwischen Schicksal und Service Public

 

23.06.02 Zur Grundlektion über den Wirtschaftswandel geriet der erste Auftritt der „Axpo“ in Basel, die auf dem Inlandsstrommarkt Nummer eins ist. Wirtschaftsprofessor Silvio Borner und Publizist Beat Kappeler redeten einer offenen Schweiz das Wort, die besser wettbewerblich als monopolistisch in die Zukunft geführt werde.

 

Basel. msg. Als „Schicksalsabstimmung“ verortet Wirtschaftsprofessor Silvio Borner den Elektrizitätsmarktgesetz (EMG)-Urnengang am 22. September. Anders als im laufenden Vor-Abstimmungskampf, der von den Befürwortern mit Paragraphen-orientierten Argumenten geführt wird, rief Borner am Donnerstag in Basel die Gesamtzusammenhänge zurück in die Erinnerung: „Die Abstimmung wird zum Gradmesser der Modernisierungsbereitschaft der Schweiz. Eine Ablehnung wäre ein verheerendes Signal. Stillstand und politische Stauwirtschaft sind die Folge.“

 

Borner sagte: „Die Gefahr liegt in der Luft, dass die Anti-Strommarkt-Geisteshaltung auf alle anderen Bereiche überschwappt und begonnene Reformbemühungen vereitelt.“ Über das vorliegende Gesetz zum Elektrizitätsmarkt zeigte sich Borner gespalten, letztlich aber befürwortend. Als Ökonom kritisierte er das Papier als in entscheidenden Punkten vage und mutlos, wo es Marktkräfte hätte zulassen können. Die Kontrolle der Netztarife, und auch der Wettbewerb auf Erzeuger- respektive Verbundnetzebene sei unzureichend gestaltet.

 

Aus inlandspolitischer Sicht sei das EMG anzunehmen, vor allem um die Liberalisierungsbemühungen, derer die Schweiz nachwievor dringend bedürfe, weiterzuverfolgen. Sinngemäss seien die sozial-, umwelt- und regionalpolitischen Leitplanken des EMG eher hinzunehmen als mit der Reinheit der ökonomischen Lehre gar nichts zu erreichen. Borner gab sich gelassen über die Entwicklung des Strommarktes für den Fall einer Ablehnung: „Wenn das EMG abgelehnt wird, geht die Liberalisierung einfach ohne dessen eingebaute Leitplanken weiter. Das wäre aus ökonomischer Sicht gar nicht so sehr zu bedauern...“

 

Auch Wirtschaftspublizist und –journalist Beat Kappeler sieht das strommarktpolitische Geschehen eher weit gefasst: „Wir leben weltweit in einer Netzgesellschaft, sie ist die Zukunft.“ Tausende neue Möglichkeiten für Arbeiten und Lebensgestaltung ergäben sich aus der Öffnung der althergebrachten Netze, die heute noch von ein paar wenigen exklusiv bewirtschaftet werden. Das entmonopolisierte Netzwirtschaften sei durch den mittlerweile erreichten, enormen technischen Fortschritt möglich. Zum Beispiel bei der Telefonie, der Funktelefonie und anderen Informatik-Kabeldiensten. „Das Kupfer“, so Beat Kappeler, „ist buchstäblich erodiert worden durch die Funkwellen. So können wir Wettbewerb stiften, der uns mehr Möglichkeiten zur Entfaltung einräumt.“ Er gab sich gelassen über die Zukunft: „Die Liberalisierung lässt sich nicht aufhalten. Möglichkeiten werden wahrgenommen.“ Wenn die Schweiz sich gegen den wirtschaftlichen Wandel stemme, werde sie sich zuletzt nur selbst schaden und an Bedeutung verlieren. „Service public“ bedeute Zielerreichung einer Gesellschaft, nicht aber die Zementierung geschützter Lebensarbeitsplätze einiger (verhältnismässig) weniger. Kappeler: „Die Gegner versuchen Service public als Denkverbot zu errichten, das kann nicht der Sinn der Debatte sein.“

 

„Axpo“-Geschäftsführer Hans-Jörg Schötzau stellte erstmals einem Basler Publikum seine Unternehmensgruppe vor, die sich aus den altehrwürdigen Nordostschweizerischen Kraftwerken (NOK) herausentwickelt: Mit 2,9 Millionen Einwohnern im Einzugsgebiet, 29'000 GWh (=Gigawattstunden=Milliarden Kilowattstunden), 32'000 GWh Handel und einem Umsatz von 4,2 Milliarden Franken sei man die entscheidende Stromunternehmung im Inlandsmarkt. Die „Axpo“ ist in der Nordwestschweiz durch die AEW Energie AG im Fricktal vertreten, sowie durch die gruppenzugehörige „Elektrizitätsgesellschaft“ in Laufenburg (EGL).

 

Schötzau zeigte sich EMG-befürwortend und warnte vor einer Ablehnung. Bereits müsse die „Axpo“ auf 80 Millionen Franken Synergiegewinne jährlich verzichten, räumte Schötzau ein, weil sich die Kantonszürcher Bevölkerung gegen eine Stromnetz-Eingliederung ihres Elektrizitätswerkes in die „Axpo“ aussprach. „Wir müssen aufpassen, dass uns der Föderalismus nicht zu teuer kommt“, kritisierte Schötzau. „Axpo“-Nordwestschweiz Geschäftsführer Hans Herter bekräftigte seinen Wunsch nach einem lebendigen Strommarkt: „Wir brauchen keine wirtschaftlichen Staus im Netz wie auf den Autobahnen.“ 

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Stromversorger schwimmen im Geld

 

1.6.02 Die 90er Jahre werden als „goldenes Zeitalter“ in die Bücher der Regio-Elektroverteiler IWB, EBM und EBL eingehen. Unter der Oberfläche formiert sich die Wirtschaft für den Markt.

 

Basel. Die blendende wirtschaftliche Verfassung der regionalen Elektroenergie-Unternehmen spiegelt sich in den Jahresergebnissen. Dabei gibt es seit Jahren erhebliche, aber selektive Preiszugeständnisse gegenüber der Industrie (rund 30 Prozent) als Schlüsselkunden und den übrigen Kunden(4-5 Prozent). Mit den Zugeständnissen wird einerseits Kundenbindung betrieben, für den Fall des Elektrizitätsmarktes, andererseits werden reale Produktivitätsgewinne teilweise weitergegeben. Industrielle Werke Basel, (IWB); Elektra Birseck (EBM); Elektra Baselland (EBL)schwimmen in Geld wie nie zuvor in ihrer 100jährigen Versorgertätigkeit.

Die IWB beziffern ihre Reserven im Geschäftsabschluss 2001 mit 90 Millionen bei einem Stromumsatz von 177 Mio. Bei der EBM werden 140 Millionen (Umsatz 243 Mio.) und bei der EBL 31 Millionen (Umsatz 86 Mio.) als Eigenkapital ausgewiesen. Darin verbergen sich Reserven für Marktrisiken, Bau- und Erneuerungsreserven sowie Freie Reserven. Parallel zum Eigenkapitaltrieb, der im Monopolgeschäft ja nicht erforderlich war, schrieben die EBM ihre Anlagen seit 1996 bis heute im Umfang von 125 Millionen ab; die EBL um 81 Millionen. Die EBM überlegt eine laufende 30 Mio.-Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen, womit sie als schuldenfrei gilt.

Dabei wurde das Bilanzwachstum, soweit bekannt, aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit erzielt: EBM 92-01: 189 auf 330 Mio., EBL: 58 auf 93 Mio. Nirgends bewahrheitete sich die Befürchtung, die Kampf um gute Positionen vor dem „Urknall“ eines Elektrizitätsmarktgesetzes frässen die Reserven auf. Tendenziell ähnliche Charakteristiken weisen die BKW Energie auf, die Laufen und Umgebung versorgen, sowie die AEW Energie AG, die das Fricktal am Netz hat.

Wie können solche Erfolgszahlen generiert werden? Nachwievor gelten die Regeln des Stromkartells, der Strompreis ist ein Gebietsmonopol-Konstrukt und zusätzlich erzeugt der Inlandskraftwerkspark dank vorzeitigen Abschreibungen und unwesentlichen Investitionen so billig wie nie.

Parallel erreichte die Elektroenergie eine Stellung als Quasi-Elementargrundstoff von Wirtschaft und Gesellschaft. So wird es beim steten Verbrauchszuwachs bleiben – auch als Konjunkturindikator. Obwohl diese, z.B. Novartis oder Roche, bisher für Energieeffizienz sorgten: Innerhalb Stadtbasels stieg der Bezug um 3,3 Prozent (Vorjahr; 0,1). Davon geht der geringste Anteil, 0,6 Prozent, auf die Privathaushalte zurück. Vergleichsweise verzeichnete die EBM, die das Unterbaselbiet und das grösste Chemie-Industriegebiet der Schweiz, Schweizerhalle, am Netz hat, 0,7 Prozent. Im Oberbaselbiet verabschiedete sich das Gewerbe mit minus 1,8 Prozent vom Zuwachstableau – die Wirtschaft pendelte bei 0,1 Prozent.

Als Profilierungsmittel entdeckten die Stromversorger den „grünen Strom“, wenn auch in kleinem Rahmen. Es bestätigt aber die Pioniere: Als “Independent Power Producer” (IPP) kann die Liestaler Adev Energiegenossenschaft auf eine sechzehnjährige Tradition zurücksehen. Sie erzielte 1,38 Millionen mit ihren Kleinwasser- und Blockheizkraftwerken, Windgeneratoren und Solarstrom-Anlagen, finanziert durch „private placements“. Dagegen plus/minus 700 Millionen Franken würde der Neubau des Rhein-Kraftwerkes Rheinfelden kosten, das die Energiedienst-Gruppe („Kraftübertragungswerke“) plant.

Das 100jährige Kraftwerk muss erneuert werden, aber unter den deutschen Strommarktverhältnissen ist es gegenwärtig nicht finanzierbar, der Plan offen. Mit der Naturenergie des Rheines sind die Energiedienstler der führende Ökostromer – und demnächst in neuen Händen. Jedenfalls, wenn die Gespräche zwischen der Zürcher Watt-Gruppe und der Karlsruher EnBW erfolgreich verlaufen. Die Zürcher wollen den südwestdeutschen Versorger für rund eine Milliarde Franken abtreten. EnBW, mit ihrer Tochter Yello, hätte dann ein weiteres Schweizer Standbein und praktisch, über die Lonza Energie AG, bedeutende Hochspannungs-Transportkapazitäten vom „Strom-Stern“ Laufenburg über die Alpen zum Stromgeschäft in Italien.

Während der Strommarkt in Deutschland und Frankreich formell seit 1999 in Kraft ist, schwebt die Schweiz noch in der prä-Marktphase(am 22.9. wird abgestimmt). So eröffnete die Axpo (ex NOK)in Basel ein Zweigbüro, Hans Herter, der sich am 13. Juni mit einem energiepolitischen Anlass vorstellen will, gibt sich dennoch gelassen: „Zunächst pflegen wir die Atmosphäre. Daneben bereiten wir den Wettbewerb vor.“

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Stadt wehrt Stromkabel nach St. Louis ab

 

25.5.02 Was ein paar Kabelleger in Alltagsroutine begannen, geriet zur Nervenprobe zwischen der Elektra Birseck und den Industriellen Werken Basel. Der neue Kompromiss, für einen Stromtransport von Birsfelden nach St. Louis, gilt als Signal für die Schweizer Stromszene.

 

Münchenstein/Basel. Schauplatz Chefetage des Basler Elektriztätswerkwes Industrielle Werke (IWB): Sämtliche Glocken schlugen Alarm, als einem Mitarbeiter der Elektra Birseck (EBM) in einer gewöhnlichen Arbeitssitzung beider Werke der Satz entfuhr, der zwar mehr im Schwerz gemeint war: „Dann können wir ja gleich ‚Novartis’ mitversorgen.“ An diesem Punkt hörte der Spass auf. Soweit die Anekdote. Wie das mit der Wahrheit von Anekdoten so ist, jedenfalls büssten die EBM drei Jahre lang mit Warten. Die IWB liessen derzeit rechtlich abklären, was die Gesetze über fremde Stromkabel sagen. Ein zeitintensives Unterfangen; die Paragraphen sind derzeit im Umbruch und zum Teil interpretationsbedürftig. Fazit der dreijährigen Rechtsrecherche, wie die BaZ in Erfahrung brachte: Es bleibt auch im freien Strommarkt verboten, in bestehenden „Kern“-Netzgebieten interessierte Grosskunden mit neuen Stromkabeln zu „wildern“.

 

Die Kontroverse zwischen EBM und IWB begann „in Minne“. Wie sie zu partnerschaftlichen Zeiten halt so gepflegt wurde: Mitte 90er Jahre, erinnert sich Markus Gamma, Chef der EBM Netz AG, registrierte man den Bedarf nach einem neuen Stromkabel, dass die elf boomenden, elsässischen Gemeinden fester ins EBM-Netz einbinden soll. Gamma tüftelte Leitungsvarianten aus: „Der kürzeste Weg führt, von uns gesehen, von Birsfelden, bestehenden Basler Kabeln am Rhein entlang nach St. Louis.“ Gleichzeitig signalisierten die IWB ihre Bereitwilligkeit, die Trasse – bereits vorexistierend – zu verkaufen. Insgesamt geht es um fünf bis sechs Millionen Franken.

 

Die Elektra Birseck ist, aus historischen Gründen, nach der Verstaatlichung der französischen Stromindustrie, „der zweite Stromversorger Frankreichs ausser der Electricité de France (EdF)“, wie EBM-Direktor Hans Büttiker juxt. Aber wenn die Baselbieter weiterhin in Frankreich aktiv bleiben wollen, ist die Leitungsverstärkung nötig. Dabei verbot sich ein zweites Kabel über die Baselbieter Seite, wie bisher, um St. Louis im Störfall mindestens von je einer Seite aus der Schweiz versorgen zu können.

 

Wieso kann die EBM nicht über das bestehende Netz Strom ins Elsass „schicken“? Spätestens mit dem Elektrizitätsmarktgesetz (EMG), über das am 22. September abgestimmt wird, wäre „diskriminierungsfreier“ Transport doch ohnehin gewährleistet? Tatsache ist, Strom ist ungleich Strom. Würde man das Basler und das Baselbieter Netz einfach so zusammenhängen, gäbe es ein Kurzschluss, synchron funktionieren sie nur mit technischen Zusätzen. Die EBM-Leitung ist als existenziell.

 

„Man liess uns einfach warten“, beklagt sich Thomas Wälchli, EBM Energie-Spartenchef, über den weiteren Verlauf des Geschäftes. Nahezu handlungsunfähig verfolgten Wälchli und Gamma mit, wie zwischen IWB und Baudepartement die Verantwortlichkeiten für die nötig gewordenen Detailanalysen zunächst abgeklärt, und dann hin und her geschoben wurden. Wenig zur Beschleunigung trug sicher der Umstand bei, dass das Baudepartement wenig Interesse daran haben kann, die Tätigkeit „seines“ Stadtwerks durch Konkurrenz im ureigenen Stammgebiet zu schwächen. Zwar wird auch dieser Zustand in Bälde beendet, denn das Elektrizitätsmarktgesetz schreibt eine Trennung von Netz- und Verteilungsunternehmen vor, aber das tröstet die Münchensteiner heute wenig.

 

Eduard Schumacher, Geschäftsleitungssitzender IWB, witterte schon früh das geschäftliche Potential eines fremden Kabels – und zeigte sich misstrauisch. Er hatte schon vor fünf Jahren in der Stadt auf die Pauke gehauen und gewarnt: „Wenn wir unsere Industriekunden verlieren, dann wird der Strom für den Rest unserer Versorgten wirklich teuer.“ An anderer Stelle warnte er davor, das fremde Kabel durch sein Terrain zu erlauben. Er unterstrich, dass man nicht tatenlos zusehen werde, wie die grössten Kunden weggeschnappt würden.

 

Soweit die BaZ aus den spärlich bekannten Informationen über das nun vorliegende Rechtsgutachten weiss, gilt folgendes: das neue Elektrizitätsmarktgesetz verpflichtet Netzbetreiber wie die IWB „feindliche“ Stromkabel abzuwehren im Interesse der „Tarifsolidarität“ innerhalb einer „Netzgruppe“ - es bestätigt also Schumachers Auffassung. Damit ist „Eigenkabel-gebundene Wilderei“ verboten. Neue Erkenntnis nebenbei; nicht ausgeschlossen ist, dass in „Grenzgebieten“ mit ein paar Kabelmetern ein Versorger dem anderen seine Kunden „abhängen“ darf – dies führt zu „Netzoptimierungen“. Es wird für das Netzgebiet „Schweizerhalle“, das in „optimaler“ Netz-Reichweite von IWB, EBM, EBL, Axpo und auch deutschen und französischen Verteilern liegt, eine brisante Feststellung sein - für die heutige Netzbetreiberin - EBM.

 

Im Fall „Franzosenkabel“ gab es ein Aufamten in Basel, Murren im Baselbiet. Thomas Wälchli sagt: „Was blieb uns übrig, als bei den IWB einen Miettransport zu beantragen?“ Das Geschäft hakt weiter. An sich sollte der Vertrag zwischen IWB und EBM bereits unter Dach und Fach sein, aber der Termin Anfang Mai verstrich ohne Post vom Rheinknie. Markus Gamma übt sich in Ruhe: „Wir haben es hier mit einem Staatsversorger zu tun, der das in den Knochen hat, und einer Stadt, die ihre Interessen schützt.“ Das Murren bei den EBM über die IWB und die Politik des Baudepartementes ist unüberhörbar – zugleich fühlt man sich durch die bestehende Verhältnisse benachteiligt. Der Basler Strom, der über die Verbund- und Verbindungsleitungen der Bernischen Kraftwerke über Baselbieter Terrain herangeführt wird, gilt dabei als ein scharfer Anreiz für einen neuen Konflikt. Zeit für die Baselbieter sich zu überlegen, sieht Thomas Wälchli den nächsten Schachzug, auch das Entschädigungs-Regime für Stromfernstrassen grundsätzlich neu zu überdenken...

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Strommärkte Dreiland: elektrisierendes 2002

DreilandStrom

10.01.02 Im neuen Jahr stehen stromwirtschaftliche und -politische Entscheide an: In der Stadt die Zukunft der IWB; auf dem Land orientieren sich die Elektras bereits um. Sie werden voraussichtlich von Neupositionierungen der "Aare-Tessin" betroffen sein.

Basel. Das nächste Jahr wird im regionalen Nahwärme- und Elektrizitätsmarkt durch weitere, paradoxe Entwicklungen gekennzeichnet sein: die wilde Liberalisierung des Strommarktes für Grosskunden wird einerseits fortgesetzt, andererseits konsolidiert. So schrieb die Messe Basel ihre Energiebedürfnisse beispielsweise zum Wettbewerb aus. Weitere Bezüger werden diesem Vorgehen folgen. Interessant auch der ATEL-Deal (Aare-Tessin AG) mit führenden Basler Hotels, so etwas wie einen energieökonomisch-ökologischen "Strompreis-Sparpakt" einzugehen.

Das eidgenössische Elektrizitätsmarktgesetz ist umstrittener denn je - in seiner bereits siebenjährigen Genese. Sein Inkrafttreten erscheint unendlich offen. Dafür gibt's regional Bewegung: der Grosse Rat berät über das neue firmenrechtliche Kleid der IWB. Soll sie weiterhin Dienstabteilung der Verwaltung sein, oder Unternehmen? In der Landschaft stehen zwei Initiativen zum Entscheid an: eine, die eine mit Basel vergleichbare, verlässliche Solarstromförderung vorsieht, sowie eine Effizienzvorlage ("Faktor 4-Initiative). Wettbewerbspolitisch müsste im Jahre 2002 der Streit zwischen Elektra Baselland und eidg. Wettbewerbskommission ("weko) geklärt werden.

Die Grenzen der Monopolversorger lösen sich auf: Als Querverbundunternehmen (Fernwärme, Gas, Wasser, Strom) sind die IWB das grösste Nordwestschweizer Energie-Unternehmen. Ihr Gasnetz erlaubt Expansionen auf der Basis bestehender Kundenbeziehungen (während es umgekehrt für Stromer beim Gas keine Marktmöglichkeit gibt). Für ihre Grosskunden gründeten die IWB, mit chemischen Interessenten die BEC AG (Rheinfelden), die z.B. die Energiezentralen der Roche einbrachte. Über die weitere Expansion muss der Grosse Rat entscheiden, wie bei jedem Geschäft der IWB.

Die Elektra Birseck (EBM), neu EBM Trirhena AG, in Münchenstein, setzt annähernd soviel Strom wie die IWB ab. Respekt geniesst die EBM bei den IWB durch ihre Nähe (Aktienbeteiligungen) zur Aare-Tessin AG, der grössten schweizerischen Stromhändlerin - beide könnten mit ihrem Netz praktisch in der Stadt tätig werden. Aber als Allianz traten Atel und EBM bisher nicht auf. Die EBM befindet sich derzeit in einer Phase der Neuorientierung, nachdem sie sich praktisch von einer Genossenschaft in eine AG umfirmierte.

Auch die Elektra Baselland im Oberbaselbiet hält Anteile an der Atel. Sie entschied sich vorvergangenes Jahr, prononciert regionalwirtschaftlich vorzugehen. Sie verstärkte in wenigen Jahren in einigen Gemeinden ökologisch-effiziente Biomasse-Nahwärmeverbunde, was ihr keiner so schnell nachmachen dürfte. Überlegungen von EBM und EBL sind bekannt, die Regional- und Verteilnetze in eine landschaftliche Netzbetreiberin umzugliedern. Der Strom wird seit längerem gemeinsam eingekauft. EBM und EBL können demnächst ein regionales Telekomm-Kabelnetz für Dritte anbieten.

Zwar befindet sich die Gruppe "Kraftübertragungswerke Rheinfelden/Laufenburg" in Hand der "Watt-Gruppe." Mit ihrer Tochter "Naturenergie", der grössten Ökostromerin in Deutschland, hat sie Schlagzeilen gemacht. Offen ist, was mit der deutsch-schweizerischen "Watt"-Gruppe geschieht: Die Schweizer Eigentümer wollen den deutschen Anteil abgeben, aber die deutschen Eigentümer der Watt-Gruppe, der norddeutsch-bayrische Euro-Strom-Koloss E.on Energie AG sowie die EnBW (Energie Baden-Würrtemberg AG) balgen sich um den Rheinfelder "Watt"-Ableger. Nun wurde ein Gerichtsprozess zur Klärung der Interessen angekündigt.

Im Elsass ist, neben elf von der EBM versorgten Gemeinden, das grösste Euro-Stromunternehmen aktiv: die EdF. Sie hält indirekt Atel-Anteile, direkte an der EnBW (und neu der Lonza-Wasserkraft). Bisher verschwieg sie ihre Schweizer Pläne. Gut möglich, dass die UBS als indirekte Atel-Miteigentümerin (via Motor-Columbus in Baden) den Weg für neue Geschäfte öffnet. Ende 2002 kann sie (wie die CS Group bei der "Watt"-Gruppe) ihre Anteile ohne steuerliche Nachteile, die sie bisher gewärtigen musste, abgeben.

Bei der Atel bleibt abzuwarten, ob sie vielleicht der Essener RWE, auch Atel-Eignerin, statt der EdF zufällt. Sie seht in Punkto Finanzkraft der EdF nicht nach. Ein Gemengelage wie bei der "Watt"-Gruppe erscheint möglich. Offen wäre, wie die Baselbieter Elektras ihre Atel-Anteile handhaben würden, die - jenachdem - riskant oder lukrativ sind.

Eine Lektion an die Adresse der Einheimischen im Strom-Poker gab es schon, den eigenen Stellenwert im Euro-Stromkonzert nicht falsch einzuschätzen. Die Neuverteilung der Stromtransportquoten über die Alpenleitungen und den "Stern Laufenburg" zugunsten der Franzosen und zuungunsten der Inländer, ist als deutlicher Fingerzeig zu sehen. Ob andererseits eine "Strom Schweiz AG", wie von Exponenten gewünscht (im Gegensatz zu ausländischen Beherrschungen), im eurozonalen Geschäft überhaupt Bestand hätte, bliebe zu beweisen.

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Das „Backbone Nordwestschweiz“ kommt

 

19.4.02 Die Basler und Baselbieter Elektroenergieversorger bauen mit Hochdruck ein zweites Telekommunikationsnetz in der Nordwestschweiz auf. Im Baselbiet entsteht neben dem Telefonienetz ein hochkonkurrenzfähiges bi-direktionales Netz mit Haus-zu-Haus-Feinverteilung.

Basel/Liestal. Mit einem konzentrischem Ziel, einem Backbone-Netz Basel-Landschaft, mit Knoten in Basel, verlegen die Elektra Baselland-Tochter „EBLCom“, die Elektra Birseck-Tochter EBM Telecom AG sowie die Industriellen Werke Basel mit „Connex“, Hunderte von Kilometern Glasfaserkabel in der Region. Sie erlauben derzeit Grosskunden Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sowie, immer häufiger, Internet via TV-Kabelanlagen. Nicht vorgesehen sind derzeit Telefonie-Angebote, es sei denn, dies wird übers Internet dank der massiven Kabelkapazitäten doch interessant. In wenigen Jahren entsteht so ein zweites Regionetz parallel zum klassischen Telefonverbund, dem mittelfristig viele örtliche „letzte Meilen“ zugerechnet werden können.

„Wir sehen die Bedürfnisse der Gemeinden und Kunden, wir haben die Technik, Erfahrung und Infrastruktur“, sagt Beat Andrist, EBLCom. Er verschweigt nicht, dass für die Elektroenergieversorger das sich durch Internet und Computer zusätzlich eröffnete Geschäftsfeld eine hochinteressante Ausnutzung der bestehenden Geschäftsinfrastrukturen erlaubt. In diesem Sinne haben die Elektra Baselland (EBL), die Elektra Birseck (EBM) und die Industriellen Werke (IWB) in weniger als fünf Jahren erhebliche Mittel investiert.

Um ihren Nordwestschweizer Kunden valable Alternativen zu klassischen Kommunikationsanbietern zu gewähren, arbeiten EBLCom und EBM Telecom AG eng zusammen: sie bauen bis 2004 das „Backbone Nordwestschweiz“. Die wichtigsten Teile sind bereits verlegt. Punkt-zu-Punkt-Geschäftskunden können vom Airport Basel-Mulhouse ins Netz, von den grossen Agglo-Gemeinden des Unterbaselbietes und entlang der Achse Birsfelden-Liestal.

„Wir gehen pragmatisch vor, und folgen unseren Kunden“, sagt Beat Andrist. „Wenn sich jemand interessiert, prüfen wir die Anschlussmöglichkeit an die Hauptadern. Jenachdem welche Zukunftsaussichten sich ergeben, verlegen wir auch Hauptadern in noch unerschlossene Gebiete.“ Dies bestätigt auch die EBM. Nützlich ist dabei, dass die Elektroverteiler schon aus guter alter Monopoltradition zusätzlich zu ihren internen Kommunikationsnetzen Leerrohre legten. Sie können im Handumdrehen aktiviert werden. Noch gezielter gehen die IWB vor, der das eng umbaute Stadtgebiet nützlich ist. Hier geht immer irgendwo gerade „zufällig“ ein Kommunikationsstrang des Werkes vorbei.

Das eine Ziel vor Augen, Wettbewerber im klassischen Telekommunikationsmarkt zu werden, unterscheiden sich die Strategien der drei Energieversorger dennoch: in Basel beschränkt man sich auf die Punkt-zu-Punkt Verbindungen für Grosskunden notgedrungen, da das Feinverteilnetz in der Hand der Balcab ist. Ein Einstieg des Staatsunternehmens IWB ins Feinverteilnetz fehlt derzeit auf der politischen Agenda. Dieser Nachteil erlaubt dem IWB-Direktor Eduard Schumacher wiederum, das Geschäftsfeld „Connex“ forciert, d.h. schnell, auszubauen.

Langsamer, dafür im Massengeschäft mitmischend, kommen im Vergleich zur IWB die EBL und EBM voran. Hier unterscheiden sich die Strategien: EBM-Direktor Hans Büttiker zeigte sich früh erpicht, bestehende Fernsehkabelnetze möglichst ins Eigentum zu übernehmen. Dem setzen die Landschäftler Gemeinden allerdings Widerstand entgegen, die weder liebgewordene Traditionen noch eigen geglaubte Autonomie aufgeben wollen. So entstehen zunächst Kooperationen, so in Münchenstein. Der Start in die Telekommunikation erfolgte, trotz einigen Firmenzukäufen der EBM in diesem Sektor, nicht so fulminant wie angekündigt wurde.

Politisch hochsensibel geht die EBLCom vor, die sich schon gar nicht als „Comm“-Anbieterin anpreist sondern als „Unterstützerin“. Das hat Methode, Beat Andrist: „Wir sehen, dass den meisten Gemeinden erhebliche Aufwendungen ins Haus stehen, wenn sie ihre bestehenden Fernsehkabelanlagen modernisieren müssen. Wir haben alles, was die Gemeinde an Know-how braucht, um im Sinne des Gemeinwohls weiterhin für ihre Dorfgemeinschaft tätig zu sein.“

Beispiel: „Ramlinsburgnet“. Hier ging die EBLCom mit der Gemeinde eine eigene Aktiengesellschaft ein, in der die Elektriker zwar die Aktienmehrheit haben. Aber es besteht die Verpflichtung, sich nicht in Programm- und Preisgestaltung einzumischen. Was die EBLcom liefert ist: das moderne, bi-direktionale Netz, die Administration bzw. Abrechnung sowie der Anschluss ans Worldwideweb sowie, für interessierte Gewerbetreibende und Industrie, Grossanschlüsse ans „Backbone Nordweschweiz“ mit Ankopplung an die weltweiten Netze der grossen internationalen, Telekomm-Anbieter. Das hat auch den Vorteil, dass Kunden mit weniger Geld als bisher möglich doch den Vorteile der Hochgeschwindigkeits-Datennetze zunutze machen können. „Wir glauben“, sagt Andrist, „dass wir mit unserer win-win-Strategie für Kunden und für uns dem Oberbaselbiet tolle Möglichkeiten im Kommunikationsbereich eröffnen.“

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Strompreis-Senkung für Gemeinden und Kanton

6.11. Gemeinden und Kanton Basel-Landschaft erhalten neu deutlich günstiger Elektrizität - dafür verpflichten sie sich gegenüber ihren langjährigen Lieferanten über den Zeitpunkt der "Strommarktöffnung" hinaus - unter Ausschaltung des Wettbewerbsrechtes? Unter Rechtsexperten eine kontroverse Frage, die nur ein Gerichtsprozess klären könnte.

Liestal. Derzeit staunen Stromproduzenten wie die Watt (Suisse) oder die "atel" nicht schlecht: Aus ihrer Sicht wird der teilweise "offene" Strommarkt ab Zeitpunkt 2006/7 um anderthalb weitere Jahre zementiert. Indem Gemeinden und Kantone (sowie ihre Körperschaften) langjährige, Verträge mit ihren bisherigen Lieferanten aushandeln. Im Falle des Baselbiets mit der Elektra Baselland (Liestal) und Birseck (Müchenstein).

Was die Staats-Finanzchefs freut: Strompreissenkungen von drei bis neun Prozent werden geboten. Zusätzlich gewährt die "Axpo", im Fricktal durch die AEW Energie AG vertreten, weitere "einmalige Bonuszahlungen" zwischen 1,5-3 Prozent.

Um in den Vorteil dieser Preisreduktionen zu gelangen, verlangen die Stromdienstleister als Gegengeschäft langfristige Lieferverträge. Dieser unterscheidet sich von den bisherigen Verträgen in einem Punkt: er dauert im Minimum 18 Monate länger als der Zeitpunkt X. Somit begründet er ein Lieferverhältnis über den Zeitpunkt des Strommonopols hinein in den Offenmarkt. Will der Kunde vorzeitig aus diesem Vertrag raus, z.B. um einen billigeren Lieferanten zu berücksichtigen, ist dies nur bei Rückzahlung der zuvor erhaltenen Rabatte und/oder Boni erlaubt. Da Staatswesen an parlamentarische Budgetierungsprozesse gebunden sind (Rabattrückzahlungen also eine ziemlich komplizierte Angelegenheit), haben sich die öffentlichen Vertragsnehmer praktisch auf feste Verträge verpflichtet. Schaltet damit die öffentliche Hand das Submissionsrecht aus?

Wir handelten korrekt, sagt man beim Kanton Basel-Landschaft. Die Bau- und Umweltschutzdirektion betont die Rechtmässigkeit ihrer Verträge. Ernst Emmenegger und Markus Stöcklin hielten sich einfach an die bestehenden Gesetze. Rein rechtlich ist der "Elektrizitätsmarkt" (EMG) inexistent - über das eidgenössische Gesetz muss im Sommer abgestimmt werden. Der trotzdem zu zwei Dritteln geöffnete Schweizer Strommarkt findet alleine unter der Erwartungshaltung des Marktes statt.

Markus Stöcklin beklagt diese "fehlende Rechtspraxis". Tatsächlich existiert selbst beim Staatssekretariat für Wirtschaft ("seco") keine gesicherte Rechtsmeinung. Drei Punkte, so das "seco", könnten rechtlich für die neuen Stromverträge sprechen: noch gelten die alten Regeln; der Wettbewerb spielt (die Öffentlichkeit profitiert) und die bilateralen Verträge EU/Schweiz sehen begründete Ausnahmen bei den Ausschreibungspflichten vor. Auch die Wettbewerbskommission ("Weko") gibt sich ungewiss. Letztlich, wird beim "seco", zugegeben, würde wahrscheinlich erst ein Gerichtsprozess Rechtssicherheit geben - bis dahin herrscht Ruhe mangels besseren Wissens.

Glasklar dagegen sieht die Sache aus Sicht der Kommission der Europäischen Union (EU) aus: Die öffentliche Hand ist verpflichtet ihre Bezüge diskriminierungsfrei zur Konkurrenz auszuchreiben. Sie kann höchstens zusätzliche Umweltschutzaspekte verlangen. Der Haken für die Schweiz: Die EU lässt alleine Länder an ihrem Binnenmarkt zu, die sich zu ihren Regeln "reziprok" verhalten. Dies trifft sinngemäss auch für die GATT/WTO-Regeln zu, der sich die Schweiz vorbehaltlos verpflichtete. Daher bewegen sich Gemeinden und der Kanton bei der Frage der Submissionsgesetzgebung bis zum Vorliegen des Gegenbeweises für ihre These auf ungesicherten Pfaden.

Zusätzlich akzeptieren sie protestlos eine Ungleichbehandlung, die derzeit die Stromversorger praktizieren. Ohne eine Bündelung ihrer Strombezugsstellen wären selbst Post und Banken nicht marktzutritts-berechtigte Grosskunden. Freiwillig, ohne gesetzliche Vorgaben, gewährten die Stromer ihren Grosskunden neu als "Bündelkunden" Zugeständnisse. Banken wie UBS oder CS, die Post und die Bahn "bündeln" ihre zahlreichen Verbrauchspunkte zu einer grossen Rechnung.

Diese "Bündelung" ist wichtig, da in der Schweiz zunächst nur Grosse und etwas weniger grosse Nachfrager stufenweise zum Markt zugelassen werden sollen ("Marktzutrittsberechtigung") - erst zum Schluss Haushalte und Gewerbe. Kanton und Gemeinden verzichten auf diesen Bonus - sie bündeln nicht. Markus Stöcklin (BUD): "Wenn nicht der Staat, wer soll dann die Gesetze einhalten?" Ohne diese noble Zurückhaltung in Sachen Nachfragemacht wäre der Kanton mit 31 Gigawattstunden/p.a. so gross wie all jene, denen die Elektrizitätswirtschaft schon seit zwei bis drei Jahren ohne wenn und aber erhebliche, unter Wettbewerbsbedingungen erstrittene Rabatte einräumt. 

 

Strompreisgewinne für Erneuerbare Energien

Liestal. Der Kanton wird die Überschüsse durch gesunkene Strompreise möglichst vollständig zur Förderung Erneuerbarer Energien einsetzen, sagt Peter Stucki (Amt für Umweltschutz und Energie). Darüber hinaus nutzen Gemeinden wie Reinach und Lausen den finanziellen Spielraum, um Ökostrom einzukaufen. Der Kanton belässt es dagegen beim bisherigen "Egalstrom"-Mix der Elektra Baselland und Birseck (EBM/EBL), der zum grösseren Teil aus Atomstrom- und zum geringeren Teil Wasserkraftquellen stammt. Seitenanfang Startseite

Baselbieter Gemeinden kaufen EBM Ökostrom weiter

EBL führt Rheinstrom und Solarstrom weiter

So funktioniert Ökostrom im Netz weiter

Unklarer Ökostrom-Kurs von Regierungsrätin Elsbeth Schneider weiter

 

Strommarkt Schweiz:  Männer als befürwortende, risikowillige Minderheit

Schiffbruchgefahr für eidgenössische  Strommarktöffnung-Abstimmung im Sommer 2002.  Elektrizitätsmarktgesetzgebung droht an Anti-Ökonomie Meinungsklima zu scheitern

29.8.01  Das gfs-Forschungsinstitut für Meinungsumfragen hat für die Baudirektion Kanton Zürich den Abstimmungskampf über die EKZ-Rechtsformänderungsrevision zur Aktiengesellschaft analysiert (und am 27.8. präsentiert). Abgesehen davon, dass es ein eher knappes kantonales Abstimmungsresultat war, bildet es keine Zufallsgegnerschaft ab. Daraus lassen sich überraschende Schlüsse ziehen:

-          - die Strommarkt-Frage erscheint als eine Frage der damit verbundenen Risikowahrnehmung der Interessierten sowie sich betroffen fühlenden (wird für mich das Leben leichter und sicherer, oder nicht?) Diese Antwort wurde klar verneint und damit einhergehend die EKZ-Vorlage abgelehnt.

-          - vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass vorwiegend ältere Frauen, Frauen, „not-haves“, Menschen mit geringem Bildungsniveau und wiederum sehr gut Informierte in Kernstädten gegen die von ihnen wahrgenommene Liberalisierungstendenzen sind. Befürwortend zeigen sich eher junge Menschen sowie -  ausgeprägt - männliche Befragte. Nur diese Minderheit sieht hier eine Bereicherung der Alltagspraxis bzw. der Gesellschaft.

-          - unabhängig vom Informationsstand, dem kaum eine Rolle im Abstimmungskampf zugesprochen werden musste (das Debakel also keine Frage eines geringen Informationsdargebotes), wurde (richtigerweise) der sinnhafte Kern der EKZ-Abstimmung begriffen (auch ohne Kenntnis der Details): Strom-Versorgung neuen Zuschnittes, oder nicht? Dabei erschienen die Meinungen bereits vor dem Abstimmungskampf mehr oder weniger gemacht. Inwieweit hier Lernprozesse stattfanden, die für Modernisierungen nötig sind, lässt die gfs-Umfrage offen.

-          Die gfs-Analyse lässt den Schluss zu, dass es eine eidgenössische Elektrizitätsmarkt-Abstimmung derzeit schwer hätte. Da es, wie gesagt, nicht um Details geht, sondern um Grundpräferenzen pro und contra Liberalisierung.

-          Die gfs-Analyse bildet eine Stimmung ab, die sich gegen wirtschaftliche Denkweisen wendet, die der Ökonomie einen Primat und den Charakter einer Problemlöserin einräumen. Im Umkehrschluss könnte man sagen; das Vertrauen zu Daseinssicherheit wird eher in staatlichen Organisatonsformen gesehen – ein neuer Trend? Interessant in diesem Zusammenhang; die Angst vor der Ohnmacht, die Stromversorgung könnte von „ausländischen Konzernen“ beherrscht werden (also der Verlust des unmittelbar beeinflussbar Geglaubten). Hier könnte – neben der allgemeinen Erlebenslage – auch die Erfahrung z.B. mit der "Cablecom", als Kabelfernsehbetreiberin im Kanton Zürich, eine Rolle spielen, die als Anhängsel eines multinationalen Konzerns in jüngster Zeit nicht eben als sehr kundenfreundlich wahrgenommen wird. 

Fazit: bei vollem Bewusstsein um die Sachlage – mehr oder weniger Markt – steigen vorab die Bürgerinnen aus der Strommarkt-Liberalisierung aus (vielleicht gar aus der ökonomischen Ökonomie?), da sie sich keinen Nutzen versprechen (sondern schlimmer: zusätzliche Unbill durch Wahlfreiheit, Versorgungs-Ungewissheitsängste etc.). Hier könnte sich rächen, dass eigentlich nie über den Sinn eines freien Elektrizitätsmarktes gesprochen wird sondern nur in wirtschaftlichen Begriffen. So entsteht eher eine zukünftige Drohkulisse als die möglich Sichtweise einer chancenreichen Gegenwart.

Es erscheint dabei eher fraglich, ob die Ratschläge der gfs für eine künftige Strategie – (Imageübetragung herkömmlicher Stromversorgungspraxis auf das neue, in Gründung befindliche Axpo-Konstrukt) Sinn macht. Dagegen ist eher zu fragen, ob nicht gerade die „Axpo“ mit ihrer für schweizerische Verhältnisse sehr breit und auffallend „gefahrenen“ Werbekampagne zeitgenössischen, dekonstruierenden Formats der eh schon wackligen Sache einen Bärendienst erwies – eine kleine Ironie am Rande. 

Ganz am Spektrumsende erscheint die Diskussion gegenwärtig vergleichbar mit derjenige um die EWR-Abstimmung Anfang 90er, als stark auf das Primat des Wirtschaftlichen gesetzt wurde (und Wirtschaftsführer klar aussagten, dank EWR-Regeln auch inländische Verkrustungen zu „knacken“) - diese Argumente zogen jedenfalls nicht.

Zur Analyse geht es hier  Seitenanfang

 

Gehört, zitiert: 

"Wir können ohne Zweifel sagen, dass es falsch und fehlgeleitet war, zu glauben, der Staat solle die Probleme der Menschen lösen, anstatt dass die Menschen ihre Probleme selbst lösen" US-Präsident George W. Bush (zit. n. Finanz und Wirtschaft, 18.8.01, S.39) 

"Kantonen und Gemeinden muss es möglich sein, demokratisch kontrollierte Versorgungsmonopole beizubehalten und einzurichten. Voraussetzung dafür ist das Nein zum Elektrizitätsmarktgesetz." Paul Rechsteiner,  Gewerkschaftsbundpräsident, 4.9.01

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Strom in der Region: vom Polit-Projekt zum Business 

Basel. Basel liegt zentral. Die Stadt stösst an Frankreich als bedeutenden Stromlieferanten und bildet die Pforte zum Oberrheintal. Ein guter Platz also für internationale Stromgeschäfte. Dennoch verzichtete der Verwaltungsrat der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) vor anderthalb Jahren darauf, die 30 Kilometer stromabwärts zu zügeln. Ein einziges Argument sprach dagegen: Basel dürfe nicht für sein Gemecker gegen Atomkraftwerke belohnt werden. Dafür wurde ein gesichtsloser Bürobau im wenig bemerkenswerten Zürcher Vorort Dietikon bevorzugt.  

 

Energieszene: Mit Wärmeschläuchen werden die neuen Claims abgesteckt 

(7.4.01) Das Stromnetz wird zum Energienetz - und stellt die Traditions-Stromverteiler in Frage. Schon vor der Marktöffnung stossen die Industriellen Werke Basel auf Baselbieter Boden vor und treten in Konkurrenz zu den Elektras. Für die gegenseitige Verrechnung fand man vorerst "partnerschaftliche Lösungen". 

 Basel/Münchenstein. Es knistert weiter im Stromnetz: In der Hitze des nahen Strommarktes - der jetzt stellvertretend im "Wärmesektor" ausgefochten wird - verdampfen alte Selbstverständnisse. Das neueste Beispiel: Die Elektra Birseck (EBM) und die Industriellen Werke Basel (IWB) haben einen Modus operandi für die gegenseitige Stromverrechnung erarbeitet, noch bevor der Netz-Wettbewerb "amtlich bewilligt" ist. Er sieht vor, dezentrale Stromproduktion über Verrechnungskonten bei dem so genannten Partnerkraftwerk zu verbuchen (bei der Energierechnung des Rheinkraftwerks Birsfelden beider Basel). Auf diesem Weg wurden Rechtshändel vermieden im Sinne von "den Fünfer gerade sein lassen".

Während die IWB tendenziell (tariflich gesehen) Einbussen macht, haben sie dafür so etwas wie einen "Freifahrtschein". EBM-Vizedirektor Thomas Wälchli bestätigt der BaZ: "Die partnerschaftliche Verrechnung gegenseitiger Elektrizitätsproduktion besteht schon länger."

Herausgefordert wird diese durch eine energiewirtschaftliche Pionierleistung der IWB mit der schweizerischen Brennstoffzellenherstellerin Sulzer Hexis. In einem weltweit, wahrscheinlich im Herbst anlaufenden Feldversuch werden so genannte Kellerheizkraftwerke auf Brennstoffzellen-Technologie eingeführt. Derzeit suchen die Stadtbasler dafür "Innovateure", die trotz Aufschlag bereit sind, mitzuwirken. Die elektrizitätswirtschaftliche und -rechtliche Lösung, die EBM und IWB für die im Brennstoffzellenversuch anfallende Elektrizitätserzeugung gefunden haben (und nicht nur die), beruht auf "partnerschaftlichem Denken". Diese wird Bestand haben, bis das Elektrizitätsmarktgesetz in Kraft tritt (die Referendumsabstimmung findet im Dezember statt). Von neuen Rechtsregelungen erhoffen sich vor allem auch weitere dezentrale Stromerzeuger einen Aufschwung.

Vor sechs Jahren bot der Streit um "rückgelieferten" Strom noch Stoff für drohende Gerichtsverhandlungen. Darauf wurden gesetzliche Regelungen präzisiert. Aber die etablierten Stromverteilunternehmen suchten, wie nun offenkundig wird, unabhängig vom gesetzlich gedeckten "Rückliefertarif"-Angebot, eine kooperative Lösung. Sie vermieden damit offene Konflikte.

Der IWB-Geschäftsleitungsvorsitzende Eduard Schumacher sagt: "Unter den Werken in der Nordwestschweiz herrscht eine entspannte Atmosphäre." Insgesamt aber erhielten die IWB praktisch freie Bahn für dezentrale Stromerzeugung im traditionellen Stammgebiet der Baselbieter Elektras. Konkret geht es gegenwärtig um die Verrechnung eines Blockheizkraftwerks in Binningen und um mehrere vorgesehene Brennstoffzellen-Kellerwerke im Netz der EBM (eventuell auch in Liestal bei der Elektra Baselland). Diese Anlagen erzeugen Wärme und Strom gleichzeitig. Wobei die Wärme vom Anlagenbesitzer verbraucht und die Elektrizität der Elektrizitätsverteiler verrechnet wird. Elektrizitätswirtschaftlich gesehen, wird das jeweilige Quantum einer Energierechnung beim "Knotenpunkt" Rheinkraftwerk Birsfelden zugeschlagen.

Für ihre Anlagen im Elektra-Gebiet erhält die IWB eine Arbeitsgutschrift - ein "ziemlich abstrakter Vorgang", bestätigen die Beteiligten. Dabei tragen die IWB auch die Mehrkosten für den Brennstoffzellenfeldversuch; dennoch wird den Feldversuchsteilnehmern "ihre" Stromproduktion "positiv" verrechnet. Generell wird auf diesem Weg überdies seit längerem das "Naturemade Star" zertifizierte Kleinwasserkraftwerk Neue Welt der IWB taxiert.

Bei der EBM sieht man die gegenwärtige Problemlösung als "operabel". Bei der Elektra Baselland wie bei der EBM wird das Vorpreschen der IWB aber auch als "Rosinenpickerei" gesehen, die sogar kommunale Umwelt- und Energieleitplanung durcheinanderbringen könnte. Dies gerade bei grösseren Anlagen. "Energiepolitisch", sagt Thomas Wälchli mit etwas Sarkasmus, "müssen sich die Basler schon was fragen: wie viel Anlagen sie als Staatsunternehmen ausserhalb des Einflussbereichs ihrer Steuerzahler installieren und verkraften wollen".  Seitenanfang

 

Grünstrom-Verkauf zwischen Trend und Alltagstrott 

30.7.01 Gemessen am Markterfolg bleibt das Segment neuer Öko-Stromangebote Vernachlässigbar. Nicht zuletzt spüren dies die "Stromrebellen" in Schönau im Wiesental. Sie suchen nach Antworten, ob es am Alltagstrott liegt, fehlendem Trend oder gar an Einstellungsproblemen.

Lebenslustige Werbe-Anmutungen, oder klima- und atompolitische Zumutungen an das Publikum? Im Schwarzwaldort Schönau, idyllisch am Belchen gelegen, wird am künftigen Image atomstromfreier Elektrizitätsversorgung entlang gedacht. Denn der Erfolg für Grünstrom könnte insgesamt besser sein. Fest steht: von der kontroversen Kraftwerkspolitik kann nicht auf erfolgreichen Ökostrom-Absatz rückgeschlossen werden und Argumente werden gesucht.

Brisante Frage, die sich stellt: Wird nix Atomstromfreies gekauft, erledigt sich damit die Anti-Atomstrompolitik von selbst? Oder fühlt sich der Einzelne durch die Energiepolitik aus der Selbstverantwortung entlassen? Solange sozial-wissenschaftlichen Daten dazu fehlen, sind die Ansichten geteilt und beruhen auf persönlichen Überzeugungen.

Echt Missionar und Strom-Avantgarde

Am  Energiepolitik-Meinungsmarkt mitzuhalten, beinhaltet jedenfalls - ist deutlich spürbar - eine Differenz zum Wirtschaftsbetrieb. "Vielleicht ginge der Ausstieg schneller, wenn jedem Verursacher von Atomstrom ein bisschen seines Atommülls nach Hause geschickt würde", ärgert sich Ursula Sladek, Geschäftsführerin des Elektrizitätswerks Schönau GmbH (EWS). Als Avantgarde der Atomenergiegegner, die sich vor vier Jahren konsequent vom Netz des Regionalversorgers kappte, hat sie neu auch eine positive Jahresbilanz vorzulegen, und gleichzeitig ist die Grundeinstellung missionarisch...

Das Elektrizitätswerk Schönau GmbH (EWS) zählt nach eigenen Angaben rund 1500 Kunden im etablierten Versorgungsgebiet, die praktisch durch den Netzkauf erworben wurden, sowie weitere 8000 über ganz Deutschland verteilte (damit ist man bald fast so gross wie die deutsche Greenpeace energy). Beim "Nischenplayer" wählt man ein Vollversorgungsangebot oder ein Spendenmodell.

"Watt-Ihr-Spart" ist das neue, Tüv-zertifizierte "atom- und kohlestromfreie" sowie dezentrale (Wärmekraftkopplung, Solar) Bezugs-Angebot für 32,5 Pfennig/Kilowattstunde (ca. 800 Franken Jahreskosten auf einen Schweizer Durchschnittshaushalt bezogen). Mit der Tarif-Linearität (konstant DM 0,325 kWh) wird ausserdem der Wenigverbraucher belohnt. Inklusive ist ein Solarpfennig, ein Spendentopf für Neuanlagen.

Welches Watt darf es sein?

"Watt-Ihr-Volt" ist ein Spendenmodell, das 1998, vor der Liberalisierung, gestartet wurde. Es zielt auf Effizienztechnik, Solar und Neue Erneuerbare, die den (unerwünschten) bestehenden Kraftwerkspark ablösen sollen. Mit den Spenden, als Vertrag wählbar zwischen 60 und 300 Franken jährlich, wurden rund 500 Kilowatt (kW) Solarzellenanlagen ko-finanziert, bzw. Finanzierungshilfen zugesichert, sowie weitere 400 kW Blockheizkraftwerke, vor allem Kleinst-Anlagen, 1800 kW Wind und 20 kW Kleinwasserkraft in Villingen.

Durch den, zum Teil gesetzlich geförderten Stromverkauf der Kleinanlagen an die jeweiligen Netzbetreiber kommt das Investment wieder herein, wenn auch in Pfennigen. Im Hintergrund steht die Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank, die den Ruf hat, Kreditrisiken genau einzuschätzen. Insgesamt decken sich die Schönauer für ihre "Gesamtlast" mit zertifizierter Wasserkraft und Wärmekraftkopplung ein.

Handzettel und Mund-zu-Mund-Propaganda

Entscheidend ist für die Schönau-Stromer der Zugewinn an Kunden, der sich zunehmend härter anlässt. Insgesamt bleibt auch wenig Geld für Werbung, wie zuletzt am jährlichen Seminar beklagt wurde. So zehren die Schwarzwälder vorab von ihrem Ruf als "Stromrebellen." Ihre Handzettel gleichen mehr Pamphleten als Wirtschaftswerbung. Tatsächlich hängt das Wachstum vom Engagement Einzelner ab, z.B. einer Hamburger Aktivistin, auf die viele der fast 800 hanseatischen Beteiligten zurückgehen. Mund-zu-Mund-Propaganda, zeigt sich, ist unerlässlich, wenn Zahlungsbereitschaft und nicht nur verbale Meinungsgleichheit resultiert.

"Der Markt ist eine Revolution gewesen, die die Stromfürsten hinweggefegt hat. Wir haben jetzt die Wahl zwischen den alten Lieferanten und ihrem Schrottstromangebot. Oder, auf eine atomstromfreie Stromversorgung umzuschalten", sagt Ursula Sladek und betont: "wir haben die so lange geforderte Auswahlfreiheit - nur hat es sich erst wenig herumgesprochen." So hat man sich der Energiewende und Öko-Expansion verschrieben, um die Realisierbarkeit des eigenen energiepolitischen Credos zu beweisen. Ein verflixter Zwiespalt, der über die Kräfte der Beteiligten zu gehen droht. Ökostrom als Marke, als trendy oder gar Trendsetter-Utensil, steht im Widerspruch zur Überzeugungs-Argumentation durch Politflugblätter. Bildung oder Spass? Um die Nachdenklichen besser als bisher auf seine Seite zu ziehen, möchte Michael Sladek als Ko-Promoter der EWS eher, "mehr Lebenslust" sehen und skizziert hier ein Handlungsspektrum. "Wenn wir den Leuten zeigen, dass Risiko-Freiheit den Lebensgenuss erhöht, werden sie mitmachen." Selbstkritisch meint er: "Wir wollen uns lebensfroh zeigen und nicht als Mahnung und Drohung."  Seitenanfang

 

Strom-Blockade in Rheinfelden durch E.On und EnBW   Was passiert mit der Energiedienst GmbH bzw. den ehemaligen Kraftübertragungswerken Rheinfelden und Kraftwerk Laufenburg, fragen sich die Rheinfelder bald ein Jahr lang? Wie Strom-Report aus gut informierter Quelle bekannt ist, blockiert eine Auseinandersetzung im Aktionariat der Watt-Gruppe (Dietikon) zwischen der Energie Baden-Württemberg AG und der Münchner E.On Energie AG die Bereinigung der Anteile (Credit Suisse und die NOK sind weitere Anteilseigner). Schon lange interessiert sich die EnBW für die Rheinfelder Energiedienst, ein Bestandteil der Watt-Gruppe, die das Verteilgebiet der EnBW in Südwestdeutschland komplettieren würde. Andererseits hat E.On in der Südwestecke zahlreiche Erdgas-Beteiligungen, wozu noch das Elektrizitätsnetz gesucht wird. Bisher verhärteten sich die Fronten zwischen den Interessenten nur. „Die Auseinandersetzung im Verwaltungsrat hat den Boden des Faktischen verlassen und wird aus Prinzipgründen fortgeführt“, sagt ein Beobachter. EnBW hat ihre Watt-Anteile auf Geheiss der EU-Kartellbehörde offziell bis Anfang August abzugeben – Kaufinteressent sind die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK).  Ohne Einigung in der Rheinfelder Frage wird die Nervenprobe zunächst – mit Fristverlängerung durch die EU - weitergehen. Seitenanfang EnBW kauft Wasserkraft im Wallis

Strom am Oberbölchen - morgen wie?

13.2.01 Mit der Umstellung vom Monopolmodell zum Marktsystem muss der Netzunterhalt präzisiert werden - um den Stromtransport auch am Oberbölchen morgen abzusichern...

"Wir investieren laufend in das Netz", stellt Beat Andrist von der Elektra Baselland künftige Netzzusammenbrüche in Abrede. "Aber die Kunden haben es in der Hand, ob sie x-jemandem oder der Elektra ihr Vertrauen schenken". Wie die EBL hat auch die Elektra Sissach ein nigel-nagel neues Netz. Die Itinger planen eine neue Transformatorenstation - sie bezahlen traditionell bar...

Elektra-Direktor Klaus-Peter Schäffer ist in den letzten Wochen massiv mit dem Thema "Kalifornien" konfrontiert worden: "Hier liest man nichts darüber. Aber in unseren täglichen Gesprächen waren die ‚kalifornische Situation' (s. Kasten) ein Dauerthema. Viele sprachen sich richtiggehend gegen eine Liberalisierung aus, so sind die Medienberichte wahrgenommen geworden. Dabei brauchen wir das Elektrizitätsmarktgesetz, alles andere wäre wirklich schädlich. Dies ist auch für uns interessant zu sehen, wie ‚Medienwirklichkeit' gelegentlich überhaupt nicht die Interessenlage der Leute, mit denen wir zu tun haben, widergeben".

Das Leitungsnetz ist ein unterbelichtetes Thema in der Berichterstattung, da es technisch und kompliziert ist. Es lässt sich nicht eben locker mit süffigen Schlagzeilen verkaufen - was Journalisten zum Leben brauchen. Dabei ist das Leitungsnetz der Schlüssel zum Wettbewerb - und dessen Voraussetzung. Die EBL unterhält acht Unterwerke, wo Elektrizität vom Versorgungsnetz auf Gebrauchsniveau transformiert wird. In 70 Kilometer Freileitung verläuft das Versorgungsnetz in einer acht-förmigen Schleife von Pratteln bis Sissach. Schleifen deshalb, da bei einem Unterbruch von einer Seite Strom beziehbar bleibt. 140'000 Meter Leitungsnetz schliesslich führen an jeden Haushalt Anschlüsse heran. Das Netz - schwer bezifferbar - entspräche einem Neuwert von wahrscheinlich mehreren hundert Millionen Franken.

Für eine Kilowattstunde zahlt der Verbraucher einen Anteil ans Kraftwerk, das den Strom erzeugt, sowie einen Anteil an das Netz. Die Uebertragung ist so teuer, dass die Kraftwerke nahe beim Verbraucher sind. Das obere Baselbiet wird vorab vom Atomkraftwerk Gösgen - über die Schafmatt - fernstromversorgt, mit Anteilen der Rheinkraftwerke Augst und Birsfelden. Dennoch wird es für kleine Werke eng, weil die Höhe des elektrischen Umsatzes pro Leitungsmeter auch über den Gewinn mitentscheidet. Dies zeigt sich an diesen Kennzahlen:

Leitungsmeter/Kunde

kWh

Meter Leitung

Elektra Sissach

36

360

Elektra Baselland

32

391

Industr. Werke Basel

13

768

Die Masse macht's, sagt das Stromgeschäft. Deshalb wird EW-intern gestritten - Netzgebühren müssen zuletzt für Netzgesellschaften ausreichen - die in Zukunft auch den "Oberbölchen" bei "Treibhaus"-Effekt-Stürmen versorgt halten. Aber was ist eine korrekte Netzpflege? In Badisch-Rheinfelden errechnen die Kraftübertragungswerke einen Stromtransport aus drei mal drei Kriterien. Der Kilowatttransport kostet zwischen 8-12 Rappen (vorteilhaft letztlich für dezentralen Strom). Die Geographie ist vergleichbar, die Rheinfelder können damit leben. Jedenfalls sieht die Elektra Baselland Ängste unbegründet, "kalifornische" oder "schwedische" Verhältnisse bei der Liberalisierung vorherzusehen.

Kalifornien "Black-out" als Liberalisierungs-Menetekel?

 Anders als in Kalifornien gibt es in West-Europa einen Strom-Überschuss. Bei Mangel erhöht sich der Preis; daher besteht von Natur her ein Wirtschaftsinteresse an "Knappheiten". Mit genau dieser Situation lebten die privaten kalifornischen Stromer seit 96 gut, bis jetzt ein extremer Sommer und Winter eintrat. Nun sind vorab Strom-AGs fast bankrott, da der Staat für die Markt-Umstellungszeit Preiserhöhungen verbot. Um liefertreu zu bleiben, war Spitzenstrom einzukaufen. An der Strombörse gabs Kilowattstunden nurmehr für das mehrhundertfache als bisher... Aber viele im Sonnenscheinstaat glauben, die Privat-EW hätten fahrlässig die "Black-out"-Wahrscheinlichkeit verharmlost - dies klären Untersuchungen. Zusätzlich überprüft der Staat seine Gesetzgebung wegen der Frage der Preisüberwälzung. Einige Betriebe (z.B. Stadtwerke Los Angeles) funktionierten übrigens tadellos; sie investierten stets.

An sich fehlte nur wenig Strom - die Kalifornier zeigten sich indes Aufrufen gegenüber taub, Verzichtbares abzustellen (Stand-by, Aussenlichter, E-Ofen). Umfragen erhärteten ein erschreckendes Desinteresse, etwas für die Allgemeinheit zu tun. In elektrischen Notzeiten reicht ein einziges Gerät, um das Netz zu überlasten - daher folgten vorsorgliche (Notfallschäden vermeidende) "rollende" Netzunterbrüche. So verursachte volkswirtschaftliche Schäden (die Unterbrüche betrafen ausnahmslos ganze Gebiete) stehen vermiedene 30'000 Megawatt (30 AKW) gegenüber, um die der 55'000 MW-Kraftwerkspark im Staat in den 80ern und 90ern hätte erweitert werden sollen. Im Bau sind jetzt 6000-8000 MW, zudem Kleinkraftwerke.